Alben der WocheGemütlich in der Retrofalle

Das softe Klangsoufflé von Parcels ist überzuckert, aber doch lecker. Und Kurt Vile schickt liebe Grüße an Neil Young.

John Grant - "Love Is Magic" (Bella Union)

Allen, die auf der Suche nach Songs sind, die zu exakt gleichen Teilen verstören und faszinieren, sei das neue Album von John Grant ans Herz gelegt. Auf seiner vierten Platte "Love Is Magic" (Bella Union) hat der amerikanische Musiker nun die beiden Arten von Songs, die er am besten beherrscht, endgültig zu einem einzigen Sound verschmolzen: die Gefühlsballaden am Piano und die Elektro-Pop-Dramen, in deren flimmernden Räumen er seine schrägen Performances aufführt, wie die als geteerter, gefederter und pink beschienener Hühnermann auf dem Cover. Der fast sechsminütige Opener "Metamorphosis" ist ein Ausblick auf die Kurvenfahrt, die folgen wird. Eine Warnung: Das ist nichts für zarte Gemüter. Er beginnt mit knatternden Synthesizern aus Arcade-Games- und Soft-Cell-Zeiten und einer Art verirrtem, surrealistischem Spoken-Word-Theatermonolog, verwandelt sich in eine schwül-verträumte Ballade, und am Ende kehrt Gaga-Grant wieder zurück. Bei all der Exzentrik, schreibt John Grant aber tolle, kluge Zeilen über die Liebe, wie im Titelstück: "And this thing called intimacy / Is it what you always thought it would be? / (. . .) Do you feel like you are in control? / Did you find out that there's really no such thing? / Love is magic". Von Annett Scheffel

Bild: Bella Union 12. Oktober 2018, 05:112018-10-12 05:11:54 © SZ.de/doer