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Alben der Woche:Von einem, der kommende Woche wohl Rekorde brechen wird

Der sehr kluge Geschäftsmann Ed Sheeran ist endgültig zu seinem eigenen Radiosender geworden. Dazu diese Woche: Musik von Banks, Palace, Kaina und Hans Nieswandt und Eric D. Clark.

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Banks - "III" (Harvest)

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Quelle: SZ

Die beste Popmusik entsteht manchmal genau dort, wo es den Willen gibt, in die Charts zu kommen, wo andererseits aber der Drang herauszuhören ist, sich von diesem Anspruch freizuschwimmen. In diesem Dazwischen arbeitet Banks. Die 31-jährige Sängerin aus Kalifornien, bürgerlich Jillian Rose Banks, bietet auf ihrem neuen Album "III" (Harvest) zwei Singles, die zu Hits werden könnten: "Look What You're Doing To Me" und "Gimme", letzterer ein knalliger Pop-R&B-Song, produziert von Hudson Mohawke mit diesen irre zerhackten Trance-Stakkati, wie man sie aus Justin Timberlakes R&B-Hit "My Love" kennt. Abgesehen davon ist aber beeindruckend, wie Banks die "Transformation von einer hoffnungslos naiven Romantikerin zu einer weisen Frau", die sie eigener Auskunft nach kürzlich selbst durchlaufen hat, in Songs verarbeitet, die viel Raum für Stille lassen. "Sawzall" ist ein jazziges kleines Pop-Juwel, Klavier, Akustik-Gitarre und Kitsch-Synthesizer umspielen sich raffiniert. In "Alaska" kontrastiert eine erdige Bossa-Sequenz den Refrain über einen Jimmy, der sich ohne Tschüss zu sagen aus der Glut der Affäre mit ihr verabschiedet hat - ins frostige Alaska. In "What About Love" denkt man dann, Banks habe es mit dem Autotune-Effekt übertrieben. Aber wie er sich über die gebrochensten, kehligsten Momente in ihrem Gesang legt und über Rhodes-Akkorden frei flimmert: Das ist schon sehr gut.

Jan Kedves

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Palace - "Life After" (Fiction)

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Quelle: SZ

Hochwohlgeborener Indierock, das ist in Großbritannien kein Widerspruch. Jungs aus der Arbeiterschicht können sich im Vereinten Königreich ein Leben als Musiker nämlich ohnehin kaum noch leisten. Einsatz Leo Wyndham: Der Sänger des Londoner Indierock-Trios Palace ist Spross der Wyndham-Familie, also zwischen Lords und Ladys aufgewachsen. Mit dem neuen Album "Life After" (Fiction) hat dies nur bedingt zu tun, aber manchmal ist es ja interessant zu wissen, wer letztens beim Glastonbury-Festival auf der Bühne stand. Wydham weiß, welche Themen über Klassengrenzen hinweg verbinden. In "Younger" etwa singt er mit nahezu pathosfreier, kaum weinerlicher Stimme: Als ich jünger war, war ich ein Donnergrollen, jetzt, da ich auf die 30 zugehe, wird mir klar, dass früher alles einfacher war. Man kann sich vorstellen, wie ein Stadion voller Indierock-Fans, die sich mit 30 auch alt fühlen, selig mitgrölt. Produziert wurde "Life After" von Catherine Marks, die 2018 von der britischen Music Producer's Guild als Produzentin des Jahres ausgezeichnet wurde. Sie hat mit St. Vincent und PJ Harvey gearbeitet. Für Palace hat sie den Sound kristallklar poliert, druckvoll, aber nie brutal.

Jan Kedves

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Kaina - "Next To The Sun" (Sooper)

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Quelle: SZ

Aus Chicago kommt die 23-jährige Sängerin Kaina, die mit "Next To The Sun" (Sooper) ein wundervolles Debüt veröffentlicht. Sie mischt warmen R&B-Sound mit lateinamerikanischen Einflüssen wie etwa der Bolero-Rhythmik, die den Titelsong durchpulst. Den Song "Green" beschreibt Kaina als "moderne Interpretation eines Salsa-Lieds", man fühlt sich beim Hören wie in einem sanften Schleudergang, und dann geht die Tür auf und der hymnischste Bläser-Refrain weht hinein. Mit Songs wie diesen könnte es Kaina im Kielwasser des Latin-Pop-Booms, der durch die spanische Sängerin Rosalía ausgelöst wurde, weit bringen. Kaina sieht ihre Musik aber auch als Diskussionsbeitrag: Im Song "House" singt sie über die braunen Hände, die das Essen zubereiten, während die Hausherren ihr Haus eigentlich doch für sich haben wollen. Eine Anspielung auf die Geringverdiener-Klasse der Latina-Bediensteten in den USA, die für ihre Kochkünste geschätzt, aber als Menschen verachtet werden. Es ließe sich problemlos auf die Musik übertragen: Zu unserer Latin-Musik wollt ihr tanzen, aber als Nachbarn wollt ihr uns nicht?

Jan Kedves

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Ed Sheeran - "No.6 Collaborations Project" (Warner)

Ed Sheeran - 'No.6 Collaborations Project'

Quelle: dpa

Ed Sheeran lehrt, Ambivalenzen auszuhalten: Er ist schließlich der Meister des direktesten Weges und der einfachsten Form. Und damit manchmal auch ein Songwriter von fast schon zenhafter Banalität. Wenn er in jemanden verliebt ist, singt er "Ich bin so verliebt in dich". Wenn es etwas mehr zur Sache gehen soll, singt er "Ich liebe deine Formen". Das ist freilich fast immer zu ungefähr 20 Prozent peinlich (weshalb er wohl der, wenigstens gefühlt, meistgehasste Künstler dieser Tage ist). Andererseits muss sich jede Gehässigkeit über seine Musik mit wirklich wahnwitzigen Zahlen messen (weshalb er der messbar erfolgreichste männliche Künstler dieser Tage ist). Man kann seine Alben mit etwas bösem Willen als eklektische Sammlungen schmähen, die die flachsten Formen aller aktuell angesagten Genres bedienen. Aber "÷" (Nummer eins in 17 Ländern) wurde eben auch 56,7 Millionen Mal gestreamt - nur am ersten Tag. Mit "No.6 Collaborations Project" (Warner) denkt Sheeran nun weiter, was er mit dem Vorgänger schon fast perfektioniert hatte: Es ist mehr Mixtape als Album und eigentlich noch mehr Radiosender als Mixtape. 22 Gäste - darunter Cardi B, Eminem, 50 Cent, Skrillex, Travis Scott, Bruno Mars, Justin Bieber, Chance The Rapper - verhindern jeden Hauch von rotem Faden. Ein paar der Songs sind sehr gut. Ein paar sehr belanglos. Alle werden niemandem gefallen. Keiner auch kaum jemandem. Was wiederum zeigt, wie klug der Geschäftsmann Ed Sheeran ist: Wer hört im Streaming-Zeitalter schließlich noch Alben? Und so kann sich eben endgültig jeder selbst zusammenklauben, was ab kommender Woche Rekorde gebrochen haben wird.

Jakob Biazza

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Hans Nieswandt und Eric D. Clark - "The Protest Disco EP" (Footjob)

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Quelle: SZ

In Berlin wird derweil eine Wiedervereinigung gefeiert: Hans Nieswandt und Eric D. Clark veröffentlichen ihre "The Protest Disco EP" (Footjob). Kenner der deutschen Pop-Historie erinnern sich, dass Whirlpool Productions 1997 mit ihrem verspulten Dance-Song "From Disco To Disco" wochenlang die Nummer 1 der italienischen Pop-Charts besetzten. Zu Whirlpool Productions gehörte damals auch Justus Köhncke. Der ist hier nicht dabei, weswegen es streng genommen nur eine Zwei-Drittel-Wiedervereinigung ist. Wie auch immer: In "No More Hatin' & Trashin'" geht es zum Beispiel mit Chic-Gitarre und "Good Times"-Harmonien um das erhoffte Ende der Shitstorm-Kultur, die bringt nämlich nur Negativität, und das ist für die Party schlecht. Sommer-Tanz-Hits mit politischer Ambition und süßem Augenzwinkern!

© SZ vom 10.07.2019/biaz

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