The Divine Comedy - "Office Politics" (PIAS)

Neil Hannon ist nicht zu entmutigen. Der Kammer-Pop auf dem neuen Album seiner auch schon 30 Jahre alten Band The Divine Comedy ist wie immer klug und einfallsreich, aber ziemlich unzeitgemäß. Wahrscheinlich ist es sogar Absicht und "Office Politics" doch als kleine Abhandlung über Entfremdung in der Arbeitswelt angelegt: Die Songs führen aus dem Nachkriegsengland in die Schulterpolsterwelt der späten Achtziger und unsere Zeit der technologischen Veränderung. Vertont ist das wie gewohnt vielseitig und üppig, und erinnert mal an den Synthie-Pop der Achtziger, mal an die England-Beobachtungen von Blur und mal an den Humor der Serie "The Office". Zeitgemäße Popmusik klingt anders, aber immerhin erfährt man viel aus ihrem Fußnotenbereich. In "Philip And Steve's Furniture Removal Company" zum Beispiel etwas über die Möbelspedition, die die beiden einflussreichen Minimal-Komponisten Reich und Glass in den Sechzigern betrieben. Darüber hinaus lernt man, was für ein Irrsinn Arbeit ist. Von Annett Scheffel

Bild: Label 7. Juni 2019, 05:222019-06-07 05:22:20 © SZ.de/qli