Aktionskunst:Den Brexit ausbuchstabieren

Lesezeit: 3 min

Größer geht nicht: „Stop Brexit“, einmal quer über den Kontinent. (Foto: Andy Pardy/therogueconsultant.com)

32 Länder, zehn Buchstaben, drei Monate, knapp 30 000 Kilometer - warum Andy Pardy mit seinem VW Van quer durch Europa fährt.

Interview von Christina Waechter

Andy Pardy, 28, stammt aus London und hat bis vor Kurzem sein Geld als Berater verdient. Seit Anfang Juli aber fährt er durch Europa - mit einem Ziel: Er möchte ein Zeichen gegen den bevorstehenden Brexit setzen. Ganz wörtlich. Mithilfe eines GPS-Trackers fährt er eine Route, die den Satz "STOP BREXIT" ausbuchstabiert. Wer will, kann seiner Reise auf Therogueconsultant.com folgen.

SZ : Herr Pardy, wo sind Sie gerade? Und noch wichtiger: bei welchem Buchstaben?

Andy Pardy: Ich bin in Finnland, in Lappland nahe der Arktis, und fahre die obere Rundung des P ab. Für diesen Buchstaben bin ich von Schweden nach Norwegen, über die finnische Grenze bis hoch in den Norden gefahren - jetzt geht's wieder geradeaus runter.

Und wo waren Sie schon überall?

Angefangen habe ich in Schottland, von dort bin ich nach Nordirland, in die irische Republik über Galway und Dublin, mit der Fähre nach Wales - das war das S. Um dann mit dem unteren Ende des T anfangen zu können, musste ich einmal quer durch England fahren, nach Göteborg.

Wie kam Ihnen die Idee für das Projekt?

Beim Laufen. Ich nutze eine GPS-Lauf-App, die meine Laufstrecke aufzeichnet. Da kam mir der Einfall, das im größeren Maßstab zu machen und damit auch ein Statement gegen den Brexit abzugeben.

Warum?

Ich bin zeitweise in Deutschland aufgewachsen und habe auch mal in Spanien gelebt. Ich habe also die Freizügigkeit innerhalb der EU selbst genossen. Dieses Recht, zu reisen und in anderen Ländern zu arbeiten, ist meiner Meinung nach ein großes Privileg. Viele meiner Freunde sind wie ich absolut nicht einverstanden mit dem Brexit. Zu Hause bin ich Teil der "Remain"-Bewegung und mit dieser Tour kann ich ein kleines Zeichen dafür setzen. Also habe ich meinen Job gekündigt und bin los.

Oh, das ist aber eine große Entscheidung.

Ja, schon. Aber ich wollte etwas Besonderes während unseres letzten Sommers in der EU machen. Wann, wenn nicht jetzt?

Wie reagieren die Leute darauf?

Überwältigend positiv, vor allem in Großbritannien. Aber negative Reaktionen kamen natürlich auch, vor allem aus dem rechten Lager der Brexit-Befürworter.

Wie lange werden Sie ungefähr dafür brauchen, alle Buchstaben abzufahren?

Ich hoffe, dass ich Ende Oktober fertig bin. Mein gebrauchter VW-Van hat mich bisher noch nicht im Stich gelassen.

Wie viele Länder werden Sie passieren?

Ungefähr 32, von denen allerdings nur 26 in der EU sind. Aber ich brauche einfach den Platz, um die Buchstaben abzufahren. Außerdem will ich auf der Tour so viel sehen wie möglich, da werde ich mich jetzt nicht künstlich begrenzen. Das einzige EU-Land, das ich nicht besuche, ist Malta.

Wo geht's als Nächstes hin?

Jetzt kommen die baltischen Staaten, danach fahre ich nach Polen, Rumänien und werde auch einen Abstecher nach Bulgarien und Griechenland machen - wenn ich schon mal da bin. Dann kommt das X dran. Dafür werde ich in Albanien und Montenegro unterwegs sein, dann hoch in die Slowakei, über Ungarn und Österreich nach Deutschland. Ich werde überhaupt eine Menge Zeit in Deutschland verbringen. Und ich versuche, pünktlich zum Oktoberfest in München zu sein. Ich will ja auch Spaß haben auf dem Trip!

Noch mal zum eigentlichen Anlass der Reise: Was bedeutet der Brexit für Sie?

Ich fühle mich als Europäer und habe sehr von der EU profitiert. Ich finde es traurig, dass es in Zukunft den Menschen verwehrt sein oder zumindest erschwert wird, in Europa zu reisen und zu arbeiten. Aber wer weiß, vielleicht wird alles nicht so schlimm. Wir wissen ja bis heute nicht, in welcher Form der Brexit umgesetzt wird.

Erhoffen Sie sich auch, dass Ihre Tour konkrete politische Auswirkungen hat?

Wenn meine Aktion irgendwelche positiven Auswirkungen auf die Debatte daheim hat, wäre das super, klar. Aber im Grunde genommen ist diese Tour ein ganz persönliches Statement. Und in allererster Linie geht es mir darum, jetzt den letzten Sommer in der EU genießen.

© SZ vom 10.08.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: