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Ahnenforschung digital:Pfarrmatrikel im Internet

(Foto: Erzbischöfliches Diözesanarchiv München)

Von Rudolf Neumaier

Lange haben sich die meisten katholischen Bischöfe in Deutschland dagegen ausgesprochen, die alten Kirchenbücher aus ihren Pfarreien digitalisiert ins Netz zu stellen. Ahnenforscher mussten also immer die Strapazen eines Archivbesuchs auf sich nehmen, wenn sie in Tauf-, Sterbe- oder Trauungsbüchern fürs Familienstammbuch eine Ururururgroßmutter und Cousins 14. Grades finden wollten. Die Bischöfe wollten diese Archivpolitik nicht als Restriktion verstanden wissen, sondern als postumen Seelendatenschutz. Denn damit verhinderten sie, dass die Mormonen die Daten der Verstorbenen aus dem Internet holen und sie, vom ersten Korintherbrief inspiriert, nachträglich als Angehörige der mormonischen Konfession taufen, was sie als Fortsetzung ihres Missionierens der Lebenden schon taten.

Das Bistumsarchiv Passau war die erste von mehr als zwei Dutzend Einrichtungen dieser Art in Deutschland, die Kirchenbücher online präsentierte. Inzwischen haben auch andere Bischöfe ihre Bedenken wegen der Mormonen in den Wind geschlagen. Das Archiv des Erzbistums München zum Beispiel wartet unter www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek mit einer stattlichen Pfarrarchivalien-Präsenz auf. Kirchenrechtlich sei diese Form der Seelenveröffentlichung selbstverständlich geklärt, sagt ein Sprecher. Wenn Mormonen Daten für ihre Rituale wollen, hätten sie die auch bislang schon bei einem Archivbesuch sammeln können.

Pfarrmatrikel ermöglichen den Blick in die eigene Genealogie. Keine Angst vor der Schrift - die Paläografie ist eine Disziplin, die sich autodidaktisch bewältigen lässt. Aber Vorsicht: Pfarrmatrikel können süchtig machen. Sind Großeltern bekannt, lassen sich Urgroßeltern finden und von dort aus ist die Ururgeneration in der Regel nicht weit. Selten wird das Internet so heimelig, wie wenn sich längst gestorbene Verwandte wie die Urgroßeltern finden lassen.

Am 4. Februar 1901 heiratete Caspar Thanbichler, Bauernsohn aus Wimmern, die Krämerstochter Amalia Spitzauer aus Leobendorf. Amalias Mutter wiederum stammte aus Esing. Die Dörfer sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Wie klein die Welt war! Caspar und Amalia übernahmen einen Bauernhof in Kulbing und gewiss lebten sie so tüchtig und fromm, dass sie bis in alle Ewigkeit gefeit sind gegen mormonische Übergriffe.

© SZ vom 18.01.2020

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