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Actionkino:Fels überm Abgrund

Filmszene

Ob die Schwerkraft hier mitspielt? Keine Sorge: "The Rock" alias Dwayne Johnson schafft das.

(Foto: Verleih)

Dwayne "The Rock" Johnson und sein neuer Film "Skyscraper": Der Film ist so unwahrscheinlich wie sein Plakat. Aber das muss auch so sein.

Von Philipp Stadelmaier

Rechts ist ein Baukran, links die Fassade eines Hochhauses, im Hintergrund die Skyline von Hongkong. Mittendrin ein Mann, auf dem Sprung sozusagen, vom Kran aus in Richtung des einzigen offenen Fensters auf der anderen Seite, in vermutlich riesiger Höhe. Das Fenster sollte er schon erwischen, wenn die Sache gut ausgehen soll.

So zeigt es das Filmplakat von "Skyscraper", dem neuen Actionfilm von Dwayne Johnson. Als das Plakat Anfang Februar veröffentlicht wurde, meldeten sich etliche kritische Stimmen. "Dwayne, du musst nicht JEDEN Film machen", schrieb ein Fan auf Johnsons Facebook-Seite. Ein anderer erklärte, er habe gerade die Flugbahn berechnet und müsse leider mitteilen, dass rein physikalisch der Sprung nicht gelingen könne. "Krieg mal das mit der Physik auf die Reihe", riet er. "Der Scheiß ist nicht cool."

Der Scheiß mag nicht cool sein - aber sein muss er halt schon. Weil mal wieder einiges auf dem Spiel steht. Johnson spielt Will Sawyer, der ein Sicherheitsgutachten für ein supermodernes Riesenhochhaus in Hongkong machen soll, welches im Film das höchste der Welt ist. Während Sawyer in der Stadt unterwegs ist, besetzen Gangster den Turm und setzen ihn in Brand - sie wollen den Besitzer erpressen. Das Problem: Die Familie von Sawyer ist auch noch im Turm. Da muss man als Familienvater schon mal was riskieren.

Das Abenteuer am Kran ist nicht die einzige schwindelerregende Szene in diesem schönen Film von Rawson Marshall Thurber. Es gibt andere Momente, in denen Sawyer in zwei Kilometern Höhe, mehr oder weniger ungesichert, an der Fassade herumkraxelt. Toll ist auch das Spiel mit der Beinprothese. Denn eine solche hat Sawyer, was seine Höhenabenteuer noch unmöglicher macht. Irgendwann baumelt er an seiner Prothese, also quasi an seinem eigenen Fuß draußen an der Fassade - auch das muss man erst mal schaffen. Und wie flickt man sich danach wieder zusammen? Ganz einfach: mit Klebeband. "Und wenn das mit dem Klebeband nicht klappt: Nimm mehr Klebeband." Eine ganze Menge unsichtbares Klebeband muss Sawyer dann auch auf seinen unmöglichen Flugbahnen und Höhenabenteuern irgendwie vor dem Absturz bewahren.

Für Johnson ist das trotzdem eine leichte Übung. Nicht weil er so leicht wäre, im Gegenteil. Der millionenschwere Ex-Wrestler und Actionstar ist knapp zwei Meter groß und bringt hundertzwanzig Kilo Kampf- und Fluggewicht auf die Wage. Seine Fans nennen das kolossale Muskelpaket nur "The Rock". Aber gerade deswegen ist es weniger interessant, ob und wie er die andere Seite erreicht. Was zählt, ist der Moment, in dem er in der Luft thront.

Der Mann ist nämlich so massiv, dass er im Nichts stehen kann. Ganz ruhig, mitten im Sprung zwischen Kran und Turm, Himmel und Erde. Ein Fels über dem Abgrund. Da kann nichts schiefgehen, garantiert.

Skyscaper, USA 2018. - Regie und Buch: Rawson Marshall Thurber. Kamera: Robert Elswit. Mit Dwayne Johnson, Chin Han. Universal, 102 Min.

© SZ vom 12.07.2018
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