Actionkino Bruce Lee in Berlin

Ein deutscher Martial-Arts-Film? Und was für einer: In "Plan B" kloppen sich vier Stuntmen mit viel Elan durch die Hauptstadt.

Von Doris Kuhn

Leere Fabrikhalle, ordentlich Geballer, vier junge Männer suchen Deckung hinter Betonpfeilern, werfen sich Waffen zu und nebenher auch Witze. Ihre Bewegungen sind präzise, während sie sich gegen maskierte Feinde verteidigen, sie sind Tänzer im Kugelhagel. Alles sieht aus wie großes Actionkino - ist aber bloße Demonstration: Die vier zeigen ihr Können vor einem Casting-Agenten. Sie möchten Stuntmen werden, der Kampf ist ihre Bewerbung.

Trotz des hingebungsvollen Einsatzes bekommen sie eine Absage. Kein Filmjob für Can, Phong, Cha und ihren schusseligen Manager U-Gin. Also treten die Jungs missvergnügt aus der Halle, hinein ins nachmittägliche Berlin. Das ist die erste Überraschung: Hongkong wäre schön gewesen nach so einem Einstieg, zumindest Amerika hätte man erwartet, aber der Fight fand ausgerechnet im müden Berlin statt. Die zweite Überraschung ist, dass die Action nicht aufhört. Denn statt ins nächste Casting stolpern die Jungs in die Kriminalität und werden erpresst, geheime Informationen aus verschiedenen Stadtvierteln zu besorgen. Also verwandeln sie Berlin in ein Underground-Terrain, auf dem sie Gangsterbräute und Teufelsbeschwörer und blonde Stripperinnen bekämpfen.

Die vier Jungs sind Berliner von türkischer, koreanischer, ghanaischer, chinesischer Abstammung, sie bleiben albern trotz Gefahr, wie beste Freunde miteinander albern sind. Eigentlich halten sie sich sowieso für Bruce Lee oder Sylvester Stallone oder, na ja, Michael J. Fox. Die Martial-Arts-Sequenzen lassen an Tempo, Choreografie und altmodischer Abwesenheit von Computertricks nichts zu wünschen übrig.

Hier mischt sich der Film dann mit der Wirklichkeit. Denn hinter "Plan B" stecken die echten Stuntleute Can Aydin, Cha-Lee Yoon, Phong Giang und der Tänzer Eugene Boateng. Sie haben ein Drehbuch geschrieben, das ihre Fähigkeiten ins Bild setzt. Die Geschichte ist nur eine Kulisse für allerlei Kämpfe - wer will viel Plot, wenn er viel Bodycount haben kann? Einen Showdown gibt es gleich am Anfang wie in Stallones "City Cobra", Akrobatik durchsetzt die Schlägereien wie einst im Hongkong-Kino. Die Autoren hatten offensichtlich viel Vergnügen dabei, die Actionknaller der Achtziger auszuschlachten. "Plan B" ist also ein Experiment, das man heutzutage nicht erwarten würde, jedenfalls nicht hier: energiegeladen, mit Sprüchen direkt aus schlechten Hardboiled-Krimis, multiethnisch in Besetzung und in Regie übrigens, mit Kampfsport-Handwerk statt mit hohem Budget. Man hat tatsächlich ein deutsches B-Picture vor sich - allein das ist Grund zur Freude.

Plan B, Deutschland 2017 - Regie: Ufuk Genc, Michael Popescu. Actionregie: Can Aydin. Kamera: Thomas Erhart. Mit Can Aydin, Phong Gian, Cha-Lee Yoon, Eugene Boateng. Fox, 103 Minuten.