Actionfilm Kampfkünstler

Michelle Yeoh als Chefin einer Gangsterbande in "Master Z".

(Foto: KSM)

Ein Martial-Arts-Krimi aus Hongkong: Der Film "Master Z: The Ip Man Legacy" ist ein Fest der Kampfkunst, bei der die Schwerkraft der schlimmste Gegner ist.

Von Doris Kuhn

Keine reine Haudrauf-Action, nicht bloß irgendwie Kung Fu, das lassen schon die Namen des Martial-Arts-Movies "Master Z - The Ip Man Legacy" erkennen. Yuen Woo-Ping , Regisseur der frühen Jackie-Chan- Filme und Choreograf für Genregrößen wie Ang Lee und Quentin Tarantino führt Regie. Tony Jaa, der grandiose Muay-Thai- Kämpfer, hat eine Nebenrolle als Auftragskiller. Die schöne Michelle Yeoh spielt mit Säbel in der Hand die Chefin einer Gangsterbande. Und der Titel verweist noch auf "Ip Man", also auf den legendären Meister des Wing-Chun-Stils. Das alles verheißt, dass "Master Z" die unterschiedlichsten Formen der Kampfkunst feiert.

Zunächst aber beginnt der Film sehr sanft. Ein berühmter Kämpfer namens Cheung Tin-Chi gibt seine Wing-Chun-Schule auf, um sich ausschließlich seinem kleinen Sohn zu widmen. Er zieht mit dem Jungen nach Hongkong und öffnet einen Kramladen, seine hölzerne Trainingspuppe benutzt er bloß noch als Kleiderständer. Die Killeraufträge, die er früher ausführte, lehnt er jetzt ab, Demut ist sein neuer Habitus. Dieses zurückhaltende Leben endet allerdings, sobald er der Barsängerin Julia zu Hilfe kommt, die sich mit einer ganzen Bande von Gangstern auf der Straße prügelt. Jetzt hat Cheung Tin-Chi Feinde, äußerst fiese Feinde, die ihm die Wohnung anzünden. Also zieht er nach einigem Hin und Her in die Bar Street und arbeitet in der Gold Bar, die dem Bruder der Sängerin Julia gehört. Das ist auch gut so, denn diese Straße wird bald zum Zentrum von Hongkongs Drogenhandel, und da muss ja einer einschreiten.

Hongkong ist bei Yuen Woo-Ping eine Fantasiestadt, farbenfroh und glitzernd, in der noch die Engländer regieren. Matrosen mit Matrosenkäppis, Mädchen in Etuikleidern, Yuen gibt seinen Bildern ein Sechzigerjahreflair, er stilisiert sie, als kämen sie aus einem Comic. Die inhaltlichen Verwicklungen werden von verantwortungslosen Kolonialisten angezettelt, selbst bei den Machtspielen der lokalen Gangster geht es darum, wer sich von den Besatzern korrumpieren lässt und wer statt dessen Patriotismus beweist. Vielleicht muss das jetzt im chinesischen Kino so sein, wenn Rückschau auf die britischen Jahre Hongkongs gehalten wird. Vielleicht braucht Yuen Woo-Ping auch eine Rechtfertigung, die traditionsgemäß erklärt, dass Kampfkünstler nie Aggressoren sind, sondern nur Verteidiger gegen Gier oder Ungerechtigkeit. Bei allem trägt Yuen jedenfalls ein bisschen zu dick auf, aber die Kampfkunst profitiert davon: Sie ist konsequent choreografiert, sie zeigt immer Stil.

Die Kämpfe sind durchdrungen von Raffinesse. Sie wechseln von leichtem auf schwieriges Terrain, von der Straße über Innenräume bis an die Fassaden der engen Bar Street. Dort springen Cheung und seine Gegner eines nachts auf den zahllosen Neonschildern die Wände hinauf, man sieht ihre Silhouetten über die bunten Leuchtkästen balancieren, ihre Gefechte richten sich gegeneinander und gegen die Schwerkraft gleichermaßen. Ein anderes Mal liefern sich Tony Jaa und der Darsteller von Cheung, Max Zhang, einen Fight in einem Hauseingang, bei dem sie es schaffen, jede Bewegung gleichzeitig spiegelbildlich auszuführen. Yuen Woo-Ping steigert diese Kämpfe im Verlauf des Film sorgfältig, er zeigt sie zu zweit, zu dritt, in großen Haufen; es gibt spontane Bewaffnung durch Stöcke oder Schwerter oder die Dekoration der Umgebung. Am Ende bleiben nur Splitter vom Mobiliar.

Der schönste Kampf allerdings ist komplett gewaltfrei. Die Gangsterchefin und Cheung Tin-Chi versuchen, sich gegenseitig ein Glas Whiskey zuzuschieben. Derjenige, dem es vom Tisch fällt, hat verloren. Dabei sieht man bei jeder Bewegung die "klebenden Hände", die nie den Kontakt zum Glas verlieren, man sieht das Geschick, die Schnelligkeit, die Kraft besser als bei jedem Zweikampf mit Körpereinsatz. Solche Sequenzen und ein paar Dialogszenen, in denen darüber geredet wird, wie es sich aufs Leben auswirkt, wenn man sich der Kampfkunst zu- oder von ihr abwendet, sorgen dafür, dass "Master Z" mehr Eindruck hinterlässt als irgendein Kung-Fu-Film. Man kann ihn gut anschauen, auch wenn man sich nicht für Kampfkunst interessiert. Es könnte passieren, dass sich das danach ändert.

Ye wen wai zhuan: zhang tian zhi, HK/China 2018 - Regie: Yuen Woo-Ping. Mit Max Zhang, Tony Jaa, Michelle Yeoh, Naason, Dave Bautista. KSM, 107 Min.