"Ant-Man" im Kino Als Ironiker zum Superhelden

Paul Rudd, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat und zu den besten US-Comedy-Stars gehört, hat diese Rolle des komischen, liebenswerten Unglücksraben derzeit so gut drauf wie keiner sonst. In den Filmen von Judd Apatow, der mit seinen Komödien wie "Knocked Up" und "This Is 40" den neurotischen amerikanischen Mittelstand filetiert, ist er damit unentbehrlich geworden.

Das ist für die Marvel-Leute natürlich interessant, weil sie im vergangenen Jahr mit ihrem sehr einträglichen Riesenhit "Guardians of the Galaxy" gelernt haben, dass man den Zuschauern eher unbekannte und merkwürdige Comic-Charaktere (ein sprechender Baum!) am besten mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und Slapstick kredenzt.

So also wird auch Paul Rudd als Ironiker zum Superhelden. Sein Dasein als rechtschaffener Bürger mag nicht recht funktionieren, er lässt sich wieder auf eine kleine Gaunerei mit seinen Kumpels ein und gerät an einen Wissenschaftler (Michael Douglas), der ihn in ein Kostüm steckt. Darin kann er schrumpfen, ist aber trotzdem superstark und kugelschnell.

Nur: "Ameisen-Mann?", fragt Rudd lakonisch. "Ist es zu spät, den Namen noch zu ändern?"

Bald muss es dann gegen einen Schurken gehen, der einen Ameisen-Konkurrenzanzug gebaut hat, den er für militärische Zwecke höchstbietend verkaufen will.

Das ist natürlich die unendliche Duell-Geschichte des Superhelden-Genres. Deshalb hatte auch der ursprüngliche "Ant-Man"-Regisseur Edgar Wright ("Shaun of the Dead") im Streit mit den Marvel-Leuten über neue künstlerische Freiheiten mitten im Produktionsprozess entnervt das Handtuch geworfen. Aber man merkt, dass auch sein Ersatz Peyton Reed, der vorher ein paar deftige Komödien wie das Jim Carrey-Stück "Der Ja-Sager" gedreht hat, nicht so recht weiß, was er nun aus Wrights Drehbuch machen soll, um einen abwechslungsreichen Superheldenfilm zu inszenieren.

Kleine große Welt

Deshalb klammert er sich inmitten des üblichen Krawumms an die humoristischen Fähigkeiten seines Hauptdarstellers. Und verkleinert mit großer Lust den Panorama-Blick der meisten Blockbuster auf den Mikrokosmos seines Insekten-Helden. Die ersten Geh- beziehungsweise Krabbelversuche seines "Ant-Man" zeigen den frisch Geschrumpften in einer ordinären Badewanne, wo ein Schwall aus dem Wasserhahn für ihn zum lebensgefährlichen Tsunami wird. Auch das elegante Durchqueren von Schlüssellöchern muss dieser für den Voyeurismus prädestinierte Superheld erst mal in einem peinvollen Prozess erlernen.

Ganz im Sinne dieser kleinen großen Welt ist dann auch das Finale des Films. Im Gegensatz zu allen anderen Werken des Marvel-Studios findet es nicht in spektakulären Hochhausschluchten oder auf einer fliegenden Insel oder einem fernen Planeten statt - sondern inmitten der friedlichen Miniaturwelt einer Modelleisenbahn, wo es, zumindest aus der großen Menschenperspektive, nicht laut knallt, sondern eher leise pufft.

Wir sind Helden

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Ant-Man, USA 2015 - Regie: Peyton Reed. Buch: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd. Kamera: Russell Carpenter. Mit: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michael Peña. Disney, 117 Minuten.