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Academy Awards:Bloß nicht den Erzfeind beim Namen nennen

Nun könnte man meinen, dass es für Männer in Hollywood selbstverständlich sein sollte, "Me too" und "Time's Up" zu ihren Themen zu machen. Tatsächlich erschienen zu den Golden Globes Anfang des Jahres auch viele Männer in Schwarz und mit einem Anstecker der Initiative am Revers. Nur: Darüber reden wollte dann keiner. Insofern gebührt Kimmel schon dafür Anerkennung, den Namen "Harvey Weinstein" offen auf der wichtigsten Bühne der Branche ausgesprochen zu haben. Bei den Globes dagegen kam man sich zeitweise vor wie bei "Harry Potter": Den Erzfeind bloß nicht beim Namen nennen, sonst manifestiert er sich noch an Ort und Stelle.

Leider bleibt Kimmel auch an diesem Abend der einzige Mann, der sich das traut. Die Veranstalter hatten offensichtlich so viel Zeit und Energie in das Bühnenbild gesteckt - eine Mischung aus Eishöhle und Swarovski-Erlebniswelt -, dass ihnen am Ende nur noch einfiel, die brennenden Themen der vergangenen Kino-Jahre in einem einzigen Einspieler zu bündeln. Die da wären: Sexismus und sexuelle Gewalt sowie die mangelnde Berücksichtigung von Schwarzen, Hispanics, Muslimen und Frauen in eigentlich allen relevanten Kino-Professionen. Dass der Beitrag darüber nicht vollkommen lächerlich wirkt, liegt an den starken Zitaten der Testimonials.

Starke Zitate der Laudatoren

Schauspieler Kumail Nanjiani, geboren in Pakistan, Studium in Iowa ("zwei Orte, die Amerikaner schwer verorten können"), sagt darin: "Einige meiner Lieblingsfilme sind Filme von heterosexuellen, weißen Typen über heterosexuelle, weiße Typen. Jetzt können heterosexuelle, weiße Typen Filme anschauen, in denen ich die Hauptrolle spiele. Jetzt ist es an euch, mich zu verstehen. Das ist nicht so schwierig - ich habe es mein ganzes Leben lang getan."

Mit einer Ausnahme (Frances McDormand, geehrt als beste Hauptdarstellerin) sind es die Laudatoren, nicht die Gewinner, die Botschaften mitgebracht haben und klare Statements setzen. Und das - im Gegensatz zu Kimmel - mutmaßlich ganz ohne hochbezahlte Gag-Schreiber und wochenlange Proben. So wie die hierzulande eher unbekannten Schauspielerinnen Tiffany Haddish ("Girls Trip") und Maya Rudolph ("Brautalarm"). Wer beim Anblick zweier afroamerikanischer Frauen auf der Bühne fürchte, die Oscars könnten allmählich zu schwarz sein, der sei an dieser Stelle beruhigt, erklärt das Duo. "Es kommen noch sehr viele weiße Leute."

Mitunter wirkt es fast ein bisschen so, als würde die Academy jene, die gerade um Gleichberechtigung und Anerkennung kämpfen, gegeneinander ausspielen. Am deutlichsten wird das in der Kategorie "Bestes Original-Drehbuch", in der vorab sowohl dem Afroamerikaner Jordan Peele als auch Greta Gerwig gute Chancen ausgerechnet wurden. Beide waren zwar auch in den Königskategorien "Beste Regie" und "Bester Film" nominiert - doch dort schien von vornherein klar: Ein, um es mit den Worten von Kumail Nanjiani zu sagen, "straight white dude" würde das Rennen machen.

So kommt es dann tatsächlich auch. Guillermo del Toro darf sich doppelt freuen. Nicht unverdient - "Shape of Water" ist ein anrührendes Plädoyer für Toleranz und Liebe. Aber darum geht es eben nicht allein, auch Peeles "Get Out" und Gerwigs "Lady Bird" wären würdige Gewinner gewesen. Peele hat nun zumindest einen Oscar für das "Beste Original-Drehbuch" im Schrank, Gerwig geht leer aus. Sie scheint sich ehrlich für ihre männlichen Konkurrenten zu freuen. Sie dürfte leider Übung darin haben.

Greta Gerwig "Ich brauche auch die Angst"

Greta Gerwig

"Ich brauche auch die Angst"

Das Regiedebüt "Lady Bird" der Schauspielerin Greta Gerwig war für fünf Oscars nominiert. Ein Gespräch über Entscheidungen, Panik als Antrieb und magische Langeweile.   Interview von David Steinitz

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