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Abteilung für Islam im Louvre:Exponate in Halbdämmerung

Der chinesische Einfluss in der Keramikglasur bleibt in Mittelasien während Jahrhunderten feststellbar. Aus Ägypten wiederum wirkte das Schlangenmotiv nach, bis es geometrisch aufgelöst wurde. Bestimmend bleibt für weite Teile des islamischen Raums, dass die bildliche Allgegenwart der Schriftzüge auf Vasen, Kacheln, Friesen, Grabstelen und Kriegshelmen lange zwischen rein dekorativer, religiöser und oft auch magischer Funktion schillerte. Die Zeit nach dem 16. Jahrhundert wird im Louvre-Untergeschoss dann vorwiegend über die Kunstproduktion der drei großen modernen Imperien des Islam aufgefächert: dem Osmanischen Reich im Westen, der Mogul-Dynastie in Indien und der schiitischen Safawiden-Herrschaft in Persien.

Den beiden Architekten Mario Bellini und Rudy Ricciotti war klar, dass für die kleinteiligen Exponate dieser Sektion keine große Hofüberdachung wie für die Monumentalskulpturen in anderen Flügeln des Louvre infrage kam. Sie zogen deshalb ein sich wellendes Glas- und Metallgitterdach mit zeltartigen Schrägstützen in den Hof und setzten den Neubau gegenüber den bestehenden Innenfassaden leicht auf Distanz, sodass ein reizvolles Vis-à-vis mit dem üppigen Fassadenschmuck entsteht. Im Parterre herrscht ein goldgelb gefiltertes Tageslicht, im Untergeschoss mit den großformatigen Teppichen, Kachelwänden und Haustoren Halbdämmerung. Eingeschwärzter Beton auf den Seitenwänden und Metalleinlagen auf dem Boden verleihen den Räumen eine diskrete Majestät, die auch Besucherströmen trotzt.

Sinnfällig ist vor allem die Einbindung der neuen Räume in die bestehende Louvre-Topografie. Zwei Verbindungswege führen nach Norden unmittelbar in die griechischen Säle, ein Gang leitet nach Osten zur koptischen Kunst Ägyptens. Zur Südseite hin wurde im Zusammenhang mit dem Neubau die römische Antiquitätensammlung aus dem östlichen Mittelmeerraum vollkommen umgestaltet. Die Mosaikteile aus Antiochien, in der heutigen Türkei, oder aus der frühchristlichen Kirche in Qabr Hiram, dem früheren Tyra im heutigen Libanon, kommen hier erstmals zu ihrer vollen Entfaltung. In diesen Sälen des mittel- und spätrömischen Reichs feiert die Kulturdurchmischung Freudenfeste. Ein ägyptischer Horus aus Bronze grüßt neben einer Eros-Figur aus Ton und einem marmornen Dionysos.

Unter Henri Loyrette ist der Louvre zu einem Weltmuseum mit den modernsten Methoden des Managements geworden. Ein ägyptisches Mameluken-Gewölbe aus dem 15. Jahrhundert und ein Moucharabieh-Teil aus dem 18. Jahrhundert wurden zur Hälfte - für 600.000 Euro - aus einem Mäzenatenprogramm restauriert. Der Louvre versteht nicht nur, seinen Namen für teures Geld nach Abu Dhabi zu exportieren, sondern auch, sich in den eigenen Mauern ausgiebig von anderen Staaten mitfinanzieren zu lassen. Von den hundert Millionen Euro für den Ausbau hat der Staat nur knapp ein Drittel übernommen. Der Rest kam aus Eigenmitteln des Louvre, von Privatmäzenen und zu über einem Viertel vom König Marokkos, dem Emir von Kuwait, dem Sultan von Oman und der Republik Aserbaidschan.

Was auf den ersten Blick wie Verfilzung einer Kulturinstitution mit globalen Imagestrategien aussehen mag, bleibt in diesem Falle vertretbar, weil der Louvre auf seine Unabhängigkeit achtet. Museumspolitik geht einstweilen noch über Tagespolitik. Das sichtbare Ergebnis ist überzeugend und demonstriert eine faszinierende Verschränkung zwischen westlicher und islamischer Welt, die über Fanatismus hinwegsieht.