"A Star is Born" im Kino Aus tiefster Seele verliebt, mit größtem Respekt

Bradley Cooper und Lady Gaga in "A Star is Born".

(Foto: Warner)
  • Bradley Cooper hat den Hollywood-Klassiker "A Star Is Born" verfilmt, mit sich selbst in der Hauptrolle des alternden Musikers Jackson Maine.
  • Im Film trifft Maine auf die Sängerin Ally, gespielt von Lady Gaga, sie verlieben sich ineinander und gehen eine private wie professionelle Partnerschaft ein.
  • Der Stoff über das Verhältnis der Geschlechter wurde schon mehrfach neu aufgelegt, noch ist man in Hollywood aber nicht so weit, die Mann-Frau-Konstellation einfach umzudrehen.
Von Susan Vahabzadeh

Man unterstellt Stars ja gerne, sie hätten in jedweder Situation und Umgebung raumgreifende Präsenz. In Wirklichkeit stimmt das selten. Als der Schauspieler Bradley Cooper bei den Filmfestspielen in Venedig im vergangenen Monat sein Regiedebüt "A Star Is Born" vorstellte, mit sich selbst als traurigem, alterndem Rockstar und Lady Gaga als Newcomerin, in die er sich verliebt und die ihm bald das Rampenlicht verschattet, luden die beiden zum Interview in den Biennale-Palast am Canal Grande.

Da saßen sie in einem kleinen Nebenraum auf dem Sofa und sahen gar nicht besonders glamourös aus. Sie wirkten eher wie zwei Menschen, die gemeinsam einen Nachmittag im Café verbringen und einen Dritten freundlich dazu bitten, obwohl sie sich einander auch so genug wären. Sie seien im Verlauf der Arbeit, sagt Lady Gaga, "richtig gute Freunde geworden".

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Die Chemie, welche die beiden im Film entwickeln, hält auch jenseits der Leinwand stand. Sie spielen ein Liebespaar, eines, von dem Hollywood nicht lassen kann. "A Star Is Born" ist ein Remake, Cooper spielt Jackson Maine, der in einer versoffenen Nacht nach einem Konzert eine junge Sängerin hört, Ally, die einzige Frau, die in einer Transenbar ans Mikro darf. Erst ist er nur beeindruckt, aber gegen Morgen hat er sich so gründlich in sie verliebt, dass er eine Weile das Trinken vergisst. Bis sie dann den Duetten auf seinen Konzerten entwachsen ist und zu einem ganz großen Popstar wird, mit einer Musik, die ihm nicht einmal gefällt. Das ist dann ein wenig eigenartig im Film, dass es einem so vorkommt, als sei doch der gute alte Rock, den Jackson Maine macht, das größere Gut als die Lady-Gaga-artigen Popsongs, mit denen Ally ihren Durchbruch feiert. Für Cooper ist es aber vor allem wichtig, dass Jacksons Musik einfach nicht die ist, die Ally interessiert.

"Die schönste Stimme nützt einem nichts, wenn man kein Geschichtenerzähler ist"

Es ist nicht ganz einfach, so viel Standhaftigkeit in die Filmfigur hineinzulesen, die er da für Lady Gaga geschaffen hat.

Bradley Cooper sieht in Fleisch und Blut so aus wie Bradley Cooper. Lady Gaga sieht aber nicht aus wie Lady Gaga. Sie ist heute in Zivil, ganz unauffällig, und dazu passt es, dass sie erst einmal aufsteht, ungefragt Küsschen gibt und haucht: "Nennen Sie mich Stefani!" Es wird dann übrigens klar, was es mit den mörderischen Plateau-Absätzen auf sich hatte, auf denen sie berühmt wurde: Stefani Germanotta ist sehr, sehr klein. Und sie benimmt sich ein wenig wie Ally in "A Star Is Born". Sie ist sehr darauf bedacht, ihren Regisseur und Co-Star Cooper nicht außen vor zu lassen, und bei fast jeder Antwort, die den Film betrifft, dreht sie den Kopf erst einmal zu ihm.

Sie hätte also auch Schauspielerin werden können, das muss man ihr zugestehen, wenn man den Film gesehen hat. Es gibt sogar schon erste Oscar-Gerüchte um ihren Auftritt als Ally. Aber hätte Bradley Cooper, der im Film als Jackson Maine selber singt, es auch als Rockstar geschafft? "Bestimmt!", behauptet Lady Gaga. "Er ist ja ein Geschichtenerzähler. Die schönste Stimme nützt einem nichts, wenn man kein Geschichtenerzähler ist."

Und dann fügt sie hinzu: "Er hat natürlich auch eine sehr schöne Stimme!" Man könnte fast meinen, sie habe die Rolle der Ally noch nicht ganz abgelegt, denn die Frau auf dem Sofa benimmt sich so wie die Frau im Film: furchtbar lieb und Expertin für unterstützende Kommunikation unter besonderer Rücksichtnahme auf männliche Mitmenschen. Ob das nun Stefani Germanotta ist? Oder nur eine Rolle? Denn Lady Gaga war und ist sicherlich auch genau das - eine Rolle. Wie ist das also, verschwindet Lady Gaga langsam hinter Stefani?