Lehre aus dem 9. November 1938:Wenn wir hassen

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Lehre aus dem 9. November 1938: Einer der wenigen neuen großen Filme über die Verbrechen der Nazis: Matti Geschonnecks Film "Die Wannseekonferenz", in der minutiös das Protokoll jenes Tages nachgespielt wird.

Einer der wenigen neuen großen Filme über die Verbrechen der Nazis: Matti Geschonnecks Film "Die Wannseekonferenz", in der minutiös das Protokoll jenes Tages nachgespielt wird.

(Foto: Julia Terjung /ZDF)

Die Reichspogromnacht lehrt: Es beginnt mit kultureller Ausgrenzung. Was den 9. November so furchtbar aktuell macht.

Von Nils Minkmar

Es ist ein Datum aus den Schulbüchern des Fachs Geschichte, illustriert mit den vertrauten Schwarz-Weiß-Bildern, aber eben einsortiert und nur noch selten betrachtet: Die deutsche Reichspogromnacht 1938 ist eine Station auf dem Weg zum Massenmord an den europäischen Juden, und wenn wir heute daran erinnern und darüber nachdenken, können wir ermessen, wie lange sich das Verbrechen schon breitgemacht hatte in Deutschland, wie die 1933 schon deutlichen Absichten Jahr um Jahr ausagiert und ausgestaltet wurden. Der Weg zu den Todeslagern und Massenerschießungen war wirklich lang und gut beleuchtet, es kam dies alles nicht als Unwetter über die Juden, sondern man kann lange schon und hervorragend dokumentiert nachvollziehen, was früh an Hass verbreitet, an Gewalt vorbereitet und schließlich ausgeübt wurde. Die Verwaltung, die Justiz, die Wissenschaft, die Kultur, die Wirtschaft, die Kirchen - so gut wie alle traditionellen deutschen Machteliten waren dann mehrheitlich entweder tatkräftig dabei, oder sie hielten still und billigten die Ausgrenzung, die Angriffe, die Morde.

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