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71. Golden Globes:1000 Flaschen Champagner

71st Annual Golden Globe Awards - Show - Season 71

Tina Fey (links) und Amy Poehler, die Moderatorinnen der Golden-Globes-Verleihung

(Foto: AP)

Zu den großen Gewinnern bei den Golden Globes gehören die Filme "American Hustle", "12 Years a Slave", Matthew McConaughey - und Jennifer Lawrence, die derzeit anscheinend bei jeder Preisverleihung gewürdigt werden muss. Diese Entscheidungen sagen einiges aus über das vergangene Unterhaltungsjahr und lassen Trends erkennen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es war recht ruhig an diesem Sonntagnachmittag in Los Angeles. Das war nicht verwunderlich, saßen die meisten Menschen doch daheim oder in Bars und starrten gebannt auf die Bildschirme. Nein, sie verfolgten nicht die 71. Golden Globes, sie wollten vielmehr das Footballspiel zwischen den San Diego Chargers und den Denver Broncos sehen. Die Chargers sind aufgrund der geografischen Nähe und in Ermangelung einer eigenen Mannschaft das favorisierte Team in Los Angeles - und sie starteten gerade ein am Ende erfolgloses Comeback, als in Beverly Hills der rote Teppich eröffnet wurde.

Die Golden Globes? Ach ja, die fanden auch statt an diesem frühen Abend, aber das elektrisiertel kaum jemanden. Vielleicht sind die Menschen ein wenig ermüdet von den zahlreichen Award-Shows, derzeit findet ja beinahe jede Woche eine statt. Jedenfalls war zunächst die Nachricht, dass Teile des roten Teppichs mit Wasser überschwemmt waren, erst einmal die aufregendste vor der Show. Über diesen Teppich marschieren die Stars ohnehin nur noch, um sich zuerst für Äußerlichkeiten und schauspielerische Leistungen loben zu lassen und danach Werbung für die Designer ihrer Kleider und künftige Projekte zu machen. Manche Gäste gaben an, sich ganz besonders auf ein alkoholisches Getränk zu freuen - bereits am Eingang wurden 1000 Mini-Fläschchen Champagner verteilt.

Aber gut, so sind diese Hollywood-Zeremonien heutzutage nun einmal: ereignisarme und skandalfreie Klassentreffen, bei denen sich im Falle der Golden Globes die Protagonisten einer kriselnden Branche (Filmindustrie) und die Hauptdarsteller einer überaus erfolgreichen Sparte (Fernsehen und Internetportale) gegenseitig feiern. Wem das zu langweilig ist, der muss es sich ja nicht ansehen - und wer eine halbnackte Sängerin beim Zungenkuss auf der Bühne beobachten möchte, dem seien die Video Music Awards empfohlen.

Tina Fey und Amy Poehler eröffneten mit einem kurzweiligen Dialog und führten dann souverän und stilvoll durch die Veranstaltung. Sie verkohlten sich zunächst einmal selbst und sagten: "Wir machen das nun zum zweiten Mal in Folge. Das ist Hollywood: Wenn etwas einigermaßen funktioniert, dann wiederholt man es so lange, bis es alle hassen." Fey sagte danach, dass es typisch für George Clooney sei, dass er wie im Film "Gravity" lieber "alleine durch das Weltall segelt als eine Minute mit einer Frau seines Alters zu verbringen". Poehler lobte den Gewichtsverlust von Matthew McConaughew für seine Rolle in "Dallas Buyers Club": "Du hast 45 Pfund abgenommen - oder wie eine Frau sagen würde: auf einen Film vorbereiten."

Alles wie immer

Die weiblichen Gewinner (Amy Adams als beste Darstellerin in einer Komödie für "American Hustle", Elisabeth Moss als beste Darstellerin in einem TV-Film für "Top of the Lake", Jacqueline Bisset als beste Nebendarstellerin in einem TV-Film für "Dancing on the Edge", Jennifer Lawrence als beste Nebendarstellerin in einer Komödie für "American Hustle") standen allesamt zitternd auf der Bühne und brachten zunächst kein Wort heraus. Lawrence forderte gar die Akademien der Welt auf, ihr keinen Preis mehr zu geben: "Macht das nicht mehr mit mir!"

Die etablierten Schauspieler Michael Douglas (bester Schauspieler in einem TV-Film für "Behind the Candelabra"), John Voight (bester Nebendarsteller in einem TV-Film für "Ray Donovan") und Leonardo DiCaprio (bester Darsteller in einer Komödie für "The Wolf of Wall Street") nutzten ihre Zeit auf der Bühne für große Worte. Douglas etwa sagte: "Das ist das größte Geschenk, das ich in meiner Karriere bekommen habe." Dann bedankte er sich bei Kollege Matt Damon und nannte ihn den "besten und couragiertesten Schauspieler, den ich kenne". DiCaprio bedankte sich bei Martin Scorcese, Voight quasi bei allen Kollegen.

Und natürlich holte sich Woody Allen den Cecil B. DeMille Award für seine Leistungen in der Unterhaltungsbranche nicht persönlich ab. Hach!

Ein genauerer Blick auf die Entscheidungen der Hollywood Foreign Press Association lohnt sich dennoch. Und vor allen Dingen: welche Schlüsse sich daraus für die Oscar-Verleihung Anfang März ziehen lassen. Es sind nämlich durchaus Trends zu erkennen, es gab auch einige Überraschungen.

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