65. Filmfestspiele Cannes Goldene Palme für Michael Haneke

Er beweist ein Gespür für das Unausweichliche, für die leisen Grausamkeiten des Lebens. Bereits zum zweiten Mal nach 2009 wird der österreichische Regisseur Michael Haneke nun bei den Festspielen in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt.

Die Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes geht in diesem Jahr an den österreichischen Regisseur Michael Haneke für sein Drama Liebe (Originaltitel: Amour). Das gab die Jury am Sonntagabend zum Abschluss der 65. Festspiele in der französischen Stadt bekannt. Haneke wird zum zweiten Mal mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet, 2009 erhielt er sie für seinen Schwarzweißfilm Das weiße Band.

Wurde zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme geehrt: Regisseur Michael Haneke.

(Foto: REUTERS)

Der Gewinnerfilm erzählt vom Unausweichlichen, vom Altern und dem Tod: Das Ehepaar George und Anne, beide über 80, werden auf ihre Weise mit dem Schicksal konfrontiert. Anne erleidet einen Schlaganfall, und Georges sperrt daraufhin die Tochter aus dem gemeinsamen Leben aus, damit sie nicht den allmählichen Verfall ihrer Mutter mitansehen muss. Die stillen, beobachtenden Bilder von Darius Kondji tun ihr Übriges dafür, dass diese kleine, leise Geschichte dennoch bis ins Mark erschüttert.

Das war zu erwarten, denn Haneke liebt es, die Wirklichkeit ganz ungerührt auf den Seziertisch zu legen. Seine Filme sparen nicht an expliziten Darstellungen der Grausamkeit und der Gewalt; sie gehen unter die Haut. Meist bleibt da nicht viel Hoffnung. "Na schauen Sie sich doch die große Dramatik in der Geschichte der Menschheit an! Schauen Sie sich Shakespeare an, oder die griechische Tragödie, das ist auch nicht so lustig. Wenn man ernsthaft auf die Welt schaut, kann man nicht gerade zu juchzen anfangen", lautet eine seiner Äußerungen.

Die weiteren Preisträger des Abends:

[] Beste Schauspielerin: Cosmina Stratan, Cristina Flutur für ihre Rollen in Beyond the Hills von Regisseur Cristian Mungiu (Rumänien)

[] Bester Schauspieler: Mads Mikkelsen für seine Rolle in The Hunt von Regisseur Thomas Vinterberg (Dänemark)

[] Bestes Drehbuch: Beyond the Hills

[] Beste Regie: Post tenebras lux von Regisseur Carlos Reygadas (Mexiko)

[] Bester Debütfilm: Beasts of the Southern Wild von Regisseur Benh Zeitlin (USA)

[] Großer Preis der Jury: Reality von Regisseur Matteo Garrone (Italien)

[] Preis der Jury: The Angel's Share von Regisseur Ken Loach (Großbritannien)