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65. Filmfestival Cannes:Filme, die ins Mark treffen

Das Beste vom Besten - das in etwa ist der Anspruch, den der Wettbewerb von Cannes hat. In diesem Jahr war die Zahl hochdekorierter Filmemacher besonders hoch, ob Michael Haneke, Ken Loach oder Cristian Mungiu. Die Siegerfilme und weitere wichtige Werke.

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Vous n'avez encore rien vu"

Das Beste vom Besten - das in etwa ist der Anspruch, den der Wettbewerb von Cannes hat. In diesem Jahr war die Zahl hochdekorierter Filmemachern besonders hoch, ob Michael Haneke, Ken Loach oder Cristian Mungiu. Die Sieger- und sonstigen Filme - gemessen an der Reputation ihrer Macher.

In "Vous n'avez encore rien vu" ("Ihr habt noch gar nichts gesehen") bekennt sich der 89-jährige Alain Resnais einmal mehr zu seiner Leidenschaft fürs Theater - und zu seinen theatralischen Versuchsanordnungen im Kino. Der Film beruht auf einem Erlebnis aus dem Jahr 1942, als Resnais das Stück "Eurydice" von Jean Anouilh sah und davon so überwältigt war, dass er gleich zweimal mit dem Fahrrad um Paris herumfahren musste.

Resnais ist ein alter Bekannter in Cannes. "Ihr habt noch gar nichts gesehen" ist immerhin schon seine fünfte Nominierung für die Goldene Palme, die er allerdings noch nie gewonnen hat. Auch nicht in diesem Jahr. 1980 bekam er aber den Großen Preis der Jury für "Mein Onkel aus Amerika" mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle.

VOUS N'AVEZ ENCORE RIEN VU (Frankreich 2012, Regie: Alain Resnais)

Text- und Bildauswahl: Süddeutsche.de/pak/cag

Bilder: Festival

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Lawless"

Von Anfang an war "Lawless" kein heißer Anwärter auf die Goldene Palme in Cannes - im Vergleich zu den meisten seiner Konkurrenten kann Regisseur John Hillcoat bislang nur wenige Auszeichnungen vorweisen. Seine Teilnahme am Wettbewerb von Venedig 2009 mit "The Road" war sein bislang wohl größter Erfolg. Trotzdem, der Film des Australiers, nach einem Drehbuch von Nick Cave, sorgte für erfrischende Abwechslung in einem Wettbewerb, in dem infektiöse Schwermut dominiert.

Zu Zeiten der Prohibition geht es in "Lawless" um die Brüder Bondurant, die sich als Schwarzbrenner im Hinterland von Virginia ihre Brötchen verdienen. Ein Spezialagent aus der Stadt versucht, der hartnäckigen Famile das Handwerk zu legen.

LAWLESS (USA 2012, Regie: John Hillcoat)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Beyond the Hills"

Zwei Freundinnen im Kloster, die eine als Novizin, die andere nur zu Besuch, das ist die Ausgangslage bei "Beyond the Hills" - dem Wettbewerbsfilm des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu. Alina will Voichita mit nach Deutschland nehmen, doch die sagt ab, was die Schulfreundin gar nicht verkraftet. Am Ende stört Alina den knöchernen Klosterfrieden in "Beyond the Hills" so sehr, dass sie sich einem Exorzismus unterziehen muss.

Regisseur Mungiu triumphierte 2007 in Cannes überraschend mit "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" - in der Folge war im internationalen Festivalzirkus oft die Rede vom rumänischen "New Wave". Als dessen Begründer gilt eigentlich Cristi Puiu, doch Mungiu hat seinen Landsmann inzwischen überflügelt - zumindest in Bezug auf Teilnahmen im Wettbewerb von Cannes. Auch wenn es für die Goldene Palme nicht reichte, so zeichnete die Jury Mungiu für das beste Drehbuch aus und ehrte Cosmina Stratan und Cristina Flutur als beste Hauptdarstellerinnen.

BEYOND THE HILLS (DUPA DEALURI, Rumänien 2012, Regie: Cristian Mungiu)

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65. Filmfestival Cannes:Szenenbild "Mud" (Jeff Nichols)

Einen steilen Aufstieg in Cannes hat der Amerikaner Jeff Nichols hinter sich. Ging er im Vorjahr mit "Take Shelter" noch in der Nebenreihe Semaine internationale de la critique für Nachwuchs-Filmemacher an den Start, so ist er in diesem Jahr bereits im Hauptwettbewerb vertreten. 

Das Südstaatendrama "Mud" erzählt die Geschichte zweier Jungen, die am Mississippi leben und auf einer Insel im Fluss den Flüchtigen Mud (McConaughey) entdecken. Im vergangenen Jahr hatte Nichols mit seinem Film "Take Shelter - Ein Sturm zieht auf" den Kritikerpreis in Cannes gewonnen.

MUD (USA 2012, Regie: Jeff Nichols)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Killing them softly"

Ein paar Kleinganoven haben in New Orleans ein Casino ausgeraubt, was der örtlichen Mafia natürlich gar nicht schmeckt. Die schickt ihnen deshalb in "Killing Them Softly" Profikiller Brad Pitt auf den Hals. Regisseur Andrew Dominik baut seine Gangstergeschichte als Parabel auf die Finanzkrise und das Wirtschaftssystem Amerikas - ein Land, das ihn zwar interessiert, das er aber offensichtlich nicht mag.

Der Neuseeländer war 2012 zum ersten Mal in Cannes. Die Atmosphäre eines großen A-Festivals kennt er aber bereits aus Venedig. Dort war er 2007 mit "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" im Wettbewerb vertreten.

KILLING THEM SOFTLY (USA 2012, Regie: Andrew Dominik)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Holy Motors"

Leos Carax, der Regisseur der "Liebenden von Pont-Neuf" und von "Pola X", steuerte "Holy Motors" zum diesjährigen Wettbewerb bei. Darin begleitet er einen Schauspieler auf seinem Arbeitstag, während dieser in einer weißen Limousine von einem bizarren Auftritt zum noch bizarreren nächsten hetzt. "Holy Motors" ist wie eine Sammlung von Kurzfilmen, die allesamt in Cannes im Wettbewerb laufen könnten, und ein beeindruckender, gänzlich unprätentiöser Trip.

Der 51-jährige Carax blickt bereits auf eine lange Karriere als Filmemacher zurück. In Cannes und Berlin fiel er schon mit Mitte zwanzig auf, als er für "Boy meets girl" beziehungsweise "Böses Blut" ausgezeichnet wurde. Den Hauptpreis eines Großfestivals hat er allerdings noch nie gewonnen.

HOLY MOTORS (Frankreich 2012, Regie: Leos Carax)

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65. Filmfestival Cannes:Filmplakat "Amour"

Michael Haneke erzählt vom Unausweichlichen und gewinnt dafür die Goldene Palme in Cannes. In seinem "Amour" sieht sich das ältere Ehepaar George und Anne, beide über 80, mit dem Schicksal konfrontiert. Anne erleidet einen Schlaganfall, und Georges sperrt daraufhin die Tochter aus dem gemeinsamen Leben aus, damit sie nicht den allmählichen Verfall ihrer Mutter mitansehen muss. Die Bilder von Darius Kondji tun ihr Übriges dafür, dass diese kleine, leise Geschichte dennoch bis ins Mark erschüttert.

Das war zu erwarten, denn Haneke liebt es, die Wirklichkeit ganz ungerührt auf den Seziertisch zu legen. "Amour" habe er gemacht, weil er eine bewegende Erfahrung in seiner Familie gemacht habe. Bei der Verleihung bedankte er sich bei seiner Frau.

Hanekes Erfolg in Cannes begann 2009: Damals gab es für "Das weiße Band" endlich die "Goldene Palme", für die er zuvor schon vier Mal nominiert worden war. Nun gewinnt er den Preis zum zweiten Mal.

LIEBE (AMOUR, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012, Regie: Michael Haneke)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "After the Battle"

Das Drama "Baad el Mawkeaa" war in diesem Jahr wohl das Zugeständnis der Festivalmacher von Cannes an den allgemein zu beobachtenden Trend, Filmen aus der arabischen Welt größere Beachtung zu schenken. Der des Ägypters Yousry Nasrallah erzählt in dem Drama von einer Journalistin, die in einem Armenviertel versucht, Mubarak-Anhänger für politisches Engagement und soziale Gerechtigkeit zu begeistern.

Nach Prämierungen in Venedig und Locarno war der 60-jährige Nasrallah in diesem Jahr zum ersten Mal in Cannes vertreten.

BAAD EL MAWKEAA (AFTER THE BATTLE, Ägypten/Frankreich 2012, Regie: Yousry Nasrallah)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv von "Like someone in love"

Er wollte keinen "Film für den Westen machen", sagt der Iraner Abbas Kiarostami über seinen "Like Someone in Love". Deshalb lässt er ihn in Tokio spielen, komplett auf japanisch. Die Geschichte von entfremdeten Metropolenkindern wirkt wie eine Referenz an Ozus "Tokio Story". Für die Studentinnen, die ihre Körper verkaufen, scheint sich selbst der Regisseur kaum noch zu interessieren.

Der 72-jährige Routinier Kiarostami (fünf Cannes-, jeweils eine Venedig-, Locarno- und Tokio-Teilnahme) hat die "Goldene Palme" in seinem Leben schon einmal gewonnen: 1997 für "Der Geschmack der Kirsche".

LIKE SOMEONE IN LOVE (Frankreich/Japan 2012, Regie: Abbas Kiarostami)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "On The Road"

Walter Salles hat Erfahrung mit Roadmovies, in seinen "Motorcycle Diaries" ließ er den jungen Che Guevara auf der Reise quer durch Südamerika zum Freiheitskämpfer reifen. Mit "On the Road", einer Verfilmung nach Jack Kerouac, tut er sich aber deutlich schwerer. Zu beliebig wirkt der Freiheitsdrang seiner Figuren, zu konfus ist aber wohl auch die Zeit, in der der Film spielt.

Salles ist seit Jahren auf den großen Festivals erfolgreich: In Berlin gewann er 1998 mit "Central Station" (ebenfalls ein Road-Movie) den "Goldenen Bären", in Venedig den "Kleinen Golden Löwen" für "Hinter der Sonne". Die Goldene Palme von Cannes fehlt im nach wie vor.

ON THE ROAD (Frankreich/Großbritannien/USA 2012, Regie: Walter Salles)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Paradise Love"

Wie die Filme des Österreichers Ulrich Seidl ausgehen, weiß man in Cannes schon seit 2007, als er dort mit "Import/Export" vertreten war. Harte Realitäten sind gewissermaßen sein Spezialgebiet, wo andere lieber schamhaft wegschauen, schaltet er die Kamera überhaupt erst an.

In seinem neuen Film "Paradies: Liebe" geht es um sogenannte "Sugar Mamas", ältere weiße Touristinnen in Kenia, die sich sexuelle Dienste von einheimischen Männern erkaufen. In gewohnter Manier zeigt Seidl die 50-jährige, übergewichtige Teresa (die Theaterschauspielerin Margarethe Tiesel, hier gänzlich furchtlos) mit ihrer Angst vor dem Fremden, die tief in ihrer kleinen - aber nicht bösen - österreichischen Seele sitzt. Wie diese Frau bald von schwarzer Haut nicht genug kriegen kann, zeichnet Seidl auf.

PARADIES: LIEBE (Österreich/Deutschland/Frankreich 2012, Regie: Ulrich Seidl)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Reality"

Sein Film machte Roberto Saviano endgültig zur Ikone der Anti-Mafia-Kämpfer: Matteo Garrone räumte in "Gomorrha", der auf gleichnamigen dokumentarischen Roman Savianos basiert, mit dem mythologisch überhöhten Bild der italienischen Mafia vollständig auf und erhielt dafür 2008 in Cannes den Preis der Jury. Kritiker gingen damals so weit, eine Art Rückkehr des italienischen Neorealismus zu beschwören - voreilig, wie sich jetzt zeigt. Denn in seinem neuen Film "Reality" orientiert sich Garrone eher an den Phantasmagorien von Fellini.

Es geht um eine erweiterte proletarische Großfamilie in Neapel, die in einem pittoresk verfallenden Palazzo wohnt. Hier trifft sich das Satirische und das Groteske, der Vater ist Fischhändler auf dem Markt und bekommt eines Tages die Chance, bei "Big Brother" alias "Grande Fratello" aufzutreten. Vor lauter "Reality" kommt ihm allerdings jeder Sinn für die Realität abhanden. Garrones Arbeit hat sich gelohnt: Sein Film erhält den Großen Preis der Jury.

REALITY (Italien/Frankreich 2012, Regie: Matteo Garrone)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv: "The Hunt"

Eine kleine, verzweifelte, unrichtige Bemerkung bringt eine Hexenjagd in Gang. Weil Mads Mikkelsen als Kindergartenlehrer Lucas sich nicht um Klara, die kleine Tochter seines besten Freundes, kümmern kann, erzählt sie, warum sie ihn nicht mag - und bringt ihn in Thomas Vinterbergs "Jagten" in den Verdacht, seine Schützlinge zu missbrauchen. Ging es in Vinterbergs "Fest", für das er 1998 in Cannes den Spezialpreis der Jury erhielt, noch um den Missbrauch selbst, so erzählt "Jagten" von den negativen Folgen eines falschen Verdachts. In einer Jagdszene findet Vinterberg für seinen Parabel den perfekten Anfang und Schluss, obwohl die Geschichte für Lucas nie aufhören wird.

Mads Mikkelsen wird für die Darstellung des Lucas' als bester Darsteller ausgezeichnet. "Man kann kein guter Schauspieler in einem durchschnittlichen Film sein", so Mikkelsen nach seiner Ehrung.

THE HUNT (JAGTEN, Dänemark 2012, Regie: Thomas Vinterberg)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Im Nebel"

Mit "Mein Glück" sorgte Sergei Loznitsa vor zwei Jahren in Cannes für Aufsehen. Damals begann die Reise noch im postsowjetischen Osten der Gegenwart, jetzt ist er in seinem neuen Film "Im Nebel" ganz bei den Schrecken des Zweiten Weltkriegs angelangt: Weißrussland als eine Wüstenei des Leidens. Die Deutschen diktieren den dämonischen Rahmen, die Drecksarbeit erledigen dann wieder andere. Und Sushenya (Vladimir Svirski) muss erfahren, dass es schlimmere Dinge gibt, als wegen Sabotage gehängt zu werden - zum Beispiel in den Augen aller anderen ein Verräter zu sein, oder gar ein Lockvogel für den nächsten Überfall.

IM NEBEL (V TUMANE, Deutschland/Niederlande/Weißrussland/Russland/Lettland 2012, Regie: Sergei Loznitsa)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "The Paperboy"

Das Festivalprogramm von Cannes ist immer auf der Suche nach der Balance zwischen der Sorte Filmkunst, die nur hier ihre Chance bekommt, und den Publikumsmagneten, für die die großen Stars über den roten Teppich flanieren. Letzteres erfüllte in diesem Jahr Lee Daniels mit "The Paperboy", mit entsprechender Besetzung: Matthew McConaughey als Journalist in den späten Sechzigern, Zac Efron als sein kleiner Bruder, John Cusack als zu Unrecht des Mordes verurteilter Todestrakt-Insasse und Nicole Kidman als seine Brief-Liebe. McConaughey spielt dabei den Befreier von Cusack.

Daniels hat aus seinen vier Stars richtig schillernde Charaktere herausgeholt - Nicole Kidman ist eine verzweifelte alternde Barbiepuppe, Mädchenschwarm McConaughey ein von Narben verzierter schwuler Masochist und John Cusack gab sich noch nie so fies und schmierig.

Im Gegensatz zu den meisten seiner Konkurrenten um die diesjährige Goldene Palme war Lee Daniels ein Newcomer in Cannes, der 2009 mit "Precious - Das Leben ist kostbar" aber bereits etliche Preise einsammelte, unter anderem sechs Oscar-Nominierungen. Mit "The Paperboy" kehrte Daniels nun als Regisseur zu einem Thema zurück, das er als Produzent von "Monster's Ball" (2001) bereits einmal aufgegriffen hatte: die Südstaaten und die Bürgerrechte. 

THE PAPERBOY (USA 2012, Regie: Lee Daniels)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Cosmopolis"

David Cronenberg verdichtet in seinem neuen Film "Cosmopolis" jene Vorahnungen all der neuen Occupy-Energie, die Don DeLillo in seinem Roman von 2003 schon angelegt hat. Er setzt Robert Pattinson, den glatten "Twilight"-Vampir, nun als jungen Börsen-Milliardär ein, der an einem einzigen Tag seinen Ruin erlebt.

Alles spielt in einer geräumigen Limousine, Mitarbeiter, Arzt und Geliebte steigen zu, es gibt Strategiediskussionen, Prostata-Abtastungen, Sex. Der US-Präsident ist zu Besuch in New York, Terroralarmstufe Dunkelrot, der Verkehr steht - dann fällt ein Mob der 99 Prozent über die Reichen, auch in dieser Limousine, her.

Bei seiner ersten Wettbewerbsteilnahme in Cannes ergatterte David Cronenberg auf Anhieb den Spezialpreis der Jury. Seither war der Kanadier noch drei Mal für die "Goldene Palme" nominiert - doch Wettbewerbsauszeichnungen gab es keine mehr für ihn. 

COSMOPOLIS (Frankreich/Kanada/Portugal/Italien 2012, Regie: David Cronenberg)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "De rouille et d'os"

Cannes ist für seinen Nationalstolz bekannt - eine große Zahl französischer Wettbewerbsfilme ist Pflicht. Einer der Bannerträger der Trikolore war in diesem Jahr Jacques Audiard, der in "De rouille et d'os" (Rost und Knochen) die Geschichte von Ali und Marie (Marion Cotillard) erzählt. Sie gehört nicht derselben tiefen Schicht an wie er, und die beiden werden erst Freunde, nachdem sie bei einem Unfall beide Beine verloren hat. Aber nur er kann ihr helfen, weil es ihm auf entwaffnende Art egal ist, dass sie im Rollstuhl sitzt. 

Auch Audiard ist in Cannes ein alter Bekannter. 2009 bekam er für "Ein Prophet" den Preis der Jury.

DE ROUILLE ET D'OS (Frankreich/Belgien 2012, Regie: Jacques Audiard

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "The Taste of Money"

Wie Sergei Loznitsa kehrte auch Im Sang-soo nach zwei Jahren in den Wettbewerb von Cannes zurück. Damals zeigte er an der Croisette "Das Hausmädchen" - einen Thriller, der auch dem deutschen Kinopublikum im vergangenen Jahr gefiel.

"The Taste of Money", in dem Youngjak (Kim-Kang Woo) als Mädchen für alles in einer reichen Mafiafamilie arbeitet, ist ganz in der Machart seines Vorgängers. So gut der Film auch gemacht ist, so glänzend seine Oberfläche ist: der Rest ist Leere.

THE TASTE OF MONEY (DO-NUI MAT, Südkorea 2012, Regie: Sang-Soo Im)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "The Angel's share"

Vier jugendliche Straftäter - einer von ihnen des Papageienraubs angeklagt - versuchen sich als Ensemble eines warmherzigen Heist-Movies. In Ken Loachs Wettbewerbsfilm "The Angels' Share" geht es um edlen schottischen Whiskey, das ungenutzte Potential jedes einzelnen - und was Engel mit beidem zu tun haben.

Loach, neben Haneke alter Herr in der Riege der Regisseure, gewinnt dafür den Preis der Jury. "Wahrhaftig über Dinge zu sprechen, funktioniert nur in Form der Komödie", so der Regisseur. Hätte er in diesem Jahr die "Goldene Palme" gewonnen, so wäre es seine zweite Auszeichnung mit dem höchsten Preis des weltweit angesehensten Filmfestivals gewesen. 2006 war er mit "The Wind That Shakes the Barley" in Cannes erfolgreich. Mittlerweile war er dort bereits elf Mal im Wettbewerb vertreten.

THE ANGELS' SHARE (Großbritannien/Frankreich 2012, Regie: Ken Loach)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "Post Tenebras Lux"

Und noch ein Gewinner: Carlos Reygadas macht in seinem neuen Film "Post tenebras lux" die Bestie im Menschen zum Hauptgegenstand seiner Betrachtung: Juan, der seine Hunde wegen Nichtigkeiten fast erschlägt, lebt mit seiner Frau und den Kindern in einer Luxusvilla mitten im Dschungel Mexikos, und der Regisseur macht daraus eine esoterische tour de force.

Carlos Reygadas war mit "Japan" (2002) "Schlacht im Himmel" (2005) und mit "Stilles Licht" (2007) bereits mehrfach Gast in Cannes. Zwei Preise hat er an der Croisette schon abgeräumt - einmal den Preis der Jury für "Stilles Licht" und einmal die "Goldene Kamera" für "Japon". In diesem Jahr folgt der Preis für die beste Regie.

POST TENEBRAS LUX (Mexiko/Frankreich/Niederlande/Deutschland 2012, Regie: Carlos Reygadas)

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65. Filmfestival Cannes:Plakatmotiv "In another country"

Sie ist wohl die erwachsenste Frau des Weltkinos. In einem abgelegenen Küstendorf in Korea trifft Isabelle Huppert auf verschiedene Männertypen. Hong Sang-Soo inszeniert das Improvisations-Experiment "In another Country" zwar charmant, doch droht sein Wettbewerbsbeitrag immer wieder wie eine typische Pressekonferenz in Cannes abzulaufen: Alle reden aneinander vorbei.

Auch Hong Sang-Soo kennt sich mit drei Nominierungen für die "Goldene Palme" an der Croisette bereits bestens aus. Mit "Hahaha" gewann er 2010 den Preis der Nebenreihe "Un certain regard".

IN ANOTHER COUNTRY (DA-REUN NA-RA-E-SUH, Südkorea 2012, Regie: Sang-Soo Hong)

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65. Filmfestival Cannes:Filmplakat "Moonrise Kingdom"

Wes Anderson kam in diesem Jahr mit seinem neuen Film "Moonrise Kingdom" nach Cannes. In der Tragikomödie, die bereits in den deutschen Kinos zu sehen ist, hauen die Kinder Sam und Suzy von zu Hause ab, spielen Erwachsensein am Strand, zwei kleine Spinner, die sich aneinander festhalten, weil Erwachsenwerden furchtbar schwierig ist. Eine traurige Geschichte eigentlich, aber märchenhaft und sehr komisch erzählt.

Dennoch hätte Anderson den Ritterschlag, das Festival zu eröffnen, nicht verdient, wenn "Moonrise Kingdom" nicht doch ein wenig mehr Tiefe als "Die Royal Tenenbaums" oder "Life Acquatic with Steve Zissou" aufweisen würde. Die bisherigen Filme des Amerikaners hatten über ein sehr wiedererkennbares visuelles Konzept und einen eigenwilligen Sinn für Humor viel weniger zu bieten als sein aktueller Film.

Einen großen Preis hat Anderson bislang noch nicht gewonnen, obwohl er schon zwei Mal für den Oscar nominiert war: 2009 für der "Der Fantastische Mr. Fox" und 2002 für "Die Royal Tenenbaums".

MOONRISE KINGDOM (USA 2012, Regie: Wes Anderson)

Michel Franco, Hernan Mendoza, Tessa Ia

Quelle: AP

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Der junge mexikanische Regisseur Michel Franco posiert mit seinen Hauptdarstellern Tessa la Gonzales und Hernan Mendoza. Sein Werk "After Lucia", der Geschichte eines Highschool-Mobbings. Der Film lief in der Nebenreihe "Un certain regard" und wurde dort als Sieger ausgezeichnet. Lobende Erwähnung der Nebenreihe fand Aida Begics Film "Djeca".

65th Cannes Film Festival - Award Winners Press Conference

Quelle: dpa

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Benh Zeitlin freut sich über die Camera d'Or für den besten Debütfilm, nämlich "Beasts of the Southern Wild".

Mehr Informationen zum diesjährigen Filmfest in Cannes finden Sie hier.

© Süddeutsche.de/mahu

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