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64. Filmfestival Cannes:Mit oder ohne Papst

Nanni Moretti fürchtet seit jeher ausgetretene Gedankenpfade - so ist auch "Habemus Papam" auf jeden Fall originell und galt in Italien, wo der Film schon vor dem Festival zu sehen war, als einigermaßen unbotmäßig. Einen Papst, der nicht will oder nicht kann, den kann es eigentlich nicht geben - wenn die Kardinäle den Willen Gottes verfügen, dann muss der Allmächtige ja wohl für den Rest gesorgt haben.

Moretti denkt über einen Systemabsturz im Vatikan nach: Stoßgebete erfüllen das Konklave bei der Abstimmung, bitte, Herr, nicht ich. Es erwischt dann den französischen Kardinal Melville (Michel Piccoli). Man quetscht grade noch aus ihm heraus, er nehme die Wahl an, aber dann sagt er, er kann das nicht. Der Papst irrt nie. Und was nun?

Der Papst weigert sich, auf den Balkon zu treten, es wird flugs ein eitler Analytiker (Moretti) bestellt, der auch nicht helfen kann, dann büxt der Heilige Vater aus. Der Pontifex inkognito schließt sich einer Theatertruppe an, und von da an geistert Tschechows "Möwe" durch den Film. Er habe, erklärt Melville seiner neuen Analytikerin, Schauspieler werden wollen, aber die Schauspielschule hat ihn abgelehnt. Am Ende ist er eine Version Treplevs, der beruflich alles erreicht hat und dem dabei sein Leben abhanden kam.

Es gibt also ein paar Spitzen gegen die andere Religion, die Psychoanalyse, ein paar sehr komische Beobachtungen zu medialem Wahnsinn, und die Idee, dass man im päpstlichen Appartement tagelang einen dicken Wachmann verstecken kann, der sich mit Kuchen vollstopft, ohne dass das Weltgeschehen davon beeinflusst wird.

Ein bisschen Analyse, ein bisschen Flucht und ein Volleyballturnier mit Kardinälen, das ist alles ganz lustig. Hätte Nanni Moretti etwas konzentrierter eine Geschichte erzählt, statt mehrere anzureißen - dann hätte "Habemus Papam" mehr Gewicht.

Aber vielleicht will er uns genau davon erzählen: dass die Dinge, im Guten wie im Schlechten, einfach weiterlaufen. Mit oder ohne Papst.

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