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40 Jahre Monty Python:Ferien auf Schloss Anthrax

Monty Python für die nächste Generation: Ein Buch und eine DVD bereiten das Werk der Komikergruppe auf. Und bei YouTube stehen ihre besten Sketche jetzt frei im Netz.

Es gibt Sätze, deren existentielle Wucht sich erst erschließt, wenn der Gipfel des bodenlosen Unglücks erreicht und es eigentlich zu spät ist. "Nobody expects the Spanish Inquisition" ist so ein Satz. Schlicht und grausam erinnert er an die Heimtücke des Schicksals. Denn jedes anständige Kind lernt, dass mit Spanischen Inquisitoren, wie mit Heidi Klum oder Oskar Lafontaine, überall und jederzeit zu rechnen ist. Wenn sie einen trotzdem unerwartet erwischen und alle Hoffnungen auf eine frohe Zukunft vernichten, ist man böse überrascht, verscherbelt beleidigt die VW-Aktien und fällt vom Glauben, etwa an Gott oder das Gute im Kapital, ab.

Und dann heben sie ab: Monty Python's Flying Circus.

(Foto: Foto: dpa)

In solch klammen Zeiten, wie viele sie jetzt wieder anbrechen sehen, ist guter Rat eigentlich viel zu teuer. Als Alternative erinnert ein neues Buch an besondere Weisheiten, nicht nur über die Spanische Inquisition, sondern auch über die Inquisition der Holzfäller, der toten Papageien und der heiligen Handgranate. "Kommen wir nun zu etwas völlig anderem - 40 Jahre Monty Python" ist eine voreingenommene, vollkommen unkritische Eloge auf das Schaffen der Monty-Python-Truppe, halbwegs pünktlich zum 39-jährigen Jubiläum ihres ersten Fernsehauftritts bei der BBC am 5. Oktober 1969.

Sketch aus der "At last the 1948 Show", zu finden auf der besprochenen DVD

Hat die Welt auf dieses Buch gewartet? Nein, denn das Buch verspricht weder eine magische Fettreduzierung, noch geht es darin um pubertätsgebeutelte Zauberlehrlinge. "Kommen wir nun zu etwas völlig anderem" ist eine Nacherzählung der von John Cleese, Michael Palin, Terry Jones, Graham Chapman, Terry Gilliam und Eric Idle erdachten Sketche.

Auch die eingestreuten Bonusinformation werden für Kenner nicht neu sein, etwa die zerebral belastende Herkunft der Comedians aus den Universitäten Oxford und Cambridge, die Tatsache, dass Ex-Beatle George Harrison das Geld für den Film "Life of Brian" vorgestreckt hatte, nachdem die Produktionsfirma EMI zwei Tage vor Drehbeginn von der Einträglichkeit des Projekts nicht mehr ganz überzeugt war. Oder dass bei "Ritter der Kokosnuss" das Geld für Pferde fehlte und deshalb klappernde Kokosnüsse zum Einsatz kamen.

Terry Gilliam erklärt kurz und für jeden ambitionierten, aber in Sachen Dialektik, Allegorese und Intellekt ungeschulten Atheisten verständlich, den Unterschied zwischen Blasphemie und Ketzerei. Zum Buch sind zwei DVDs erhältlich, mit so gut wie unbekanntem Material aus der "At last the 1948 Show". Die Vorläufer-Produktion zum "Flying Circus" aus dem Jahr 1967, in leicht abgeänderter Besetzung und in Schwarzweiß, präsentiert keine Kronjuwelen der Fernsehkultur, aber gute Ansätze auf dem Weg dorthin.

Die Schwäche von John Cleese zum Beispiel, mit Vorliebe Aquariumfische, Papageien, Schweinchen und sonstige zahme Kreaturen als Hauptdarsteller zu engagieren, findet in "At last the 1948 Show" einen frühen Ausdruck. Vermutlich fehlte das Geld für einen echten Gorilla, weshalb sich John Cleese bei einem Buchhalter-Kaffeekränzchen selbst als einer entpuppt, mit einem für einen Primaten höchst bemerkenswerten britischen Akzent.

Hier deutet sich eine Grundprämisse für das spätere Schaffen an, nämlich, dass die inferiore Kreatur nicht zum Gegenstand des Spotts, sondern an ihr der Grad der eigenen Menschlichkeit gemessen wird, und so wahrer Humor, frei nach Ludwig Börne, sich nicht als eine Gabe des Geistes, sondern vor allem als eine des Herzens erweist. John Cleese brachte auch, wie im Buch zu erfahren ist, das "Python" für "Monty Python" ins Spiel. Ein John-Cleese-Sketch mit einer Riesenschlange - "Mind the tail!" - findet sich ebenfalls auf der DVD.

Vor allem Deutschland hat Monty Python viel zu verdanken. Zu Beginn der siebziger Jahre lachte man über Heinz Erhardt und Rudi Carrell. Doch einem jungen, mutigen WDR-Redakteur, Alfred Biolek, war das nicht genug, er wollte Monty Python für eine deutsche Fernsehproduktion gewinnen. Die Truppe hatte keine Lust. Biolek flog nach England, trank mit ihnen Gin und lud sie auf eine Deutschlandreise nach Dachau, Neuschwanstein und ins Hofbräuhaus ein.

Im Januar 1972 lief in der ARD der "Fliegende Zirkus", mit katastrophalem Zuspruch des Publikums: Auf einer Negativskala bis minus 10 erhielt die Sendung minus 7. Davon ließen sich die Produzenten nicht abschrecken und drehten eine zweite deutsche Monty-Python-Episode, mit Meilensteinen wie dem Fußballklassiker "International Philosophy". TV-Nostalgiker weinen zu Recht diesen Zeiten nach, als den Programmmachern der Geschmack des Publikums noch egal und "Comedy" in Deutschland kein Schimpfwort war.

Mittlerweile können an Monty Python geschulte Deutsche auch bei subtilen Pointen lachen, müssen sich nicht mehr schämen, wenn sie im Ausland Fernsehen oder ins Kino gehen. Das Monty-Python-Buch "Kommen wir nun zu etwas völlig anderem" scheitert allerdings, anders als die Primärquellen, dabei, uns direkte Wege aufzuzeigen, wie wir uns aus unserer miesen Rezessionsstimmung hieven sollen. Autor Volker Bleeck will uns auch das Erfolgsgeheimnis der Briten nicht verraten, was den Verdacht nährt, dass er es überhaupt nicht kennt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wo Monty Python zwei Männer in der Badewanne aussetzen würden.

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