Pars pro toto:Gruppenmensch und Einzelgänger

"Feuer bewahren - nicht Asche anbeten": Annette von Wangenheims Film über den Choreografen Martin Schläpfer

Von Eva-Elisabeth Fischer

Annette von Wangenheim: "Feuer bewahren - nicht die Asche anbeten"

Monopol am Nordbad, Schleißheimer Str. 127, Tel. 089/ 38 88 84 93, Fr./So./Di. 17.00

Theatiner,Theatinerstr. 32, Tel.089/ 22 31 83, Matinee So. 10.45

Einen Trailer finden Sie hier.

Muskelkraft

Kraft. Ihm kommt es auf die Kraft an. In der ersten Einstellung des Films "Feuer bewahren - nicht Asche anbeten" fokussiert die Kamera die Waden des ehemaligen Tänzers und längst schon international gefeierten Choreografen Martin Schläpfer. Bis zum Zerreißen gespannte Sehnen, stahlharte Muskeln: Er kraxelt steil bergan zu seiner Almhütte. Seine Anstrengung hat System, wie die durchgestreckten Beine Marlúcia do Amarals beweisen. Schläpfer will auch bei den Frauen Kraft sehen, nicht verhungerte Grazie.

Zeit anhalten

Schläpfer ist beides, so zeigt ihn Regisseurin Annette von Wangenheim: Gruppenmensch und Einzelgänger. Letzterer sucht die Bergeinsamkeit, um aufzutanken, auf dass er sein Ballett am Rhein, nun sogar in einem eigenen neuen Probenhaus in Düsseldorf, choreografisch weiter beflügle. Stets gemäß dem von Gustav Mahler geprägten Motto "Feuer bewahren - nicht Asche anbeten". So heißt Wangenheims erster Kinofilm über einen ruhelos Kreativen, der es gelernt hat, mit sich selbst auszukommen.

Früh ganz oben

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(Foto: N/A)

Schläpfer verlangt seinen Leuten ab, was ihm als junger Tänzer abverlangt wurde - Spitzenleistung, die ihm allerdings den Platz an der Spitze einbrachte. Der Film spart alles Vergangene aus, beschränkt sich auf das Hier und Jetzt, den reifen Tänzer, bei Proben mit Altmeister Hans van Manen etwa, der mit ihm ein Solo probt, sparsam in der Bewegung, aber vielsagend und innerlich stark bewegt. Und damit das asketische Gegenstück zu Martin Schläpfer, der es liebt, Symphonisches opulent in Tanz zu übersetzen. (Foto: Gert Weigelt)

Reise ins Innere

Annette von Wangenheim sucht in "Feuer bewahren - nicht Asche anbeten" nach der Künstlerseele. Martin Schläpfer, stets auf der Hut, zeigt, was er zeigen will. Seine Regisseurin begegnet einem in der Tanzszene immer wieder - als Autorin, als persönliche Referentin der Karlsruher Ballettdirektorin Birgit Keil und natürlich immer wieder als Dokumentarfilmerin. Sie untersuchte das Phänomen Joséphine Baker in "Schwarze Diva in einer weißen Welt", attestierte in "Nijinsy & Neumeier" eine Seelenverwandtschaft.

© SZ vom 18.02.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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