bedeckt München 17°
vgwortpixel

Latin-Pop-Legende José Feliciano:"Waka Waka? Kann ich besser!"

Als Blinder und als Einwanderer hat José Feliciano erlebt, wie Musik Barrieren abbaut. Gesellschaftliche Hürden stimulieren nur seinen Ehrgeiz. Ein Gespräch über Integration, Ausgrenzung und Vorbilder.

Er mag Spätlese und Auslese, ganz besonders von den Lagen an der Nahe. "Mit dem Wein ist es wie mit der Musik", erzählt José Feliciano seinem Publikum bei einem Konzert im westfälischen Rietberg bei Gütersloh. "Alles eine Frage des individuellen Geschmacks." Dass er dennoch weiß, was den Massen gefällt, hat der Sänger und Gitarrist hinlänglich bewiesen: Längst ein Latino-Star, schaffte er 1968 den internationalen Durchbruch mit seiner Version des Doors-Hits "Light My Fire". Seitdem hat Feliciano zahlreiche Erfolge in spanischer und englischer Sprache gefeiert. Bis heute hat der 64-Jährige acht Grammys abgeräumt. Am Mittwoch tritt er in München im Brunnenhof der Residenz auf - womöglich gar mit seinem Weihnachtsklassiker "Feliz Navidad".

José Feliciano

"Ich kann so weit gehen, wie ich will": José Feliciano spielt am Mittwochabend in München.

sueddeutsche.de: José, haben Sie etwas von der Fußball-Weltmeisterschaft mitbekommen?

José Feliciano: Oh, ja! Ich habe sie von Beginn an verfolgt. Und ab jetzt werde ich mich darauf konzentrieren, für die nächste WM ein Lied zu schreiben. Ich glaube, so etwas wie Waka Waka bekomme ich auch hin, vielleicht sogar besser.

sueddeutsche.de: Spanien hat das Finale gewonnen, aber die WM war auch ein Sieg des Latin-Pop: Obwohl das Turnier in Südafrika stattfand, hat eine Latina die offizielle Hymne gesungen.

José Feliciano: Das passt besser zusammen als man denkt: Gerade die lateinamerikanische Musik ist mit dem afrikanischen Kontinent eng verbunden, weil die Spanier einst Sklaven in die Karibik brachten und deshalb bestimmte lateinamerikanische Rhythmen viele Wurzeln in Afrika haben. Die afrokubanische Musik, Salsa, Mambo, Merengue - alles das hat afrikanische Wurzeln.

sueddeutsche.de: Die Sklaven haben die Rhythmen aus Afrika nach Lateinamerika gebracht. Sie gelten hingegen als einer der Künstler, die Latino-Musik in die Popwelt eingeführt haben.

José Feliciano: Zunächst wurde ich ein Star in den lateinamerikanischen Ländern, obwohl ich darum kämpfen musste, überhaupt ein spanischsprachiges Album aufzunehmen - die Plattenfirma wollte das erst gar nicht.

sueddeutsche.de: Ihr Cover von "Light My Fire" bedeutete dann den großen Durchbruch in Amerika.

José Feliciano: Ja, ausgerechnet "Light My Fire" hat mir zwei Grammys beschert. Das ist schon lustig: Meine Version war eigentlich nicht wirklich lateinamerikanisch beeinflusst. Okay, wir hatten die Gitarre und auch Congas, aber größer war eigentlich noch der Einfluss des amerikanischen Blues.

sueddeutsche.de: Im stürmischen Jahr 1968 erfuhren Sie aber auch viel Ablehnung, als Sie vor einem Baseball-Finalspiel ihre ganz eigene Version der amerikanischen Nationalhymne sangen.

José Feliciano: Nun, ich glaube, die Leute waren es einfach nicht gewohnt, "The Star-Spangled Banner" mit Seele zu hören ...

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie José Feliciano mit seiner Blindheit zurechtkommt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite