11. November 2016, 18:56 Kurzkritik Miteinander

Das Duo Hecker und Helmchen in Pullach

Von Harald Eggebrecht

- Ein Sonatenabend für Violoncello und Klavier - das gleiche gilt für Violinabende noch mehr - kann sich manchmal als musikalisch unergiebiger, dabei interessanter Wettkampf entpuppen. Der Cellist führt sich als Solist auf und weist dem Pianisten die Begleiterrolle zu. Joachim Kaiser hat dann gern von "Klavierdackeln" gesprochen. Manchmal greift aber auch der Pianist so ungeniert in die Tasten, dass der Streicher den ganzen Abend in Klavierfluten zu ertrinken droht.

An diesem Abend im Bürgerhaus Pullach fand glücklicherweise etwas ganz anderes statt: ein höchst aufmerksames, ungemein dialogsicheres Miteinander zwischen der Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und dem Pianisten Martin Helmchen. Die beiden jungen, miteinander verheirateten Musiker, vielfach preisgekrönt und zu den Besten nicht nur ihrer Generation zählend, begannen mit Johann Sebastian Bachs 3. Gambensonate in der Celloversion. Hier zeigte sich, wie historisch bewusst und daher klanglich diszipliniert sie diese Musik angingen: Der Flügel blieb halb geöffnet, Helmchen fand einen ausgesprochen schlanken, gleichsam trocknen Ton, Hecker setzte auf pointierte Rhythmik, klare Stricharten und klug dosiertes Vibrato. Sie bevorzugt einen tendenziell hellen Celloklang, der sich für Strawinskys "Suite Italienne" ebenso gut eignet wie für Beethovens Variationen über "Ein Mädchen oder Weibchen". Für beide Stücke braucht es Witz, Virtuosität ohne Zurschaustellung und Phrasierungsschärfe. Es bestach, wie Helmchen und Hecker mit Klarheit, Anschlagsraffinesse und cellistischer Deutlichkeit den rhythmischen Pfeffer, die unverhohlene Ironie und die Kantilenenfeinheit beider Stücke realisierten.

Zum Schluss boten sie die e-Moll-Sonate von Johannes Brahms nicht als brausend-lärmende Spätromantik, sondern durchleuchteten das kunstvolle Satzgeflecht ebenso wie sie Kraft und Lust auf Brahms'sche Emphase hatten, ohne deshalb klanglich dick oder brünstig zu werden. Auch die Brahmslied-Zugabe entsprach diesem wachen aufgeklärten Spiel.