20. Mai 2010, 15:30 Im Gespräch: Albert Speer jr. "Hitler war für uns ein netter Onkel"

Immer nach seinem Vater gefragt zu werden, nervt Albert Speer junior. Immerhin ist er selbst Stadtplaner. Trotzdem spricht er nicht nur über Architektur.

Interview: Gerhard Matzig

Frankfurt, Hedderichstraße: In einer alten Fabrik entsteht die Welt von morgen. Gewissermaßen, denn das Stadtplanungsbüro Albert Speer & Partner betreut hier die Masterpläne für Städte auf allen Kontinenten. Albert Speer, 75 Jahre alt, zeigt dem Besucher das Büro, in dem etwa 120 Mitarbeiter arbeiten. Er ist bequem angezogen. Eine Bronzeplastik zeigt einen Löwen (sein Sternzeichen) mit Flügeln und Rollschuhen. Speer ist immer unterwegs in die Zukunft der Städte. Heute nimmt er sich ausnahmsweise Zeit für eine Reise in die Vergangenheit.

Albert Speer junior: Mit 75 Jahren entwirft er noch komplette Städte.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Herr Speer, als einer der einflussreichsten Stadtplaner sind Sie in einer Epoche, da erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land leben, ein gefragter Gesprächspartner. Was aber an den vielen Interviews mit Ihnen auffällt: Sie sprechen nie über Ihren Vater, über Hitlers Architekten. Warum?

Albert Speer: Immer werde ich nach meinem Vater gefragt, das nervt. Und außerdem habe ich mein ganzes Leben lang versucht, mich von meinem Vater abzugrenzen, mich zu distanzieren. Journalisten fällt es schwer, das zu respektieren. Ich beantworte deshalb nie persönliche Fragen in Interviews. Fast nie. Und ganz bestimmt nicht gern.

SZ: Jetzt bringen Sie mich ganz schön in Verlegenheit, ich wollte außer über Ihren Vater auch noch über Ihr Stottern sprechen. Sie waren sogar, wenn ich das so formulieren darf, ein richtiger Schulversager.

Speer: Das stimmt. Ich hatte riesige Probleme in der Schule. Wir haben ja auf dem Obersalzberg gelebt damals...

SZ: ...also dort, wo Hitler rund um sein Feriendomizil, den Berghof, Häuser für die Familien seiner wichtigsten NS-Gefährten errichten hat lassen...

Speer: ... genau, und von dort bis zur Dorfvolksschule in Berchtesgaden war ich eine Stunde lang unterwegs. Eine Stunde hin, eine Stunde zurück. Zwei Stunden Fußmarsch über Berg und Tal, jeden Tag. Und ich war ein ziemlich krankes Kind, fehlte oft in der Schule. Außerdem war mir die Schule verhasst. Schule: Das war einfach furchtbar.

SZ: Warum?

Speer: Vielleicht, weil ich mir nicht gern sagen lasse, was ich tun soll.

SZ: Sie sind nicht begeisterungsfähig für autoritäre Systeme, interessant. Gestottert haben Sie damals aber noch nicht.

Speer: Nein, das kam erst später.

SZ: Wann denn?

Speer: Nach dem Krieg, als mein Vater im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu 20 Jahren Haft verurteilt und nach Spandau gebracht wurde. Das war im Oktober 1946. Wir waren sechs Kinder, ich war der älteste Sohn, damals war ich gerade mal zwölf Jahre alt. Plötzlich hatte ich keinen Vater mehr. Oder richtiger: einen im Gefängnis. Es herrschte Chaos in Deutschland. Wir zogen um nach Heidelberg zu den Großeltern, dort hatte ich noch mehr Probleme im Unterricht, ich begann entsetzlich zu stottern - und dann war Schluss. Ich verließ die Schule und wurde Schreiner.

SZ: Sie sind Schreiner?

Speer: Ich habe jedenfalls das Handwerk erlernt. Den Gesellenbrief habe ich noch.

SZ: Aber Sie haben doch in München Architektur studiert? Sie sind sogar der dritte Albert Speer, nach Vater und Großvater, der als Architekt arbeitet. Eine Albert-Speer-Dynastie des Bauens.

Speer: Irgendwann wollte ich dann doch das Abitur nachholen. Ich habe die Abendschule besucht - eine elende Paukerei.

SZ: Und, Entschuldigung, das Stottern?

Speer: Gestottert habe ich damals sehr heftig. Meine letzte Prüfung war mündlich, Französisch. Eine Katastrophe. Gnadenhalber hat man mich bestehen lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wann es auf die Größe ankommt.

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SZ: Wie haben Sie denn dieses Leiden überwunden? Immerhin arbeiten Sie in einem Beruf, in dem es vor allem ums Reden geht. Sie halten Vorträge, leiten Diskussionen und werden interviewt.

Speer: Eigentlich dachte ich, dass man in der Architektur vor allem viel zeichnet. Heute bin ich aber stolz darauf, dass ich mein Geld auf eine Weise verdiene, die mich früher nur geängstigt hat: mit Sprache. Um das Stottern zu überwinden, musste ich genau das tun, was ich so hasste: reden, reden, reden. Ich war im Studium sogar mal dritter Vorsitzender beim AStA, beim Allgemeinen Studierendenausschuss. Das hat mich zwar auch politisch interessiert, aber ich wollte mich auch ganz vorsätzlich Gesprächssituationen aussetzen. Und später, schon im Beruf, reiste ich einmal in die USA, nach Philadelphia. Die hatten ein faszinierendes Städtebau-Konzept. Also schlug ich dem Amerika-Haus in Frankfurt vor, über dieses Konzept zu informieren. Es gab da einen Film dazu. Man sagte, okay, machen wir - aber Sie müssen einen Vortrag dazu halten. Ein Albtraum. Ich konnte nächtelang nicht schlafen. Aber ich sagte zu. Unfassbar. Doch das ist mein Motto: Das Leben ist Risiko. Die Folge: In ganz Deutschland wurde der Film gezeigt, in den Amerika-Häusern großer Städte. Ich befand mich plötzlich auf Vortragsreise, es wurde eine Tournee daraus.

SZ: Du lieber Himmel, ein Vortragskünstler unterwegs - als Stotterer!

Speer: So habe ich es überwunden. Man darf Probleme nicht umgehen, man muss sich richtig reinsetzen. Aber es ist bis heute so, dass ich mir meiner Sprache nie ganz sicher bin. Gottlob gibt es viele kluge Aufsätze über den Zusammenhang von Stottern und Intelligenz...(lacht).

SZ: Ihr Versagen in der Schule - war das für den Vater, der extrem ehrgeizig war, ein Problem?

Speer: Nein, der war ja im Gefängnis und hat das gar nicht richtig mitbekommen. Und vorher interessierte er sich vor allem für seine Baustellen.

SZ: Ihr Vater war allerdings nicht nur Architekt, sondern auch Rüstungsminister und Machthaber in einem Unrechtsstaat. Wie sehen Sie ihren Vater in der Rückschau? Verachtung? Verehrung?

Speer: Kann man den eigenen Vater verachten? Und Verehrung? Nein. Aber er war ein guter Architekt. Jedenfalls bis 1938. Viel moderner, als man heute denkt. Seine Pläne, selbst die für Berlin, beziehen sich zum Teil auf Corbusier-Theorien.

SZ: Aufmarschplätze, Monumentalbauten, Lichtdome - und Corbusier? Ist das Ihr Ernst?

Speer: Modernität ist doch was anderes als Flachdächer und der Verzicht auf Fenstersprossen. Auch Schinkel war ein moderner Architekt.

SZ: Aber die Pläne für Germania, die von Ihrem Vater stammen, sind schon etwas anderes als ein Beitrag zum Neoklassizismus, nicht wahr?

Speer: Natürlich. Das war eine reine Katastrophe. Unmenschlich. Darüber müssen wir gar nicht sprechen. Aber es war auch mehr Hitler als Speer.

SZ: Auf dem Obersalzberg haben Sie Hitler oft zu Gesicht bekommen. Wie haben Sie ihn erlebt?

Speer: Aus der Kinderperspektive: ein netter Onkel. Mein Vater ließ uns sehr streng erziehen. Zu Hitler gerufen zu werden war dagegen fast schon ein fröhliches Ereignis. Ich durfte mit den Hunden spielen, bekam Süßigkeiten. So etwas.

SZ: Aber trotzdem haben Sie dort in der Alpenfestung in einem Terrorstaat en miniature gelebt.

Speer: Das war uns doch gar nicht bewusst. Ich war sieben, acht Jahre alt.

SZ: Und später?

Speer: Das Thema war lange tabu nach dem Krieg. Meine Herkunft spielte in der Schule und an der Uni keine Rolle.

SZ: Es hat nie jemand zu Ihnen gesagt, dass Sie der Sohn eines Kriegsverbrechers sind? Albert Speer junior - das ist ja fast so dramatisch wie Adolf Hitler junior. Ihr Bruder Arnold wurde sogar auf den Namen Adolf getauft. Das wurde erst später geändert. Sie müssen doch unter Ihrem Namen gelitten haben.

Speer: Selten.

SZ: Und umgekehrt? Haben Sie vielleicht sogar profitiert davon?

Speer: Garantiert nicht. Aber sicher war es wichtig für mich, dass ich mich immer von diesem Vater emanzipieren wollte, ja musste. In jeder Form. Zum Beispiel die Sache mit der Unterschrift. Mein Vater hatte eine prägnante Unterschrift, mit sehr spitzem, großen A. Meine Unterschrift ist das bewusste Gegenstück. Auch mein Beruf ist der Gegenentwurf zu seinem. Er war Architekt, ich bin Stadtplaner. Er hat sich für Ästhetik interessiert, für mich ist die Komplexität der Stadt als politisches und ökonomisches Gemeinwesen viel bedeutsamer.

SZ: Es gibt ein kaum bekanntes Werk von Albert Speer junior: Ihr Ferienhaus am Riegsee im Voralpenland. Es ist extrem klein, schlicht, aus Holz und sieht fast japanisch aus. Ein Gegenentwurf?

Speer: Nein, das stimmt nicht. Das Grundstück direkt am See war ein Glücksfall für mich. In den sechziger Jahren konnte ich es kaufen. Vom Geld für meinen ersten gewonnenen Wettbewerb. Ich habe ja immer Regatten gerudert. Am Riegsee liegt heute noch mein Boot, wann immer ich kann, rudere ich über den See. Das Rudern ist ein wundervoller, ein intelligenter Sport. Und das Haus musste so klein sein, weil auch der Vorgängerbau so klein war. Außerdem hat mich die Holzarchitektur Japans interessiert. Immer schon haben mich fremde Kulturen fasziniert. Das hat mit meinem Vater aber nicht viel zu tun.

SZ: Wie fand er Ihr erstes Werk?

Speer: Er hat es jahrelang nicht einmal betreten wollen. Er hielt es für Geldverschwendung: ein Haus am See.

SZ: Erstaunlich ist es ja schon, dieses winzige Haus, keine achtzig Quadratmeter groß - und jetzt planen Sie gewaltige Megacitys für Millionen von Einwohnern. Haben Sie keine Angst vor zu viel Größe, vor dem Gigantismus, der riesigen Vorhaben nun mal innewohnt?

Speer: Größe ist relativ. Wissen Sie, meine erste Wohnung in Frankfurt war winzig. Eineinhalb Zimmer. Dann hatte ich wieder unerwartetes Glück: Ein Freund zog aus seiner herrlichen 220-Quadratmeter-Altbauwohnung aus, ich zog ein. Ich kaufte nur ein Möbelstück, mein erstes: natürlich einen Eames-Chair. Den stellte ich an das eine Ende der Wohnung und schaute von dort quer durch alle Räume bis zum anderen Ende der Wohnung. Und dabei hatte ich noch eine Pfeife im Mund. Es war grandios. Und natürlich eine Inszenierung. Das Geld für die Wohnung hatte ich eigentlich gar nicht. Aber wie schon gesagt: Das Leben ist Risiko.

SZ: Erst bauen Menschen Räume, dann bauen Räume Menschen, heißt es. Haben Sie sich verändert in der großen Wohnung?

Speer: Bis heute glaube ich, dass die Großzügigkeit dieser Wohnung etwas mit meinen Planungen zu tun hat. Das hat mich geprägt. Ich pinnte die Pläne immer an die Wand - und nahm Abstand. Aus großer Distanz betrachtet müssen Pläne vor allem eines sein: klar, lesbar, eindeutig. Sonst sieht man nichts. Diese Eindeutigkeit meiner Stadtplanungen - irgendetwas hat sie mit der Wohnung in Frankfurt zu tun.

SZ: Sie meinen wirklich, wenn AS&P heute Pläne für Shanghai oder Kairo entwickelt: Dann ist da auch immer irgendwo eine Altbauwohnung im Frankfurter Westend im Hintergrund?

Speer: Irgendwo, wer weiß. Das Gegenteil kann man schlecht beweisen.

SZ: Städte entwirft man aus Titanensicht. Man beugt sich über den Plan und sagt zum Beispiel: Hier kommt ein Haus hin, da eine Straße, das da wird ein See, dort bauen wir ein Krankenhaus . . . Sind wir da nicht wieder bei der Größe, vielleicht auch beim Vater?

Speer: Im Gegenteil. Stadtplanung zielt nicht aufs Große, sondern auf das Komplexe. Und nicht auf das Autoritäre, sondern auf das Integrale. Städte sind demokratischer Natur.

SZ: In Europa. Aber gilt das auch für die Planungen von AS&P in China oder Libyen?

Speer: Totale Kontrolle kann es in wirklich großen Städten nicht geben. So etwas wie Germania als Idee: Das ist nirgendwo mehr realisierbar, auch nicht in autoritären Regimes.

SZ: Als Albert Speer für nichtdemokratische Länder zu arbeiten: kein Problem?

Speer: Wir helfen, das Umfeld von Menschen zu verbessern. Politik machen wir nicht. Die Unterscheidung von Demokratien und Nichtdemokratien berührt auch nicht das Grundproblem der heutigen Stadtplanung. Man muss vielmehr unterscheiden zwischen der europäischen Stadt - hier leben wir zu neunzig Prozent in ausgereiften Städten, der Prozess der Verstädterung ist abgeschlossen. In Indien, China oder Afrika ist der Prozess erst am Anfang. Weltweit ziehen in den nächsten Jahren Millionen von Menschen vom Land in die Städte. Hier helfen wir, für diese Menschen bessere Lebensbedingungen zu schaffen.

SZ: Was sind die großen Probleme der Stadt der Zukunft?

Speer: Städte müssen nachhaltig sein und über kurze Wege verfügen. Weniger Mobilität bedeutet weniger Emissionen. Die Nutzungsmischung ist wichtig, es geht um die Einpassung in die Landschaft. In Europa wird es um die Konzentration gehen, einige Städte werden wachsen, teilweise ins Riesenhafte, mit allen Problemen, die das mit sich bringt. Andere Städte werden schrumpfen, auch mit allen Problemen, die das mit sich bringt. Dann die Überalterung der Gesellschaft, das Ressourcenproblem...

SZ: Viel Arbeit für einen Stadtplaner.

Speer: So ist es.

SZ: Zurzeit ist viel die Rede von Öko-Städten, wie zum Beispiel von Masdar City. Das soll, nach den Plänen von Norman Foster, eine CO2-neutrale Wissenschaftsstadt in Abu Dhabi werden. Das hört sich visionär an.

Speer: Na ja.

SZ: Bitte?

Speer: Sagen wir: Es hört sich auch nach Image an. In China hat man ebenfalls beschlossen, dass jede neue Stadtplanung einen grünen Stempel benötigt, um realisiert zu werden. Damit auch genug Grün geplant wird. Und was hat man gemacht? Erst hat man die Landschaft planiert, dann die Stadt draufgestellt und dann die Hügel, die man vorher eingeebnet hat, wieder aufgeschüttet. Nachhaltigkeit ist etwas anderes. Masdar ist durchaus nützlich als Experiment, aber bei Investitionskosten von 400.000 Dollar pro Einwohner wird das Projekt kaum vorbildlich für andere Städte sein können.

SZ: Sind Städte nicht vor allem dann nachhaltig, wenn sie geliebt werden? Wenn sie also schön sind? Aber die Schönheit scheint in der zeitgenössischen Stadtplanung gar keine Rolle zu spielen.

Speer: Stimmt, da wird manches vernachlässigt. Aber trotzdem bauen wir Städte, die auch formal von hoher Qualität sind. Außerdem muss man Zeit haben als Stadtplaner. Städte müssen sich entwickeln. Ich fürchte, man hat immer weniger Geduld mit den Städten.

SZ: Sind Sie daran ganz schuldlos? Auf der Homepage von AS&P wird einem außer Architektur, Stadtplanung und Verkehrsberatung auch das Produkt "Mega Events" angeboten. Die Eventisierung der Städte ist das Gebot der Stunde. Die Stadt München erhofft sich mit Ihrer Hilfe die Olympischen Winterspiele 2018. Auch die Expo in Shanghai, die soeben eröffnet wird, stammt in gewisser Weise von Ihnen. Braucht man Spektakel?

Speer: Städte entwickeln sich am besten, wenn die bürokratischen Hemmnisse überwindbar werden. Wenn alle an einem Strang ziehen und Energien freigesetzt werden. Die Events beschleunigen Prozesse und politische Entscheidungen.

SZ: Aber sie haben auch etwas mit Menschenmassen zu tun. Sind die Stadien und Expo-Areale nicht auch moderne Monumentalbauten, die der totalen Emotionalisierung dienen? Die Kritik spricht von einer "freizeitfanatisierten Gesellschaft".

Speer: Das ist viel zu hoch gegriffen. Die Leute strömen auch in Theater und Museen - ohne einem Diktator zu folgen. Und wenn Sie König Fußball für einen Anschlag auf die Demokratie halten..., aber es stimmt, die Städte stehen in einer Konkurrenz, im Wettbewerb, sie müssen attraktiv sein. Doch das galt auch schon für die Städte der Renaissance, denen wir Bildung und Kultur verdanken.

SZ: Es gibt das Gerücht, Sie hätten sich Ihren ersten großen Auftrag, die Masterplanung für 40 libysche Städte in der Zeit noch vor Gaddafi, sagen wir: trickreich gesichert. Was war der Trick?

Speer: Ich habe mein Büro, das damals aus anderthalb Mitarbeitern bestand, in ein Potemkinsches Dorf verwandelt. Wir kamen auf Umwegen ins Gespräch für das Projekt, da wollten uns die Libyer in Frankfurt besuchen, um sich das Büro anzusehen. Ob es auch groß und professionell genug ist. Was haben wir gemacht? Die große Wohnung wurde zum Büro umgebaut, ich selbst zog mit meiner Habe ins Schlafzimmer. Einen Tisch bespannten wir mit grünem Filz und nannten ihn "Konferenztisch", in der Kammer musste eine Freundin laut Schreibmaschine schreiben, wir ließen die Telefone unentwegt klingeln - und alle meine Freunde steckten in weißen Kitteln und beugten sich über imaginäre Planungen. Wir spielten "großes Büro". Und erhielten den Auftrag.

SZ: Es war eine Frage der Größe?

Speer: Es war eine Frage der Größe. In mancher Hinsicht.

Prof. Albert Speer wurde 1934 als Sohn des gleichnamigen, später zu 20 Jahren Haft verurteilten NS-Architekten und Rüstungsministers geboren. Nach einer Schreinerlehre und dem Studium der Architektur an der Technischen Hochschule in München wurde er Stadtplaner. 1964 gründete er sein eigenes Büro. Seit 1970 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau- und Landesplanung. 2003 erhielt er die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Er lebt mit der Schauspielerin Ingmar Zeisberg in Frankfurt.