bedeckt München 15°

Die Geschichte hinter der Südpol-Eroberung:Einzig und allein gewinnen

Vor 100 Jahren erreichte der Norweger Roald Amundsen den Südpol nach einem dramatischen Wettlauf mit seinem britischen Konkurrenten Robert F. Scott - zum Jubiläum gibt es neue Bücher über den dramatischen Wettlauf.

Harald Eggebrecht

Es erscheint zuerst als eine Art Wahn, dieses Streben nach einem imaginären Punkt in einer Weltgegend, die menschen- und lebensfeindlicher nicht gedacht werden kann. Aber Roald Amundsen, der erfolgreiche Erste am Südpol, und Robert Falcon Scott, der unglückliche, am Ende dem Tode geweihte Nachzügler, verstanden ihre Expeditionen als heroische Taten: für ihre Könige und Vaterländer, für die Wissenschaft, endlich für den eigenen Ruhm.

FILE: 100 Years Ago Norwegian Explorer Roald Amundsen Becomes First To Reach South Pole

Moment des Triumphes: Am 14. Dezember 1911 stand Roald Amundsen mit seinem Team am Südpol und setzte die norwegische Flagge. Die wissenschaftlichen Interessen standen hinter der reinen Sensation zurück, der Gewinner des Rennens zu sein.

(Foto: Getty Images)

Da das Unternehmen aber zum Wettlauf geriet zwischen dem in Arktis und Antarktis erprobten Abenteurertyp Amundsen und dem ebenfalls antarktisgeprüften, aber anderen Traditionen verbundenen Marineoffizier Scott, gewann das Rennen, das vor genau 100 Jahren entschieden wurde, den Charakter eines Zweikampfes höchst verschiedener Persönlichkeiten hinzu.

Die Tragödie von Scotts Expedition, die den Pol vier Wochen nach den Norwegern erreichte und deren Rückweg in der tödlichen Katastrophe aus Kälte, Hunger und Durst endete, hat dem Ganzen eine geradezu epische Dimension gegeben. Dazu trug ein Dokument entscheidend bei: Als man Scott und seine Leute acht Monate nach ihrem Tod entdeckte, fand sich neben Abschiedsbriefen auch sein Tagebuch. Dessen eindringlicher Ton, der die "Erzählung" trägt bis zu den letzten Eintragungen, hat das Geschehen in der Antarktis emotional nachhaltig geprägt. Amundsens Darstellung seines Erfolges hat dagegen in der Rezeption der Zeitgenossen und später eher kühlen Respekt geerntet.

Die Unausweichlichkeit von Scotts letzten Sätzen lässt auch heute niemanden unberührt:

"Freitag, 29. März. Seit dem 21. März hat es unaufhörlich aus Westsüdwest und Südwest gestürmt. Wir hatten am 20. noch Brennstoff, um jedem zwei Tassen Tee zuzubereiten, und trockene Kost auf zwei Tage. Jeden Tag waren wir bereit, nach unserem nur noch 20 Kilometer entfernten Depot zu marschieren, aber draußen vor der Zelttür ist die ganze Landschaft ein durcheinanderwirbelndes Schneegestöber. Ich glaube nicht, dass wir jetzt irgendwie auf Besserung hoffen können. Aber wir werden bis zum Ende aushalten, freilich werden wir schwächer und der Tod kann nicht mehr fern sein.

Es ist ein Jammer, aber ich glaube nicht, daß ich noch weiter schreiben kann.

R. Scott

Letzte Eintragung: Um Gottes Willen - sorgt für unsere Hinterbliebenen!"

In der Edition Erdmann ist nicht nur eine gekürzte Fassung von Scotts Tagebuch erschienen, sondern auch eine geraffte Version des Berichtes seines "Widersachers" Amundsen. Dessen Ton klingt im Moment des Triumphes zwar zurückhaltend, sogar untertreibend, aber plötzlich auch pathetisch: "Nachdem wir haltgemacht hatten, traten wir zusammen und beglückwünschten uns gegenseitig. (. . .) Nach dieser ersten Handlung schritten wir zur zweiten, der größten und feierlichsten der ganzen Fahrt - dem Aufpflanzen unserer Flagge. (. . .) Fünf raue, vom Frost mitgenommene Fäuste griffen nach der Stange, hoben die wehende Fahne auf und pflanzten sie auf - als die einzige und erste auf dem geografischen Südpol. ,So pflanzen wir dich, liebe Flagge, am Südpol auf und geben der Ebene, auf der er liegt, den Namen ,König Haakon VII.-Land!'"

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema