100 Jahre Filmstadt Babelsberg:Reich bestückt mit Stars

Das Gelände der Ufa hatte sich inzwischen auf 300.000 Quadratmeter erweitert, es gab Verwaltungsgebäude, mehrere Ateliers, Werkstätten, Kostümfundus, technische Lager, ein Kopierwerk, einen kleinen Zoo und viel Platz für Bauten zu den Außenaufnahmen.

Fritz Lang und Max Mack in den 20er Jahren | Fritz Lang and Max Mack in the 20's

Die Regisseure Fritz Lang (mit Manuskript in der Hand) und Max Mack (mit Lautsprecher) bei Außenaufnahmen auf dem Ufa-Gelände in Babelsberg zu sehen. Im Hintergrund ist eine Straßenkulisse mit Cafehaus aufgebaut.

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

Eine finanzielle Krise wurde mit dem Rettungsschirm der amerikanischen Paramount und MGM überstanden, aber der konservative Medienunternehmer Alfred Hugenberg holte das Unternehmen schnell in deutsche Obhut zurück.

1926 wurde eine neue Halle gebaut, die durch Querwände beliebig unterteilbar war (sie heißt heute "Metropolis-Halle"), und 1929 - unter dem Druck der kommenden Tonfilmtechnik - aus vier Ateliers das sogenannte "Tonkreuz" errichtet, rechtzeitig für die Prestigeproduktionen "Der blaue Engel", "Die Drei von der Tankstelle", "Der Kongress tanzt", "Ein blonder Traum", "F. P. 1 antwortet nicht" (alle zwischen 1930 und 1932).

Das Studio war reich bestückt mit Stars, Henny Porten und Harry Piel, Emil Jannings und Werner Krauss, Brigitte Helm und Marlene Dietrich, Lilian Harvey und Willy Fritsch, Renate Müller, Heinz Rühmann und Hans Albers. Einst wurden sie von der Sonne beleuchtet, inzwischen kam das Licht vorwiegend aus den Scheinwerfern.

Charakteristisch für diese Zeit waren die Sprachversionen: Filme wurden auf demselben Set separat in deutscher, englischer und französischer, gelegentlich auch in italienischer oder spanischer Sprache gedreht, weil das Synchronisieren noch nicht möglich war; die Regisseure und Darsteller kamen aus den entsprechenden Ländern angereist, auf dem Gelände herrschte internationale Verständigung. So weltoffen war Babelsberg nie zuvor. Der Filmhistoriker Chris Wahl hat dazu ein hervorragend recherchiertes Buch veröffentlicht: "Sprachversionsfilme aus Babelsberg" (München 2009).

Es drängten sich dann politisch-ideologische Mächte in den Vordergrund, die auch den deutschen Film veränderten. Das vaterländische U-Boot-Epos "Morgenrot" (1932/33) war so etwas wie der Willkommensgruß für die neuen Machthaber: Hitler und Goebbels. Nunmehr produzierte man unter Aufsicht des Propagandaministeriums.

Erstaunliche Tricks und ironische Anspielungen

Die jüdischen Mitarbeiter mussten das Studio verlassen; ein unwiederbringlicher Verlust. Produktionsschwerpunkte wurden das Lustspiel, die Literaturverfilmung und das Melodram, es begannen die Karrieren von Detlef Sierck und Veit Harlan. Und 1938 fusionierten nach einer Gebietsreform die Orte Nowawes und Neubabelsberg zu Babelsberg, das 1939 zu einem Ortsteil von Potsdam wurde (womit auch die Geographie bereinigt war).

30 Jahre Babelsberg 1942, im Jahr von Stalingrad: keine Jubiläumsfeier, aber Drehbeginn für das Melodram "Opfergang" mit Kristina Söderbaum, die Komödie "Ich vertraue dir meine Frau an" mit Heinz Rühmann, das Melodram "Damals" mit Zarah Leander und den Ufa-Jubiläumsfilm "Münchhausen" mit Hans Albers.

Immerhin durfte Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger das Drehbuch zum Münchhausen-Film schreiben, und wer genau hinhört, entdeckt - hinter aufwendigen Bauten, brillanten Farben und erstaunlichen Tricks - auch ironische Anspielungen. Regie: Josef von Baky.

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