bedeckt München
vgwortpixel

100 Jahre Filmstadt Babelsberg:Drei Leben jung

Liebe, Leidenschaften, Intrigen und Katastrophen - schon bei der ersten Produktion in den Filmstudios von Babelsberg ging es um all das, was Menschen im Kino sehen möchten. Die Filmstadt in Potsdam erlebte Nazis und Kommunisten, bevor sie in der Neuzeit ankam, doch zu ihrem 100. Geburtstag ist sie so vital wie nie zuvor.

Der Chefkameramann der Firma Bioscop machte sich damals persönlich auf die Suche nach einem Ort ohne rauchende Fabrikschornsteine, mit viel Sonnenlicht und freier Fläche, draußen vor der Stadt. Guido Seeber fand ein Grundstück im Südwesten Berlins, mit einem verlassenen Gebäude, wo zuvor künstliche Blumen hergestellt worden waren.

Bahnhofsschild 'Babelsberg Ufastadt' wird installiert, 1938 | The station nameboard 'Babelsberg Ufastadt' is installed, 1938

1938: Nach der Eingemeindung von Neubabelsberg und Babelsberg (bisher: Nowawes) wird der Bahnhof Neubabelsberg in Babelsberg-Ufastadt umbenannt. Damit hatten die Nazis auch die Geographie bereinigt.

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

Die nächste Bahnstation hieß Nowawes, die benachbarte Siedlung Neubabelsberg. Die Bodenpreise waren günstig (pro Quadratmeter 1,50 Reichsmark), man erwarb 40.000 Quadratmeter, und es wurde ein kleines Glasatelier hinzugebaut. Das alles geschah im Herbst 1911.

Am 12. Februar 1912 fand dann der erste Drehtag statt. Der Film hieß "Der Totentanz". Das klang als Titel zwar nicht gerade visionär, aber die Hauptrolle spielte ein damals angesagter Star: die Dänin Asta Nielsen. Das "mimische Drama in drei Akten" handelte von Liebe, Leidenschaften, Intrigen und Katastrophen, also von all dem, was Menschen im Kino sehen möchten. (Die erhaltenen Fragmente des Films wurden gerade mit Hilfe des Münchner Filmmuseums zum Jubiläum restauriert.)

Zehn Jahre später hatte sich die Welt spürbar verändert. Ein vierjähriger Krieg hinterließ Traumata, Deutschland kämpfte um die Anerkennung seiner "Weimarer Republik", die Kultur boomte und das Geld verlor an Wert.

Die Studios vor den Toren Berlins hatten inzwischen den Besitzer gewechselt: Hausherr war nun die 1917 gegründete Universum Film AG (Ufa), der Produktionschef hieß Erich Pommer, in den Hallen von Neubabelsberg arbeiteten die Regisseure Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang, Ludwig Berger. Ernst Lubitsch verabschiedete sich gerade nach Hollywood.

Mit allen mechanischen Raffinessen

Lang galt nach dem "Müden Tod" und dem zweiteiligen "Dr. Mabuse" als neue Nummer eins und ging im Herbst '22 mit einem Mythenthema ins Atelier: "Die Nibelungen". Er ließ auf dem Gelände einen künstlichen Wald errichten, in dem Siegfried sich verirren konnte.

Eine Attraktion des Films war der Lindwurm, gebaut in furchterregender Größe mit allen mechanischen Raffinessen. Es waren ja nicht nur die Künstler, die dem deutschen Film in jenen Jahren zur Weltgeltung verhalfen, sondern auch die Handwerker. Das hat niemand besser und genauer beschrieben als der Filmarchitekt Erich Kettelhut in seiner posthum publizierten Autobiographie "Der Schatten des Architekten" (München 2009).

Auch Murnaus "Der letzte Mann" (1924) mit der Kulisse des Hotels Atlantic, sein "Faust"-Film (1925/26) und natürlich Fritz Langs "Metropolis" (1926) waren paradigmatische Studiofilme.