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100. Geburtstag von Astrid Lingren:"Pippi war mir peinlich"

Die leichte Hand

100. Geburtstag von Astrid Lingren

Der Schriftsteller Peter Härtling: "Ihre Hand war leicht wie der Punkt am Schluss dieses Satzes."

(Foto: Foto: dpa)

Von Peter Härtling

Ihre Stimme, kräftig und tenoral gefärbt, reichte, um Pippi aus dem Takatukaland nach Hause zu rufen. Wir traten gemeinsam in der Berliner Akademie der Künste auf, und zu meiner Überraschung änderte sich ihre Stimme. Ich hörte nicht mehr die allmächtige Schöpferin Pippis, sondern eine alte Frau, die das Kind in sich ruft. - Sie las am Abend für Erwachsene, und ich, der jüngere Kollege, sollte sie einführen.

Ich lese, was ihr nicht kennt, sagte sie, nichts von Pippi und Kalle. Sie las aus ihrem Erinnerungsbuch "Das entschwundene Land", erzählte von ihren Eltern, zitierte alte Liebesbriefe, führte sich und ihre Zuhörer in ihre Kinderheimat. Als wir dann nebeneinander an einem Tisch saßen, um unsere Bücher zu signieren, legte sich plötzlich ihre Hand auf meine: Das alles hast du nicht gehabt, sagte sie leise, und ihre Hand war leicht wie der Punkt am Schluss dieses Satzes.

Ich dachte an den Stein aus ihrer Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Eine Mutter, die ihren Sohn bestrafen wollte, schickte ihn wütend in den Garten, eine Rute zu suchen. Er kam mit einem Stein zurück. Mit dem konnte und wollte sie ihn nicht bestrafen. Beschämt umarmte sie ihn. Sie legte "den Stein auf ein Bord in der Küche, dort blieb er liegen, erinnerte an das Versprechen das sie sich selber gegeben hatte: NIEMALS GEWALT."

Im dritten Abschnitt: Alexa Henning von Lange schreibt, wozu Astrid Lindgrens Geschichten ermutigen

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