bedeckt München 26°

100. Geburtstag von Astrid Lindgren:"Da können sie alle lachen"

Was würden heutige Eltern zu dem Lieblingsspiel "Nicht den Fußboden berühren" sagen, bei dem alle jungen Ericssons so im Schlafzimmer herumtobten, dass man fast jede Woche den Kamin neu weißen musste. Oder wenn sie die Warnung der Mutter missachteten, beim Baden im Fluss nur bis zum Bauchnabel einzutauchen.

Bei diesen Spielen geht es um Freiheit, darum, sich zu bewähren, Grenzen auszuloten, es geht um Abenteuer und Spaß. Und der Leser, der all das in ihrem Werk entdeckt, spürt, es ist mehr als nostalgisches Erinnern - denn sie erzählt auch von schweren Zeiten und von Prüfungen, wie bei den "Brüdern Löwenherz" oder in "Ronja Räubertochter". Zwei Bücher, die immer wieder Kritiker und Eltern verwirren, die diese direkte Auseinandersetzung mit dem Tod oder mit falsch verstandener Elternliebe und -sorge, ihren Kindern nicht zumuten wollen, trotz der abenteuerlichen und märchenhaften Handlung.

Astrid Lindgren ist nicht als das ewige Kind in ihrer Kindheit steckengeblieben, auch wenn diese immer wieder in ihren Büchern zu entdecken ist. Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin und Lektorin kommentierte sie als aufmerksame Zeitzeugin die politischen und sozialen Verhältnisse und versuchte einzugreifen. So nutzte sie, je älter sie wurde, ihre Rolle als öffentliche Persönlichkeit, um sich einzumischen, oft für die Rechte der Kinder, wie beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Ihre Rede "Gegen Gewalt" erregte nicht nur weltweit Aufsehen, in Schweden wurde ein Jahr später ein Gesetz verabschiedet, das körperliche Strafen gegen Kinder verbietet. 1994 erhält sie den Ehrenpreis zum Alternativen Nobelpreis für ihr "Engagement für Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und das Verständnis von Minderheiten".

Das Recht der Kinder auf Bücher

Eine Flut von Hilferufen erreichte sie ihr Leben lang, erzählt ihre Biographin Margareta Strömstedt. Es wurde ihr bald nicht mehr möglich, überall einzugreifen, auch wenn sie immer wieder versuchte, gerade bei Asylbewerberkindern zu helfen. Ihr Einsatz gegen Kernkraft und für Tier- und Umweltschutz macht sie international als politische Aktivistin bekannt, auch ihr listig geführter Kampf gegen die schwedischen Steuergesetze, mit dem unvergesslichen Märchen "Pomperipossa von Monismanien".

Mit demselben Elan konnte sie ganz spontan auf einen Skinhead zugehen und ihn auffordern, diesen Unsinn zu lassen. Margarete Strömstedt hat sie aber auch deprimiert erlebt, nicht nur in ihren Kriegstagebüchern von 1939-1945 beklagt sie das Leid der Kinder, auch der Bosnien-Krieg und der Einmarsch der Russen in Litauen 1991 machten ihr Angst, zweimal schrieb sie einen Brief an Gorbatschow.

Und natürlich setzte sie sich immer wieder vehement fürs Lesen ein, für das Recht der Kinder auf Bücher, das ein Teil des Rechts auf bessere Lebensverhältnisse ist: "Wenn Bibliotheken sich meldeten, die von Schließungen bedroht waren, sagte sie meistens zu und fuhr in die Vororte und drohte mit ihrer berühmten Faust. Sie drohte damit, bei geizigen Kommunalpolitikern zu spuken, wenn sie auch nur eine einzige Bibliothek schlössen. Bibliotheken seien Oasen für Kinder in problematischen Vorortsregionen, donnerte sie, und Kinder seien das Wichtigste."

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB