"5 Zimmer Küche Sarg" im Kino Flirt mit Hollywood

Grandios albern ist auch der Gangster-Rap-Battle zwischen Hiphopopotamus-Jemaine und Rhymenoceros-Bret. Die Gesten stammen aus der Hood, doch die Reime sind in ihrem reinen Irrsinn ein Angriff auf die inhaltslose Großspurigkeit und den Sexismus der Rapstars: "My rhymes are so potent I make all the ladies in the first row pregnant", gibt Jemaine an. Damit haben es "Flight of the Conchords" immerhin zu einer BBC Radio Show und einer HBO-Fernsehserie gebracht, bei der Taika Waititi einige Folgen inszeniert hat. Nun kreuzen Waititi und Clement die Kulturgeschichte der Vampire mit ihren Wellington-WG-Erfahrungen: "Da geht es wirklich nur um uns! Die Vampire gehen in dieselben Bars, in die wir damals gingen, und dann treffen sie diesen jungen, interessanten Typen, den wir damals getroffen haben . . ."

Im Film ist das der Neu-Vampir Nick, der die etwas altmodischen Kollegen mit moderner Unterhaltungselektronik vertraut macht, die ihnen auf Youtube das gefahrlose Bestaunen eines Sonnenaufgangs ermöglicht. Neben dem 183-jährigen Dandy Deacon, dem Jüngsten in der Runde, und dem mit 8000 Jahren Ältesten, Petyr, der offensichtlich mit Murnaus Nosferatu verwandt ist, spielt Waititi den 379-jährigen Viago, der pedantisch auf der Einhaltung der WG-Hausordnung beharrt, und Clement den genüsslich abgründigen Vladislav, der mit seinen 862 Jahren eine Vorliebe für mittelalterliche Foltermethoden pflegt.

"Eine Weile dachte ich, Amerika ist ganz schön cool"

Den Film hätten sie gut auch in Hollywood produzieren können, doch auf die Kompromisse dort hatten sie keine Lust: "Ich glaube, dass mein amerikanischer Agent mich inzwischen aufgegeben hat, weil ich nie tue, was sie dort wollen", sagt Waititi mit subversivem Grinsen: "Eine Weile dachte ich, Amerika ist ganz schön cool und aufregend. Inzwischen ist es mir egal, ob ich dort akzeptiert werde oder nicht. Ich tue lieber, was mir gefällt - und fühle mich für den Rest meines Lebens gut damit!"

Clement hingegen flirtet auf seine Weise mit Hollywood, er spielte in "Men in Black 3" den finsteren Alien "Boris the Animal", mit wilder Mähne unter Rocker-Bandana, mit Lennon-Sonnenbrille und einem Monsterinsekt, das ihm aus der Handfläche kriecht. Oder auch dem bösen Kakadu seine Stimme leiht, der gegen die Helden der Dschungelanimation "Rio" intrigiert. Der erste gemeinsame Film war die skurril melancholische Liebesgeschichte "Eagle versus Shark", die in der Berlinale Sektion Generation 14plus vor einigen Jahren ein kleiner Hit war. Damals spielte Clement nur, jetzt fungieren sie nach dem Stand-up-Prinzip gemeinsam als Stars, Autoren und Regisseure, wobei Clement nach eigenem Bekunden für mehr Albernheit sorgt: "Taika hat sehr viel über traurige Familienverhältnisse reingeschrieben. Eine Weile hatte ich schon befürchtet, dass ich meinen Freund ans Drama verliere . . ."

Wie ihre Vampire sind auch Waititi und Clement als Halb-Maoris Außenseiter der Gesellschaft: "Für den Anfang unserer Freundschaft war es wichtig, dass wir zugleich Maoris und Weiße sind", sagt Clement: "Wir passen in keine der Welten, und dass wir so gut befreundet sind, hat auch damit zu tun, dass wir unter unseren Freunden eine ganz eigene Spezies bilden, eine Rasse, der nur wenige angehören."

Comedy so potent, dass die Zuschauerinnen in der ersten Reihe schwanger wurden: das Erfolgsteam Taika Waititi und Jemaine Clement.

(Foto: Weltkino Verleih)

Clements besondere Faszination für Vampire rührt von einem Kindheitstrauma, als er eines Nachts aufwachte und ins Wohnzimmer ging, wo seine Mutter einen dieser richtig üblen Siebziger Vampirfilme anschaute: "Danach hatte ich den Rest meiner Kindheit Albträume. Wenn man dann aber mal etwas genauer über Vampire nachdenkt, wird die Logik der Mythologie zum Teil recht fragwürdig: Was zum Beispiel passiert mit den Kleidern, wenn sie sich in Fledermäuse verwandeln? Verschwinden die einfach und tauchen dann wundersamerweise wieder auf?"

Auch wenn "5 Zimmer Küche Sarg" heute wie ein Gegenmittel zu den goldbestäubten Vampiren des Mainstream-Kinos anmutet, stammt die ursprüngliche, bereits in einem Kurzfilm durchprobierte Idee aus einer Zeit lange vor dem "Twilight"-Boom: "Als wir anfingen, den Film vorzubereiten, hat uns das sehr geholfen", sagt Clement "weil Vampire so ein heißes Ding waren. Als wir dann fertig waren, rollten die Leute nur noch mit den Augen. Und jetzt freuen sie sich, dass sich mal jemand darüber lustig macht!" Eine Inspiration verdanken sie "Twilight" dann allerdings doch: Durch die Serie kamen die Werwölfe ins Spiel, die im Wellington der Gegenwart zur rivalisierenden Proll-Gang mutiert sind.