Stockholm Swetlana Alexijewitsch erhält den Literaturnobelpreis

Swetlana Alexijewitsch erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis.

(Foto: REUTERS)
  • Swetlana Alexijewitsch wird in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
  • Die weißrussische Autorin befasst sich in ihren Werken mit der sowjetischen Vergangenheit.
  • Alexijewitsch wurde im Vorfeld als Favoritin gehandelt; sie ist die 14. Frau, die den Literaturnobelpreis erhält.
  • Die Auszeichnung könnte eine Provokation für den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko darstellen.

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch. Die 67-Jährige galt bei den Buchmachern bereits als Favoritin.

"Chronistin des Leidens"

Alexijewitsch, die als moralisches Gedächtnis der zerfallenenSowjetunion gilt, lässt in ihren dokumentarischen Werken die einfachen Menschen und Vergessenen zu Wort kommen. In "Chronik der Zukunft" berichtete sie über die Atomkatastrophe von Tschernobyl, in "Zinkjungen" über den sowjetischen Afghanistankrieg. In "Die letzten Zeugen" ließ sie Weißrussen zu Wort kommen, die als Kinder den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten. Sie sei wohl "eine Geisel" ihrer Zeit, sagte sie einmal. "Wer im Irrenhaus lebt, schreibt und redet nur darüber". In ihrem jüngsten Buch "Secondhand-Zeit" legte sie die erschütternden Gefühlswelten der Menschen nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums offen.

Provokation für Präsident Lukaschenko

Vor zwei Jahren wurde die ehemalige Lehrerin als "Chronistin des Leidens" mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede sagte sie: "Wir hatten gedacht, der Kommunismus sei tot, aber diese Krankheit ist chronisch." Damals schon erklärte Alexijewitsch, die Auszeichnung sei eine Provokation für den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gewesen. "Seine Reaktionen sind unberechenbar", sagte die Autorin damals. Ähnlich dürfte es nun mit dem Literaturnobelpreis sein. Alexijewitsch ist in dem autoritär geführten Land vom öffentlichen Leben fast völlig ausgeschlossen und wurde immer wieder Opfer von Zensur.

"Ikone der Widerstandsbewegung"

Michael Krüger, früherer Chef des Hanser-Verlages, in dem auch Alexijewitschs Bücher erscheinen, ist über die Entscheidung hocherfreut. "Sie ist eine sehr kämpferische, tolle Person, das ist eine schöne Überraschung", sagte Krüger. Der Hanser-Verlag habe alle ihre Bücher verlegt. "Sie ist eine tapfere Frau, die eine ganz eigene Form von Dokumentarliteratur geschaffen hat, indem sie die Leute befragt hat nach ihren Lebensumständen." Gleichzeitig hob Krüger ihre Rolle in der Opposition sowohl in Weißrussland, als auch gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin hervor. "Sie wird eine große Ikone der Widerstandsbewegung werden."

Wie wird der Literaturnobelpreis vergeben?

Der Nobelpreis für Literatur gilt als weltweit bedeutendste literarische Auszeichnung. Er ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (etwa 880.000 Euro) dotiert. Die Auszeichnung wird seit 1901 vergeben. Stifter war der schwedische Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). Nach seinem Willen soll den Preis derjenige erhalten, "der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat". Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohl der Menschheit dienen. Alexijewitsch ist erst die 14. Frau, die den Literaturnobelpreis erhält.

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