50. Münchner "Tatort" Die saubere Stadt

Es ist soweit: Der 50. Münchner Tatort steht an. Die Kommissare Leitmayr und Batic ermitteln in der Jubiläumsfolge im Münchner Schwulenviertel.

Von Christopher Keil

Natürlich durfte im 50. Fall von Batic und Leitmayr das postkartenberüchtigte Stadtpanorama mit den Türmen der Frauenkirche nicht fehlen. München ist Münchner Tatort ist Bayerischer Rundfunk, und das Bayerische wird vom Bayerischen Rundfunk in der Sprache, in den Traditionen und Figuren gepflegt - so, wie man das als Landesrundfunkanstalt mit regionalem Programmauftrag macht.

Udo Wachtveitl (Leitmayr) und Miroslav Nemec (Batic) feiern ihr Jubiläum mit "Liebeswirren".

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Das Besondere am Münchner Tatort ist dann, dass das Bayerische nie die Geschichten zerstört, sondern ein sie unterstützender Teil ist, wie ein warmer Grundton, über dem sich die Melodie der Handlung frei entfalten kann.

Zum Jubiläum wird die Schwulenszene der sauberen Stadt ausgeleuchtet. Die Kommissare, seit 1991 im Amt, müssen im Laufe der Ermittlungen in einer Disco tanzen, was sehr komisch anzuschauen ist. Am Ende stehen eher tragische Erkenntnisse über unterdrückte Homo-Erotik und Familie, über Vaterliebe, Zurückweisung und blinde Wut.

Es ist ein klares Stück Leben, das erzählt wird, keines, das eine Überraschung bräuchte, um zu gefallen, oder eine Schlusspointe. Es ist, und das ist die Kunst, einfach sehr gut gespielt.

Das, was sich der Münchner Tatort also zum 50. geleistet hat, ist eine Champions-League-taugliche Besetzung. Udo Wachtveitl (Leitmayr) und Miroslav Nemec (Batic) sind sich in ihren Rollen mittlerweile so vertraut, dass sie eine mühelose, schöne Echtheit herstellen können. Für Liebeswirren wurde außerdem Christoph Waltz engagiert, und Waltz ist ergreifend hilflos als an seinen sexuellen Bedürfnissen leidender Familienvater.

Putzige Tunte

Auch Franz Dinda zählt zu diesem Episoden-Ensemble. Dinda gewann 2007 beim Deutschen Fernsehpreis die Auszeichnung für Nachwuchsschauspieler. Er ist für bestimmte Rollentypen vielleicht der begabteste Darsteller seiner Generation, weshalb er dazu neigt, genau das immer zu zeigen mit der Chance, daran zu scheitern.

In Liebeswirren sieht man ihn als junge, wunderbar naive und sympathische Tunte, ohne, dass er "tuntig" spielen würde. Ihm gelingt da etwas Putziges, Ironisches, mit dem Leitmayr und Batic viel anfangen können.

Erschwert wird die Suche nach dem Mörder eines schwulen Fotografen durch eine Affäre, die Batic mit einer Kollegin von der Sitte hatte. Als der One-Night-Stand den beiden Kommissaren für die Aufklärung im homosexuellen Milieu zugeteilt wird, verliert Batic die Fassung. Außerdem reagiert er plötzlich so rücksichtsvoll und gefühlig auf die tödlichen Liebeswirren, die zu entflechten sind. 17 Jahre Polizeiarbeit hinterlassen Spuren, bei den harten Kerlen - und bei den kleinen Männern.

Tatort - Liebeswirren, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.