50. Filmfestspiele Karlovy Vary Jenseits jeder Midlife-Crisis

Festivalpräsident Jiří Bartoška mit seiner Frau Andrea Bartošková auf dem Roten Teppich des 50. Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary.

(Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)

Die Filmfestspiele von Karlsbad waren schon totgesagt, doch sie überlebten alle Wirren des stürmischen 20. Jahrhunderts. In diesem Jahr feierten sie ein rundes Jubiläum.

Wenn eine Dame mit 69 so daherkommt, als sei sie erst 50, dann heißt es sie sei "jung geblieben" oder habe "sich gut gehalten". Wenn die Dame allerdings eine Filmschau ist, die zum 50. Mal stattfindet, aber bereits 69 Jahre alt ist, dann ist das eher ein Ausdruck von Versehrtheit. Denn die Leerstelle in der Vita von 19 Jahren ist ein unübersehbares Manko.

Tatsächlich hat das Internationale Filmfestival Karlovy Vary (Karlsbad), das mit seiner bis 1946 zurückreichenden Geschichte zu den traditionsreichsten Filmfestspielen der Welt zählt und in diesem Jahr doch erst zum 50. Mal ausgetragen wurde, solche Brüche in seiner Biografie.

Diese zu rekapitulieren machte sich Eva Zaoralová, tschechische Filmkritikerin und langjährige Programmchefin des Karlsbader Festivals, im Jubiläumsjahr zur Aufgabe. In ihrem neuen Buch "Die Geschichte eines Festivals" blickt sie auf all die Höhen und Tiefen in der Historie der Karlsbader Filmfestspiele zurück und gewährt damit seltene Einblicke in eine Veranstaltung, die hierzulande trotz ihrer geographischen Nähe (35 Kilometer von der deutschen Grenze) wenig Beachtung findet.

Doch wie Zaoralová belegt, ist dieses Festival ein kulturelles Großereignis, an dem mit seiner Lage an der Bruchlinie der ehemals sozialistischen Welt und dem Westen stets starke Kräfte zerrten.

Die gravierendste Zäsur währte länger als drei Jahrzehnte: Zwischen 1958 und 1994 fand das Karlsbader Festival nur alle zwei Jahre statt - auf Wunsch der Hegemonialmacht Sowjetunion, unter deren Einfluss das wichtigste Filmfestival hinter dem Eisernen Vorhang ein knappes halbes Jahrhundert stand.

Pressionen aus Moskau

Moskau wollte im Kalten Krieg an dem Status eines A-Festivals partizipieren, den der Internationale Produzentenverband FIAPF den Karlsbader Filmfestspielen 1957 verliehen hatte. Der böhmische Kurort musste folglich von 1959 an jedes zweite Jahr seinen Platz zu Gunsten eines Filmfestivals in Moskau räumen, das zuvor nur einmal ausgerichtet worden war (1935) und das sich den A-Status von 1972 bis 1994 mit Karlsbad teilte.

Das bedeutete für das Karlsbader Festival eine Schwächung, und zwar ausgerechnet in dem Moment als eine reelle Chance für eine Aufwertung bestand. Denn den böhmischen Festivalorganisatoren war es durch die Anerkennung der FIAPF-Regeln gerade erst gelungen, aus einer sozialistischen Propagandaveranstaltung eine Filmschau zu formen, in der die filmische Qualität zählte und nicht die Ideologie.

Prekäre Wendezeit

1956, als Karlsbad die FIAPF von seinem internationalen Anspruch überzeugen wollte, kamen 33 Filme aus dem Westen und nur zehn aus sozialistischen Ländern. Doch durch den zweijährigen Turnus ging das Interesse im Westen schnell zurück: Hatten 1960 noch Filmemacher aus knapp 50 Ländern ihre Werke eingereicht, so bewarben sich 1968 nur noch Filmemacher aus 18 Ländern.

Und doch spricht es auch für Vitalität, wenn es eine Veranstaltung schafft trotz solcher Rückschläge ihren 50. Jahrgang zu feiern. Denn prekär war die Lage für das Karlsbader Festival ja auch in der wilden Zeit des Umbruchs, als Tschechien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von dem häufig ungezügelten Raubtierkapitalismus befallen wurde, der in dieser Zeit in den post-sozialistischen Ländern herrschte.