„Die potemkinsche Mediengruppe“ vom 29./30. November, „Ein komischer Dichter“ vom 26. November:
Treuhändische Irreführung
Dass ein Kulturstaatsminister und gleichzeitig Medienunternehmer in Interessenkonflikte kommen und nicht mehr neutral agieren kann, leuchtet spätestens nach diesem Artikel ein. Um diese Vorwürfe auszuräumen, erklärt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, er werde seine Anteile an seiner Medien-Gesellschaft „einem Treuhänder übergeben“. Das ist eine Irreführung der Öffentlichkeit. Denn bei einem Treuhandverhältnis tritt zwar der Treuhänder nach außen als Inhaber der Gesellschaftsanteile auf. Im Innenverhältnis bleibt aber der Treugeber, also Weimer, der wirtschaftliche Inhaber der Gesellschaftsanteile mit allen Weisungsbefugnissen. Es ändert sich also durch ein Treuhandverhältnis tatsächlich rein gar nichts – auch nicht an der Gewinnbeteiligung.
Prof. Dr. Peter Gantzer, Haar
Rücktrittsfällige Attrappe
Mir scheint, nicht nur die „Mediengruppe“ des Herrn Weimer sieht schwer nach Attrappe aus. Auch Herr Weimer macht den Eindruck, als sei nicht allzu viel hinter der Fassade des weltgewandten Kulturkenners … Seine Einkünfte bezieht er offensichtlich vornehmlich aus öffentlichen Mitteln, die ihm politische Freunde großzügig zukommen lassen, und den Chancen, die er bei gut betuchten selbsternannten „Eliten“ damit in Aussicht stellt, mit Politikern persönlich in Kontakt zu kommen. Diese Leute sind der Sargnagel für unsere Republik. Weimer sollte unverzüglich zurücktreten.
Björn Luley, Frankfurt
Postpubertäres Vergessen
Meine Hoffnung, Moritz Hürtgens Beitrag über die frühe „Lyrik“ von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei vielleicht nur (misslungene) Satire, ist wohl eitel. Doch selbst wenn es Satire ist, ist dieser Text kein Glanzstück im Schaffen der SZ. Was jemand in so jungen Jahren geschrieben hat, sollte natürlich nicht zum Beurteilungskriterium dieses Menschen werden, wenn er sich in späteren Jahren erkennbar in Denken und Handeln aus dieser frühen Produktionsphase befreit hat. Man soll und kann es übergehen, statt es wie Hürtgen in eine breite Öffentlichkeit zu zerren. Musste eine Zeitung mit Weltgeltung wie die SZ wirklich Weimers unappetitliche Fantasien Wort für Wort verbreiten?
Peter Maicher, Zorneding
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