LeserbriefeRiesige Fusionsfirma mit geschwächter Spitze

Lesezeit: 2 Min.

SZ-Leser blicken mit banger Skepsis auf die Fusion der beiden großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften in München.
SZ-Leser blicken mit banger Skepsis auf die Fusion der beiden großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften in München. Stephan Rumpf

SZ-Leser blicken mit banger Skepsis auf die Fusion der beiden großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften in München.

"Warum der Gewofag-Chef nach nur einem Monat kündigt" vom 2. November:

Eine arg enttäuschende Bilanz

Vor allem mit dem besonderen Vorbild des kommunalen Wohnungs(bau)unternehmen "Wiener Wohnen" bin ich schon lange sehr der Ansicht, dass wir es uns in München nicht mehr leisten können, die vormals gemeinnützigen Wohnungsbau-Firmen Gewofag (zusammen mit dem übernommenen Bestand der Heimag) und GWG als kommunale Konkurrenz-Betriebe nebeneinander zu betreiben. Aber nach einer mühsam langen Diskussions- und Entscheidungszeit im Münchner Stadtrat wurde nun für die Fusion der (un-)gleichen Schwestern Gewofag und GWG ein personalpolitischer Weg zur neuen, vereinten Unternehmensführung gewählt, der ganz offensichtlich schräg daneben liegt.

Da wird ein Manager aus der privatwirtschaftlichen Immobilien-Spekulationsecke im Ruhestandsalter als Vorstand der neuen Unternehmensführung berufen und ein langjähriger SPD-Stadtrat wechselt - möglicherweise allein nur durch eine maßgeschneiderte Stellenausschreibung - die Verantwortungsseite von der politischen Kontrolle hinüber zum Management, währenddessen die Beteiligung der Betriebsräte beider kommunaler Unternehmen am Fusionsprozess scheinbar als lästige Nebensache hinterhergezogen wird.

Was für die Münchner Stadtpolitik und Stadtverwaltung auch ein Thema sein sollte: Wie geht es eigentlich dem Co-Vorstandsmitglied Dr. Doris Zoller bei dieser ganzen Chaos-Geschichte? Vielleicht ist ihre Opferbereitschaft fürs Unternehmen auch bald erschöpft, und dann bliebe nur noch Christian Müller übrig?

Dabei erfordern die Zukunftsaufgaben für die weitere Münchner Stadtentwicklung mit dem sinnvollen Schwerpunkt der kommunalpolitischen Vorrang-Regie beim Wohnungsbau wirklich engagierte Führungspersönlichkeiten mit hoher fachlicher Befähigung und sozialer Kompetenz. Daher hoffe ich auf zukünftig bessere Nachrichten, als es in dieser Nachschau der Fall ist.

Herbert Gerhard Schön, München

Begründete Flucht?

Das sogenannte Gemeinwohl ist auch im Wohnungsbau ein gern und oft für finanzielle Eigeninteressen (zum Beispiel von Bauherren) willkürlich zurechtgebogenes soziales Aushängeschild. Dahinter verbirgt sich nicht selten Menschenverachtung. Zum Beispiel wissentlich an Vorschriften und am Bedarf vorbeigebaute wohnlebenslange Benachteiligung und Ungleichbehandlung von bestimmten Mietergruppen. Insbesondere von Minderheiten ohne rechtlichen Schutz.

Wer wie Andreas Lehner bisher in der Leitungsebene renditeorientierter Unternehmen gearbeitet hat, und unter anderem bei der Deutsche Wohnen AG gezeigt hat, was er kann, der wird nach dem rosigen Ersteindruck von GWG und Gewofag seinen Scharfblick sicher auch in die dunklen Ecken der beiden gleichberechtigten städtischen Wohngesellschaften gelenkt haben. Besonders solche mit Explosionsgefahr, wie die ungleichen Mitarbeitergehälter.

Vermutlich blieb einem Fachmann und Kenner der Wohn(bau)gesellschafts-Szene, jemandem mit Insiderkenntnissen wie Herrn Lehner, da nur die Flucht.

Annette Gümbel-Rohrbach, München

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung , gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und dem Wohnort. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de . Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: