Welthandel Engherziger Horizont

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Ein Leser erkennt zurzeit vor allem auf zwei Feldern reflexartige Stammtischpolitik: beim Zollstreit und beim Flüchtlingsstreit. Er hält das für kurzsichtig. Ein anderer warnt vor einem Rollback wie in den Zeiten des Kalten Krieges.

"Konzerne sind keine Patrioten" vom 27. Juni:

Wir erleben zur Zeit vor allem auf zwei Feldern reflexartige Stammtischpolitik: Beim Zollstreit im wirtschaftlichen Bereich und beim Flüchtlingsstreit im sozialen Bereich. Von Politikern, die stellvertretend für "das Volk" die Macht ausüben, muss man mehr erwarten, als nur "dem Volk aufs Maul zu schauen", das heißt den Reflexen der oft nicht ausreichend Informierten zu folgen. Denen sind die oft weitreichenden Konsequenzen ihrer Reflexe selten klar, wie in der Wirtschaftspolitik der USA so in der Flüchtlingspolitik der Europäer. Der Stammtisch lebt von Übertreibungen und Verallgemeinerungen, nicht von der (oft langwierigen) Analyse. Patriotismus ist ein Euphemismus für Nationalismus; er ist nur scheinbar hilfreich. Auf dem Gebiet der Wirtschaft, des Sports, der Kultur hat dieser engherzige Horizont schon lange ausgedient. Politiker müssen den universellen Fortschritt für die Mehrheit herbeiführen, für diese müssen sie vertrauenswürdig sein, das heißt auch verantwortlich und moralisch zu handeln. Sie müssen Konsequenzen erkennen und erklären, dann erst handeln. Es geht nicht um Profit für wenige, sondern um Fortschritt für die Majorität, nicht um engstirnige Heimatliebe, sondern um weitsichtigen Humanismus (Menschenliebe). Weder Trump noch die Mächtigen der CSU haben das begriffen.

Dr. Dietrich W. Schmidt, Stuttgart

Neuauflage des Rollback

"Duell der Giganten" vom 7./8. Juli: Das Duell der Giganten USA/China war absehbar, und es geht in der Tat um die Vormachtstellung in einer künftigen Weltordnung. Es darf nicht vergessen werden, dass die USA seit Jahren "Krieg führen" gegen Russland und Europa. Beide sollen in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gebremst und vor allem voneinander ferngehalten werden. Man könnte geradezu von einem Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges sprechen, mit einer Neuauflage des Rollback und militärischer Aufrüstung, flankiert von Maßnahmen wie Diskreditierung, Primär- und Sekundärsanktionen, Zöllen und dem Versuch, die EU zu spalten. Aber es ist ebenso absehbar, dass der Versuch der USA, sich wieder zur beherrschenden Weltmacht, wirtschaftlich wie politisch, aufzuschwingen, kläglich scheitern wird.

Hans Rudi Nasshan, Dahn