Weiterer Brief:Mehr Wettbewerbe

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Wenn sich viele Architekten Gedanken über ein Projekt wie die Hochhäuser an der Paketposthalle in München machen, gibt es bessere Lösungen, so ein Leser.

Mehr Wettbewerbe

Zu "Eine Frage der Moral" vom 31. Dezember:

Auch wenn ich den Artikel von Gerhard Matzig als wirkliche Bereicherung im Diskurs zu den Hochhäusern an der Paketposthalle wahrnehme, bleiben mir einige wesentliche Aspekte unbeleuchtet.

Der in dem Verfahren zu den Hochhäusern bis dato vergessene Planungswettbewerb wird nach meinem Dafürhalten aus zwei Gründen so schmerzlich vermisst: einerseits weil ein Wettbewerb zu einer differenzierten Auseinandersetzung einer großen Anzahl von Personen in der Stadt mit der Aufgabenstellung führt (ein Umstand, der oft kritisch als Zeitfresser interpretiert wird, der aber eben eine qualifizierte Stadtentwicklung wunderbar fördert). Und andererseits, weil ein Wettbewerbsergebnis und die darüber richtende Jury Alternativen aufzeigt. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass es bei guter regionaler und internationaler Auswahl der Teilnehmer einfach bessere und zukunftsweisendere Lösungen geben wird.

Der zweite Aspekt ist der, dass das Planen, ohne einen Planungswettbewerb, aber mit einem internationalen Stararchitekten bewaffnet, in München Schule zu machen scheint. Bei der Großmarkthalle traut sich der Investor sogar öffentlich zu fordern, dass an der Stadtplanung vorbei und natürlich ohne Planungswettbewerb die Planung direkt mit den Bürgermeistern verhandelt werden sollte. Solchen Projekten fehlt aber nicht nur ein transparentes Verfahren zur Auswahl des besten Entwurfs, sondern auch dessen Legitimierung durch eine Jury aus Fachleuten, Politikern und Bürgervertretern. Früher oder später wird genau dieses fehlende Mandat zu einer schweren Hypothek für jedes Projekt, unter anderem die Paketposthalle.

Es ist Herrn Matzig sicher nicht entgangen, dass das Planungsbüro Herzog und de Meuron genau in dem Land (und mit den wunderbaren Wettbewerbsstrukturen) groß geworden ist, das auch die Kuckucksuhren hervorbrachte - aber eben auch sehr gute Architekturentwürfe. Die besten Entwürfe dieses Büros und vieler anderer Büros aus der Schweiz stehen genau dort - in der Schweiz.

Manchmal sind diese Entwürfe leiser, sensibler und weniger spektakulär als das, was sonst wo hingeklotzt werden kann. Dafür sind die Ansätze nachhaltiger und im Kontext passender. So etwas wünsche ich mir auch wieder bei städtebaulich relevanten Projekten in München, denn eigentlich haben wir hier eine wunderbare Tradition an Wettbewerben und Umsetzungen derselben. Wir sollten diese Wurzeln, trotz der Zeitnot, die uns manchmal ereilt, nicht vergessen.

Rainer Hofmann, München

Kreisvorsitzender BDA München/OBB

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