Weitere Zuschriften:Idylle sieht anders aus

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Eine Leserin nimmt einen Garten nach ökologischen Kriterien unter die Lupe. Eine andere beschreibt detailliert Umorganisationen und Sparprogamme der Stadt.

Aktionismus ohne Wertschätzung

Ich war dreißig Jahre Mitarbeiterin der Stadtverwaltung München und bin seit fünf Jahren in Rente ("Die Stadt spart beim Personal" vom 1. September). Seit meinem Beginn, 1985, habe ich mehrere Umorganisationsprozesse in der Stadtverwaltung mit oder durch Unternehmensberatungen erlebt. Alle hatten das Ziel, Strukturen zu vereinfachen, Abläufe effizienter zu machen sowie Kosten und auch Personal zu sparen. Viele gingen einher mit einer Anlehnung an die "Freie Wirtschaft". Über viele Ergebnisse spricht kein Stadtrat und kein Personalreferent mehr.

Vor einigen Jahren wurde vom damaligen Personalreferenten Dr. Böhle die Untersuchung zu "Great Place to Work" (GPTW) initiiert. GPTW ist ein Institut aus der privaten Wirtschaft. In dieser Untersuchung geht es um "Mitarbeiterzufriedenheit". Bei den Beschäftigten der Stadtverwaltung war laut Untersuchung noch "Luft nach oben". Hier hätte die Stadtverwaltung bereits die Chance gehabt, zur "attraktivsten Arbeitgeberin im kommunalen Sektor" zu werden. Die Ergebnisse sind meines Wissens genauso in der Versenkung verschwunden wie viele andere. Ein Ergebnis war, dass sich Beschäftigte nicht genügend "wertgeschätzt" fühlen.

Nun lese ich, dass die Stadtverwaltung veraltete Strukturen hat, die Kundenzufriedenheit zu wünschen übrig lässt - und das mit zu viel Personal. Als Mitarbeiterin schließe ich daraus, dass ich bisher nicht gut, weil nicht "effizient und "agil" gearbeitet habe, und mir nur mit "schmerzhaften Prozessen" beizukommen ist.

Muss eine Stadtverwaltung, bei der es um Daseinsvorsorge und -fürsorge, um gesellschaftliche Verantwortung und sozialen Frieden geht, mit der privaten Wirtschaft, die erfahrungsgemäß nicht immer kundenfreundlich und schon gar nicht mitarbeiterfreundlich ist, vergleichbar sein?

Maria Reuther, München

Ein ökologisch totes "Idyll"

Das Anwesen ist ja vorbildlich hergerichtet worden, der Garten jedoch hat mit einem traditionellen Bauerngarten nichts zu tun und passt zu dem schönen alten Haus wie die Faust aufs Auge (Serie "Wer wohnt denn da?", Folge "Moderne im Postkartenidyll" vom 6. September über Ayings ältestes Haus). Er könnte vielmehr aus dem Horrorkabinett stammen, das Dieter Wieland vor fast 40 Jahren in seinem leider immer noch aktuellen Film "Grün kaputt" vorgeführt hat.

Da ist eine riesige Fläche entweder gepflastert oder mit Rasen bedeckt, der, makellos eintönig grün und garantiert ohne ein einziges Gänseblümchen, ebenso gut aus Plastik sein könnte. Die wenigen Sträucher sind natürlich immergrün und auf Form getrimmt. Die kahle Fläche vor dem Haus mit wenigen Einsprengseln in Form von Ziergräsern ist vermutlich als Beet gemeint. Jedes Hälmchen muss strammstehen, und Pflanzen, die "Dreck" machen, haben hier Hausverbot.

Das ist ein Paradebeispiel für einen ökologisch toten, aus- und aufgeräumten Garten, wo kein Insekt und kein Vogel Nahrung findet. Unter einem Postkartenidyll stelle ich mir etwas anderes vor.

"Lassen Sie das Leben wachsen!", war die Forderung von Dieter Wieland.

Susanne Tillich, München

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