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Weitere Leserbriefe:Tierschutz, Ersatzteile

Einer Leserin geht die Debatte über bessere Tierhaltung in Deutschland viel zu langsam, sie fordert Aufklärung über die Zustände schon im Ethikunterricht an Schulen. Eine andere Leserin kritisiert Preiserhöhungen für Autoteile.

Tierschutz im Ethikunterricht

Zu "Zum Erfolg verpflichtet" vom 19. Oktober:

Ja, es hängt unser aller Wohl ab vom Umgang mit den Ressourcen an Boden und Tieren. Und jedes Jahr, in dem nichts geändert wird, geht das Martyrium von Millionen von Nutztieren weiter. Es sind dann eben noch mal fünf Jahre lang jährlich 750 Millionen Schlachttiere in Deutschland, für die sich nichts ändert, davon 60 Millionen Schweine. 238 Millionen Schlachttiere, die in nichteuropäische Länder unter teils katastrophalen Verhältnissen verschifft werden. Eine Schande für unser Landwirtschaftsministerium. Wem dient es eigentlich? Doch nicht unseren Interessen und unserem Wohlergehen und unseren Gesetzen (Tierschutz). Das funktioniert wohl nur ohne Protest, weil wir es einfach verdrängen und nicht hinschauen. Aufklärung darüber gehört in jede unserer Schulformen, in den Ethik-Unterricht beziehungsweise zum Thema Ernährung. Jeder junge Mensch sollte, wenn er die Schule verlässt, wissen, was er isst und welche Konsequenzen es hat. Mieke Martini, Hebertshausen

Überteuerte Ersatzteile

Zu "Wär's nur die Rückleuchte" vom 29. September: Die kritische Darstellung der Preiserhöhungspraktiken der Fahrzeughersteller zeigt mit der Angabe prozentualer Steigerungsraten nur einen Ausschnitt dieser freudlosen Verkaufsmethoden. Richtig schön wird es erst bei Betrachtung der hinter den Preiserhöhungsorgien stehenden konkreten Teile. Beispiel gefällig? Scheinwerfer für einen Audi Q3: Listenpreis beim Vertragshändler zirka 800 Euro. Neupreis des Fahrzeuges bei aktueller Rabattsituation ca. 36 000 Euro; das heißt, das gesamte Auto ist preisidentisch mit 45 Scheinwerfern! Karin Türk, Troisdorf

Zu viel des Guten verlangt

Zu "Israel, Trauma und Traumziel" vom 29. September: Im Feuilleton berichteten Ende September verschiedene Korrespondenten von der Sicht anderer Länder auf Deutschland. Alexandra Föderl-Schmid meint über Israel: "Es gibt Israelis, die wegen dieser Vergangenheit nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden gesetzt haben. Jüngere Israelis haben dagegen ein viel unverkrampfteres Verhältnis zu Deutschland." Hier von "unverkrampft" zu sprechen, ist schon arg salopp. War und ist das Verhältnis anderer israelischer Generationen zu Deutschland "verkrampft"? Der Ausdruck ist schief. Immerhin haben diese Menschen oder ihre Eltern und Großeltern ein Unrecht erlitten, das völlig inhuman war, nie gutgemacht wurde und nicht gutzumachen ist: Entrechtung, Raub des eigenen Besitzes, Verhaftung, Folter, Demütigung, Zwangsarbeit, Mord. Ich schreibe diese nur zu bekannte Liste auf, weil es jedes Mal neu fassungslos macht. Dass viele Betroffene und ihre Nachfahren keinen Fuß mehr auf deutschen Boden setzen wollten und wollen, ist nicht verkrampft, sondern nur zu verständlich. Da gähnt ein Abgrund, über den kein Gras wächst. Und auch das demokratische Deutschland muss diesen Abgrund akzeptieren. Dr. Sebastian Degkwitz, München

© SZ vom 26.10.2020
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