bedeckt München 18°

Weitere Leserbriefe:Pappe und Immobilien

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen. Bei Veröffentlichung werden Vor- und Nachname sowie Wohnort benannt.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei SZ.de zu veröffentlichen.

Kontakt: forum@sz.de

Das Reden vor leeren Rängen sollte auch nach der Pandemie beibehalten werden, findet eine Leserin. Ein Schreiber warnt vor Risiken eines Immobilienkaufs. Auch Mieten habe Vorzüge.

Pappkameraden für Politiker

Zu "Unsere Pappenheimer" vom 22. Februar: Die Pappen müssen bleiben! Ich bin so froh darüber, dass besonders populistische Politiker, die nach jedem "Manwirddochmalsagendürfen" tosenden Applaus einheimsten, jetzt ohne diese Bestätigungskulisse reden müssen: nackt und klar! Und ich freue mich für die Macher der ZDF-"Anstalt", nicht dieses Endloskichern ertragen zu müssen, während sie ernste Nummern bringen.

Aber natürlich darf bei den meisten anderen Veranstaltungen das Publikum nicht fehlen: Bei den lauten, lustigen Leuten, die sollen nicht in leere Säle witzeln, auch bei Musikern braucht's Hörer im Raum - na, und ins Theater sollen die Menschen natürlich umgehend strömen. Aber die Binsen-Plapperer sollen sich mal schön weiter den stummen Pappen stellen.

Angelika Boese, München

Kauf nicht immer besser als Miete

Zu "Kaufen statt mieten" vom 20./21. Februar: Woher kommt nur die Vergötzung des privaten Wohneigentums in Deutschland? Die gesellschaftliche Entwicklung, auch in Zeiten des vermehrten Home-Office, verlangt mehr Mobilität der Erwerbstätigen, Immobilienbesitz bedeutet genau das Gegenteil. Wohneigentümer sind per se keine glücklicheren Menschen als Mieter. Es ist auffällig, dass die "Mieterländer" Deutschland, Schweiz und Österreich zu den wohlhabendsten Ländern in Europa gehören, während die Staaten mit hoher Wohneigentumsquote wie Rumänien, die Slowakei, Ungarn oder Bulgarien zu den ärmsten zählen. Offenbar steht die Eigentumsquote nicht in Korrelation zum Wohlstand eines Landes. Die enorm gestiegenen Grundstückspreise zusammen mit den hohen Baukosten machen Eigentumswohnungen oder gar Einfamilienhäuser so teuer, dass auch Mittelschichthaushalte sich das nicht leisten können.

Der Kaufpreis wird auch nicht von den niedrigen Finanzierungskosten kompensiert. Viele Haushalte können nicht mal das nötige Eigenkapital von 20 Prozent aufbringen. Wenn es 40 Jahre dauert, bis ein Objekt abbezahlt ist, spricht wenig für den Eigentumserwerb. Bei den heute vielfach gebrochenen Erwerbsbiografien ist eine so lange Finanzierungsdauer mit hohem Risiko verbunden.

Stefan Kaisers, Gießen

Gefahren der Armut

Zu "Am Boden" vom 20./21. Februar: Das Buch Zwei zur Lage von zwei Obdachlosen in Berlin war sehr entlarvend, bewegend, erschütternd. Wie kann es sein, dass in einem angeblich reichen Land junge Menschen auf der Straße landen? Wohnungspolitik, Steuerpolitik, Bildungspolitik sind fehlgesteuert. Viele Politiker, wie manche in der Wirtschaft und im Journalismus, kümmern sich zu sehr um die Sorgen der Reichen. Eine Konsequenz aus zunehmender Armut wird der Abbau der Demokratie sein und der Aufschwung der Rechtsradikalen. Warum sind diese Leute auf der Straße gelandet: Keine Arbeit, und wenn doch, ein zu geringer Lohn. Dass Hartz IV nicht zum Leben reicht, das ist doch jedem klar.

Monika Utermann, Weimar

© SZ vom 25.02.2021
Zur SZ-Startseite