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Weitere Leserbriefe:Ein Jahr Corona

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Es braucht keine neuen Regeln, wir müssen die bestehenden nur beherzigen. Es liegt alleine an uns, wie es mit dem Virus weitergeht, appelliert eine Leserin. Ein Schreiber nimmt Bezug auf einen Artikel zu den potenziell von der Pandemie gefährdeteren Männern.

Es liegt an uns!

Kennen wir Corona, jetzt nach einem Jahr?

Ich glaube nicht, denn beim ersten Sonnenstrahl ist es wie im Paradies: Eva kann dem Apfel nicht widerstehen. So lassen sich zu viele von uns hinreißen, die AHA-Regel zu vergessen und den Corona-Apfel zu genießen: Maske runter, kein Abstand, zu viele Menschen. Egal welcher politischen Couleur man angehört, egal wie viel Einkommen man hat, das schert das Virus nicht. Für das Virus sind wir eins, aber wir sind nicht eins gegen das Virus. Es scheint uns egal zu sein, all das, was wir gemeinsam bis dato durch Entsagungen erreicht haben, nun, mit Blick am Ende des Tunnels, leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Es ist so einfach: Das, was bereits beschlossen wurde, muss vom Staat konsequent in der Umsetzung kontrolliert werden. Es reicht absolut nicht mehr, bei Regelverstößen nur freundlich darauf hinzuweisen. Die Regeln gibt es seit Monaten. Wer nur ermahnt wird, zuckt nur mit den Schultern. Das ist menschlich, spricht sich rum, aber gesellschaftlich ist es Zündstoff. Corona freut sich, wenn durch die Münchner Innenstadt, wie jüngst, gefühlt rund 40 Prozent der Passanten ohne Maske - insbesondere auch in der Fußgängerzone! - flanieren. Ein Haushalt plus eine weitere Person, war da nicht auch noch etwas? Abstand? Die Polizei ist genervt, wenn sie angesprochen wird - falsches Signal!

Was muss die Politik uns noch vorschreiben, damit wir nicht zum Apfel der Schlange greifen? Nichts! Es liegt nur an uns!

Monika Oberndorfer, München

Frauen, Männer und Covid-19

Zu "Sollen sie doch Hände waschen" vom 13./14. Februar: Nele Pollatschek spricht mit der Frage nach der Priorisierung von Männern bei der Impfung gegen Covid-19 etwas aus, das auch mich beschäftigt. Und sie tut dies mit bemerkenswerter Offenheit und Empathie. Wäre diese Frage früher ausgesprochen worden, wenn die Covid-19-Todeszahlen umgekehrt auf die Geschlechter verteilt wären? Man kann sich in der Tat des Eindrucks nicht erwehren, dass das Kriterium der Schutzbedürftigkeit weniger schnell zur Hand ist, wenn seine Anwendung zu einer Begünstigung der Männer führt oder führen würde.

Dass die besagte Priorisierung nicht empfohlen, geschweige denn durchgeführt wird, hat seinen Grund wohl leider wirklich darin, dass wir, wie die Verfasserin es ausdrückt, "immer noch auf der Titanic stehen". Das zeigt sich, wenn die SZ auf ihrer Titelseite von einem Artillerie-Anschlag des IS auf eine Hochzeitsgesellschaft berichtet, dabei erwähnt, dass unter den Getöteten viele Frauen und Kinder waren, und im Umkehrschluss die männlichen Hochzeitsgäste sozusagen unter "Ferner starben" führt (Sommer 2019). Das zeigt sich, wenn in der Berichterstattung über die Misshandlungen von Gefangengenommenen und damit so und so wehrlosen Demonstranten in Belarus die weiblichen Opfer besondere Erwähnung finden. Wenn wir das Patriarchat überwinden und hinter uns lassen wollen, müssen wir konsequent sein und diesmal allesamt die Titanic verlassen. Gleichzeitig. Keine und keiner zuerst.

Markus Schwarz, München

© SZ vom 24.02.2021
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