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Weitere Leserbriefe:Brot und Spiele 

Ein Leser kritisiert die Privilegien von Profisportlern gegenüber anderen Berufen während der Corona-Krise.

Spieler vom SV Sandhausen, jubeln über das Tor zum 4:0, Jubel, Torjubel, Torerfolg, celebrate the goal, goal, celebrati

Torjubel vor leeren Rängen - hier Spieler des Zweitligavereins SV Sandhausen - gehören zum Alltag in der Pandemie.

(Foto: imago images/foto2press)

Brot und Spiele

Zu "Grenze des Privilegs" vom 20. Januar: Das Privileg, dass fast der gesamte Profisport, vor allem der Fußball und die Formel 1, mit ihren reihenweise hochbezahlten Millionären, bis zum Anschlag und auf Kosten von Testkapazitäten durchgetestet, weiterläuft, als wäre außerhalb der Sportstätten nicht das große Leiden angesagt, ist der Hohn schlechthin. Dass die Medien so weitgehend unkritisch stunden- und seitenlang über diese Events berichten, macht mich fassungslos und wütend.

Es scheint fast, als wolle man der frustrierten Masse nicht auch noch die letzten verbleibenden Ablenkungen nehmen. Zu groß ist die Angst vor dem Frust und dem aufkeimenden Unmut der pandemiegestressten Bevölkerung. Dann lieber Brot und Spiele. Über eine Spaltung der Gesellschaft muss man sich anscheinend keine Gedanken machen, vor allem dann nicht, wenn die große Masse der Bevölkerung diese Doppelmoral doch scheinbar billigend in Kauf nimmt.

Oliver Schulze, Detmold

Verdienste der Opel-Manager

Zu "Glimmen oder glühen" vom 16./17. Januar: Die Berichte zu der Autoindustrie im Allgemeinen und zu VW und Opel im Besonderen sind vor allem durch drei Dinge gekennzeichnet: In erster Linie wird, teilweise verklärt, zurückgeblickt ("deutsche Traditionsmarke Opel"); zweitens wird sich am Dieselskandal festgebissen, und drittens wird die Zukunft der Schlüsselindustrie ganz überwiegend mit einer gehörigen Menge an Pessimismus übergossen.

Zu Opel: Die Zukunft des Unternehmens wird immer wieder als äußerst zweifelhaft herbeigeschrieben, wobei besonders gerne Prof. Dudenhöffer zitiert wird, der den nicht wirklich begründeten Begriff der "bloßen Hülle" für die heutige Opel geprägt hat. So griffig er ja sein mag - noch viel weniger als eine Hülle war Opel, als es von General Motors nach vielen Jahrzehnten in zuletzt freudloser Abhängigkeit verscherbelt wurde; ein kaum noch lebensfähiger Zombie, den sich bis auf Herrn Tavares niemand mehr antun wollte.

Herr Tavares hat nicht weniger geschafft, als Opel in kurzer Zeit wirtschaftlich gesunden zu lassen. Der Lohn: Er wird von der deutschen Wirtschaftspresse in unglücklichem Gleichklang praktisch in die Nähe eines Psychopathen gerückt. Gerne wird auch über das "legendäre Entwicklungszentrum" in Rüsselsheim geschrieben. Positive Legenden entdeckt man beim Rückblick noch in den Sechzigerjahren, einzelne Lichtblicke gab es noch in den 70ern und 80ern; spätestens nach der Jahrtausendwende trug dann "die Legende" maßgeblich zum beispiellosen Niedergang vom Unternehmen und seinen Produkten bei. Dem heutigen Management ist es zu verdanken, dass von dem überalterten und überbesetzten Entwicklungszentrum wenigstens noch größere Teile überleben, und zwar in gesundeter Form.

Was lernen wir aus dieser Geschichte: Die Angst vor Veränderung kann so groß sein, dass man lieber ohne Perspektive dahindarbt (GM), als sich auf etwas Neues einzulassen.

Jürgen Pieper, Frankfurt/Main

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© SZ vom 28.01.2021
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