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Weitere Leserbriefe:Autofreie Stadt, Verwaltung

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Ein Leser preist Zürich als gelungenes Beispiel für moderne Verkehrsplanung mit weniger Autos. Ein anderer wirbt für eine schnelle Reform der Verwaltung in Deutschland. Sie erweise sich in der Pandemie als ineffizient.

Vorbild Zürich in Sachen Verkehr

Zu "Die Stadt ist um das Auto herumgebaut" vom 25. Februar: Das Ziel, eine Großstadt wie Berlin autofrei zu halten, ist überaus ambitioniert und überhaupt nicht trivial. In der Zielsetzung einer Mobilitätsverlagerung in einer Stadt lohnt ein Blick nach Zürich, wo man anhand klarer Zielsetzung, Konzeption und Umsetzung erfolgreich eine Mobilitätswende hin zum öffentlichen Verkehr beziehungsweise einer umweltverträglichen Individual-Mobilität vollzogen und geschafft hat.

Nun ist Zürich nicht etwa autofrei. aber allein zum Thema einer Mobilitätsveränderung im urbanen Raum, deren Möglichkeiten und Hindernissen, lohnt ein Blick dahin. Es ist dort nicht allein mit Verboten und Einschränkungen des motorisierten Verkehrs sowie dem Ausbau eines öffentlichen Verkehrs agiert worden, sondern man hat sich dezidiert die Ursachen der Verkehrsströme und das zu Grunde liegende Mobilitätsbedürfnis angeschaut, und dieses Punkt für Punkt abgearbeitet. Es gab einen Ausbau und eine Taktverdichtung des S-Bahn-Netzes in der gesamten städtischen Agglomeration, auch dem Speckgürtel um die Stadt. Zudem wurde der Neu- und Ausbau zusätzlicher oder bestehender Zufahrtstrassen zur Stadt hin eingestellt. So ist neben dem Rad das zu Fuß gehen in Zürich heute die priorisierte und gängige Art der Mobilität in der Stadt.

Ernst Sulser, Bietigheim-Bissingen

Verwaltung jetzt reformieren

Zu "Land ohne Mut" vom 30. Januar: "Was lernt man aus dem? Drängend ist mittelfristig vor allem die Modernisierung der Verwaltung..." Diesem Resumé von Marc Beise kann ich nur zustimmen - allerdings: Wieso erst mittelfristig? Die Pandemie hat auf drastische, auch schmerzliche Weise offengelegt, dass es weder in der Politik (EU,Bund,Land,Kommunen) noch in der öffentlichen Verwaltung (Ministerien,Ämter) ein professionell arbeitendes Management gibt, und da gibt es Zusammenhänge: Wenn die amtierenden Politikerinnen und Politiker nicht professionell unterstützt, beraten, gemanaged werden, passiert entweder nichts, oder in Krisenzeiten passieren zu viele Fehler, was sich zum Desaster summiert, wie derzeit die Impferei.

Die Unfähigkeit der Verwaltung, sich effizienter zu organisieren, gehört praktisch seit Jahrzehnten zu ihrer Identität; die Strukturen sind festgezurrt, Initiativen für deren Veränderung nicht erwünscht, eher störend, die Besoldungsstruktur ungeeignet, zu wenig attraktiv für Hochqualifizierte, die Personalräte die Oberbedenkenträger und Verhinderer bei der Digitalisierung, und dies schon, seit die Schreibmaschiene vom Textbearbeitungssystem abgelöst wurde.

Man kann es so zusammenfassen: Dass effizientes Management dringend benötigt wird anstatt Verwaltung nach gänzlich unübersichtlichen Regeln, das wäre eine schwierige und mutige Einsicht. Krisen, in denen Menschen leiden und sterben, sind schwer zu ertragen; vielleicht hilft das Ausmaß des Leids, um aufzuwachen und Veränderungen voranzutreiben, die schon seit Jahrzehnten überfällig sind - sofort, nicht mittelfristig.

Hartmut Krauß, Bielefeld

© SZ vom 04.03.2021
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