Süddeutsche Zeitung

Weitere Briefe:Vorbei am Bedarf der Studierenden

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Erstsemester haben's am schwersten bei der Suche nach einer Bude - gerade ihnen hilft das Studentenwerk nicht. Weitere Themen: Teure Altenheime und die nötige Aufwertung der Pflegeausbildung.

Vorbei am Bedarf von Studenten

Mit ritueller Regelmäßigkeit wird zu Semesterbeginn über die vor allem für Studienanfänger prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt berichtet ("15 000 Studierende warten auf Wohnheimplatz", 13. Oktober). Dabei kommen ebenso regelmäßig die Studentenwerke zu Wort, die sich als Anwälte der Studierenden darstellen und ja alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Not zu lindern.

Dagegen scheint es mir doch angezeigt, auf den gewichtigen Anteil an der Wohnungsmisere namentlich der Erstsemester hinzuweisen, den die Studentenwerke mit ihrer Vergabepraxis tragen: Grundsätzlich kommt, wer sein Studium aufnimmt, nicht in den Genuss eines Wohnheimplatzes.

Die, die es am nötigsten hätten, sollen sich erst einmal bewerben, auf die Warteliste setzen lassen und hoffen, dass sie in ein bis vier Semestern einziehen können. Die, die jede Unterstützung brauchten, werden also von den Studentenwerken eiskalt dem freien Wohnungsmarkt überlassen (oder notfallmäßig in einen Wohncontainer gesteckt). Meines Erachtens ein völlig absurdes Konzept der Wohnraumversorgung!

Tatsächlich müssten selbstverständlich die, die absolut Bedarf haben - die Studienanfänger, bei der Vermittlung freier Wohnheimplätze als erste zum Zug kommen. Haben diese dann in der Stadt und im Studium Fuß gefasst, sollte es ihnen auch deutlich leichter fallen, sich nach drei Jahren, wenn sie das Studentenwerk wieder verlassen müssen, eine neue Wohngelegenheit aufzutun und den nachrückenden Erstsemestern Platz zu machen. So sähe ein zielführendes Konzept aus.

Anders bleiben die Studentenwerke Teil des Problems, und nicht der Lösung.

Oliver Meyer, München

Heimkosten sind zu hoch

Das große Problem sind die hohen Heimkosten ("Die Armut in den Heimen" vom 12. Oktober), die ein Normalsterblicher auch mit finanziellen Rücklagen auf längere Zeit nicht stemmen kann.

So kostet der Heimplatz bei der städtischen Münchenstift monatlich je nach Pflegegrad in etwa 3340 bis 5400 Euro. Besonders gravierend ist, dass in diesen Beträgen 680 Euro enthalten sind für Investitionskosten, das heißt im Extremfall die Kosten für Abriss und Neubau des Heims, wie es bei dem Heim an der Manzostraße in Untermenzing geplant ist.

Hier muss eine andere, staatlich subventionierte Finanzierung erfolgen, damit die Kosten für den Heimbewohner eher tragbar sind.

Thomas Topp, München

Pflege braucht Eliten

Der Beruf der Gesundheit- und Krankenpfleger (das ist unsere korrekte Berufsbezeichnung) ist in Deutschland nicht attraktiv ("Leistung am Limit", 29. September). Das beginnt bei der Ausbildung. Überall in Europa wird dieser Beruf an Hochschulen gelehrt, nur in Deutschland reicht ein mittlerer Bildungsabschluss beziehungsweise ein Hauptschulabschluss und eine einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer/ zur Krankenpflegehelferin.

In Frankreich zum Beispiel hat eine studierte Pflegekraft eine detaillierte Auflistung an Tätigkeiten, anhand derer genau bestimmt werden kann, welche Tätigkeiten eigenverantwortlich oder auf ärztliche Anweisung hin eigenständig durchgeführt werden. In der Praxis und in der Krankenhauspflege ist die Pflegefachkraft vor allem für die medizinische Pflege zuständig und übernimmt deutlich seltener körpernahe Pflegetätigkeiten als zum Beispiel Krankenpfleger/-innen in Deutschland, da diese Aufgabenbereiche in der Regel an die sogenannten Pflegehilfskräfte delegiert werden.

Dies führt zu einer ganz anderen Wertschätzung und Aufwertung des Berufes in der Bevölkerung und zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Ärzten.

Der Pflegeberuf muss aufgewertet werden, nicht nur in Form von mehr Bezahlung und mehr Personal für "nichtmedizinisches Hilfspersonal", alias Pflegekräfte, in Deutschland. Eine Pflegekammer würde sich für diese Ziele einsetzen, scheitert aber derzeit am politischen Willen der Entscheidungsträger und an Pflegekräften, die die Sinnhaftigkeit der Pflegekammer leider noch nicht erkannt haben.

Christa Tast, Stuttgart

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Quelle:
SZ vom 16.10.2021
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