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Weitere Briefe:Steuer, Whatsapp, Gebet

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Drei Leser, drei Themen: Warum Verbände sich gegen mehr Steuertransparenz stellen. Wieso Whatsapp per Salamitaktik Regeländerungen verkündet. Und weshalb es völlig in Ordnung ist, wenn Markus Söder in der Pandemie betet und dazu steht.

Steuertricks bewahren?

Zu "EU plant Steuerpranger für Konzerne" vom 24. Februar: Steuerpranger ist ein falscher Begriff (aber vielleicht von den Lobbyisten so geprägt): An den Pranger kommen Verurteilte, und auch wenn viele vermuten, dass etliche Firmen zu verurteilen sind, gilt noch die Unschuldsvermutung. Ein Europäisches Steuertransparenz-Panel ist aber überfällig. Die Einwände der Lobbyisten, dass Konkurrenten durch die ersichtliche Profitabilität Anderen Schaden zufügen könnten, sind schwächlich. Allein die Veröffentlichungspflicht von börsennotierten Gesellschaften gibt gute Übersichten zur Profitabilität, neben vielen anderen öffentlich zugängliche Information. Vielleicht haben die Verbände eher Angst, dass ihnen die Steuertrick-Strategien von Konkurrenten einfach abgekupfert werden.

Matthias Bräutigam, Berlin

Salamitaktik von Whatsapp?

Zu "Neue Frist und ein fieses Druckmittel" vom 24. Februar: Ist Whatsapp, deren Mutter eine der erfolgreichsten Maschinen im Umgang mit menschlicher Kommunikation, tatsächlich so tölpelhaft, wie wir dem Artikel über die neuen Nutzungsregeln entnehmen? Oder sogar so clever, dass wir die Cleverness nicht durchschauen?

Whatsapp habe zwar Regeln geändert, dies solle aber nur der Übersichtlichkeit dienen. Weshalb nur ahndet Whatsapp die Ablehnung der Regeln mit dem faktischen Rausschmiss des Nutzers? Die zentrale Befürchtung der Nutzer treffe nicht zu, Whatsapp teile nicht mehr Daten. Ist es nur verwirrend, dass die Firma es auf ein "derzeit" einschränkt? Lassen wir uns da etwa einlullen? Logisch erscheint doch vielmehr, dass Whatsapp eine klassische Salamitaktik fährt, in kleinen Schritten vorgeht, so dass die gesamte Taktik nicht auf einmal offenbar wird, und durch die zeitliche Streckung die Reaktionsimpulse beim Gegenüber schön niedrig bleiben. Zielgerichtet werden zunächst die Regeln geändert, umfassende Datenverwertung vorbereitend erlaubt. Zugleich wird verkündet, man mache davon keinen Gebrauch. Später dann wird in einer Randnotiz ersichtlich doch davon Gebrauch gemacht, man war ja vorgewarnt.

Dr. Ralf Dietrich, Stuttgart

Beten - warum denn nicht?

Zu "Sein Hiob-Moment" vom 16. Februar: Ein Politiker, der wie Herr Söder in der Öffentlichkeit steht und Verantwortung trägt, darf wie jedermann bei Sorgen um eine Entscheidung für ein weiteres Vorgehen kundtun, dass er sich als gläubiger Christ im Gebet an Gott wendet. Dieses Bekenntnis in der Sendung von Anne Will empfinde ich nicht als "peinlich", sondern erkenne ich als ein ernsthaftes, ehrliches Anliegen, die nötige Erkenntnis für weitere Entscheidungen zu bekommen. Einem Menschen der betet, ein "Verlassen des Bereichs rationaler Verantwortlichkeit", "sentimentale Schwäche", "Kontrollverlust" oder möglicherweise "Heuchelei" vorzuwerfen, macht betroffen. Der Eindruck des Autors, dass Politik und Glaube beim Aufeinandertreffen ein Problem ergeben, erschließt sich mir in diesem Artikel nicht.

Gertraud Weiß, München

© SZ vom 02.03.2021
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