Weitere Briefe Polizei und Adenauer

Ein Leser hält es angesichts der Fälle von Polizeigewalt für geboten, dass die sogenannten Bodycams auch auf Verlangen der Bürger eingeschaltet werden. Ein anderer Leser setzt sich zum 50. Todestag mit den Verdiensten von Konrad Adenauer auseinander.

Bürger schützen, nicht Polizisten

"Schau mir in die Linse" vom 12. April: Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Polizei bei uns nicht alles vollständig filmisch dokumentieren sollte, sobald Bürger von Einsätzen betroffen sind, so wie dies auch in England der Fall ist. Nach Artikel 6 des Polizeiaufgabengesetzes haben sich bayerische Polizisten in solchen Fällen auf Verlangen auszuweisen, und schon dies verweigern sie oft mit fadenscheinigen Begründungen.

Wenn nun bei uns betroffene Bürger noch nicht einmal verlangen können, dass eine sie betreffende Situation aufgezeichnet wird, sondern ausschließlich die Beamten entscheiden, wann sie die Speicherung einschalten, und dies dann auch noch eine Minute rückwirkend erfolgt, öffnet dies Tür und Tor für aus dem Zusammenhang gerissene Aufzeichnungen zu Lasten betroffener Bürger. Schon weil die Kameras aus Steuermitteln finanziert werden, sollten sie nicht nur den Polizisten allein als Schutz dienen, sondern auch betroffenen Bürgern vor ungerechtfertigten Behandlungen durch Polizeibeamte, welche ebenfalls häufig vorkommen. Diese Aufnahmen könnten so auch zu Schulungszwecken bezüglich des Umgangs mit Bürgern dienen. Richard Geist, München

Adenauer hatte recht

"Europa - oder der Untergang" vom 18. April zum 50. Todestag von Konrad Adenauer: Heinrich Böll hat sicherlich zu Recht den Nobelpreis für Literatur erhalten, aber einen politisch klug denkenden Menschen kann ich in ihm nicht erkennen. Die Nazi-Vergangenheit vieler Beamter und auch Minister war auch damals schon Gegenstand der Diskussion. Adenauer und seinem Argument, er müsse schnellstmöglich ein wieder sicheres Staatswesen aufbauen, ist nachträglich recht zu geben. Von seiner klugen und verlässlichen Außenpolitik haben wir nicht zuletzt auch - Willy Brandt bleibt unvergessen und sein Verdienst ungeschmälert - 1990 profitiert. Dr. Karl-Heinz Wostbrock, Mannheim

Unfruchtbar durch Arbeit

"Nadelprobe" vom 10. April: In Ihrem ausführlichen und gut recherchierten Bericht über Textilproduktion in verschiedenen Ländern bleibt unbeachtet, dass ein wichtiger Teil der Nachhaltigkeit die Fruchtbarkeit ist. Zu den Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie gehört oft die Kontamination durch reproduktionstoxische Stoffe und Techniken (zum Beispiel Farbstoffe, Schwermetalle, Strahlenbelastung). Hinzu kommen Agrochemikalien, wie zum Beispiel Herbizide und Fungizide, im zu verarbeitenden Material.

Das führt zu Fruchtbarkeitsstörungen am Arbeitsplatz und bei Verbrauchern/innen, besonders stark bei Baumwollprodukten, auch durch Gentechnik. Dr. Jürgen Heinrichs, Hamburg