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Weitere Briefe:Kein Markt für Geld

Ein Leser kritisiert die Nullzins-Politik der EZB. Bei gleichzeitig moderater Inflation sieht er die Sparer schleichend enteignet.

Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, gibt die Richtung der Geldpolitik im Euro-Raum vor.

(Foto: dpa)

Geld hat keinen Markt mehr

Zu "Wie viel Inflation ist gut?" vom 10. Dezember: Die Sorge, dass die EZB ihre Glaubwürdigkeit verlieren würde, wenn sie ihre Geldpolitik umsteuern würde, ist angesichts der Lage des Geldmarktes ein grausamer Witz. Um einer längst verlorenen Glaubwürdigkeit willen muss also ein Fehler fortgeführt werden, bis der Offenbarungseid kommt. Die EZB hat unter Draghi im Gegensatz zur US-Notenbank Federal Reserve, die sich immer einen gewissen Handlungsspielraum erhalten hat, ihre geldpolitischen Instrumente wirkungslos gemacht. Der Geldmarkt ist dank EZB kein Markt mehr. Das klassische Bankgeschäft - Sammeln und Wiederverleihen von Geld - ist unrentabel, der Sparer zum unerwünschten Kunden geworden.

Die Banken können abseits der Gebührenschraube offenbar nur mehr mit spekulativen Geschäften Geld verdienen, was bis zu dubiosen Auswüchsen in Form der Hilfestellung bei den Cum-Ex-Betrügereien und bei der Steuerflucht führte. Dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihrem bewährten Geschäftsmodell da Probleme bekamen, liegt auf der Hand.

Aufgabe der EZB ist die Erhaltung der Geldwertstabilität. Sie hat daraus aus eigener Machtvollkommenheit ein Inflationsziel von "unter, aber nahe zwei Prozent" gemacht. Sie hat den Markt zur Freude der Spekulanten mit spottbilligem Geld geflutet, obwohl die Banken über genügend Geld verfügten, um jedweden Kreditwunsch der Realwirtschaft zu bedienen. Nur fehlte leider die Nachfrage in dem von der EZB erwünschten Umfang, sodass sie Geld "parken" musste. Die Folgen dieser unseligen Geldpolitik: Die Immobilienpreise in großen und mittleren Wirtschaftsstandorten explodierten; Stiftungen, Pensionskassen und sonstige Versorgungseinrichtungen können nurmehr mit erheblichen Schwierigkeiten ihre Aufgaben erfüllen; Sparer werden schleichend enteignet. Pervers wird es, wenn noch für die gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen von Rentenversicherung und Krankenkassen Strafzinsen anfallen und Unternehmen für ihre Anleihen Zinsen bekommen, statt welche zu bezahlen.

Alfons Metzger, Puchheim

© SZ vom 23.01.2020
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