Weitere Briefe:Israel und Bundeswehr

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Ein Leser kritisiert Donald Trump für die jüngste Unterstützung Israels. Zwei ehemalige Offziere nehmen Stellung zu rechten Umtrieben in der Bundeswehr. Ein Vergleich mit dem Freikorps der Weimarer Republik sei völlig unpassend.

Feierliches Gelöbnis der Bundeswehr

Junge Rekruten der Bundeswehr 2018 beim Gelöbnis auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums in Berlin.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Dealmaker Trump einbremsen

Zu "Eine letzte Chance" vom 29. Januar: Trump nennt seinen Plan "Deal des Jahrhunderts". Es ist jedoch kein Friedensplan, sondern eine unverblümte Aufforderung an die Palästinenser, zu kapitulieren. Trump und Netanjahu ignorieren das internationale Recht. Nicht das Völkerrecht soll gelten, sondern das Recht des Stärkeren. Bezeichnend ist, dass die palästinensische Führung in die Entstehung des Plans nicht eingebunden war. Das nimmt ihm jeden Anschein von Objektivität. Vorgesehen ist, dass alle von Israel auf palästinensischem Gebiet errichteten Siedlungen Israel zugeschlagen werden. Auch die für einen künftigen Palästinenserstaat überlebenswichtigen Gebiete im Jordantal sowie Ostjerusalem sollen Israel zugeschrieben werden.

In Palästina entstünde ein territorialer Flickenteppich. Der neue Staat hätte keine Kontrolle über seine Außengrenzen, da sein Staatsgebiet auf allen Seiten lückenlos von Israel kontrolliert würde. Im Innern des künftigen "Staates" gäbe es zahlreiche israelische Enklaven. Die Bürger stünden vor israelischen Kontrollpunkten, wollen sie von einer Stadt zur nächsten reisen. Das ist meines Erachtens Verrat an der Sache der Palästinenser. Nicht weniger schlimm ist ihre politische Demütigung. Sie empfinden den Deal als "Ohrfeige, die mit Ohrfeigen beantwortet werden" wird (Präsident Abbas). Es ist zu befürchten, dass die im Westjordanland und im Gazastreifen aufgeflackerten Proteste ein gefährliches Eigenleben entwickeln. Die EU-Staaten tragen hohe Verantwortung. Die von Angela Merkel beschworene deutsche Staatsräson besteht jetzt darin, den befreundeten Staat Israel vor Fehlern zu bewahren. Es ist an der Zeit, rücksichtlosen "Dealmakern" wie Trump entgegenzutreten und auf die Beachtung des Völkerrechts zu bestehen. Niemand kann Interesse haben, dass sich Gewalt durchsetzt.

Peter Vonnahme, Kaufering

Elitetruppen besonders gefährdet

In seinem Beitrag "Im Geiste der Freikorps" vom 11./12. Januar hat Wolfram Wette zutreffend den "berufstypischen Korpsgeist" in der Bundeswehr dargestellt, der eine Aufklärung des Ausmaßes an Rechtsextremismus in der Bundeswehr erschwere. Er stellt fest: "Es gibt in der Bundeswehr eine Grauzone mangelnder Aufklärungswilligkeit." Aus meiner Erfahrung als früherer Leiter der Fachschule des Heeres für Erziehung grenze ich diese Feststellung Wettes auf die Teilstreitkraft des Heeres und dort vor allem auf die sogenannten "Elitetruppen" Fallschirmjäger, Einzelkämpfer, Fernspäher ein, die immer vom Heer vorangeschickt werden, wenn deutsche Soldaten ihren "Kopf hinhalten" müssen. Einerseits halte ich diese Truppen in der Tat für "kämpferische Elite", andererseits befremdet die Grauzone der Ablehnung der Inneren Führung in großen Teilen dieser "Elitetruppen". Es ist mir in meinen Offiziersjahren nicht gelungen, innerhalb dieser Truppenteile Erkenntnisse über Einstellungen zur Frage "Stärkt oder schwächt die Innere Führung die Kampfkraft des Heeres" zu gewinnen. Der Kommandeur der Fernspähschule in Weingarten hatte die Untersuchung dieser Frage in seinem Verantwortungsbereich untersagt.

Ähnliches Beispiel: Das Heeresamt wusste genau, dass das von ihm zur Verbesserung der Menschenführung herausgegebene Taschenbuch "Soldaten führen - Taschenbuch für ... Vorgesetzte" in einer "Elitedivision" nicht verteilt wurde, weil diese Division eine Verweichlichung ihrer Soldaten befürchtete. "Das Heer" tat unwissend. Denn wenn "das Heer" dies "gewusst" hätte, hätte der Inspekteur des Heeres handeln müssen.

Dr. Klaus-Jürgen Preuschoff,Oberstleutnant a. D., Bad Dürkheim

Rechte wie woanders auch

Streitkräfte wirken anziehend auf rechtsextreme Kreise. Diese latente Gefährdung verlangt eine sorgfältige Beobachtung entsprechender Anzeichen und bei Bedarf eine konsequente Ahndung bis zur Entlassung. Der Historiker Wolfram Wette zählt Einzelfälle aus Jahrzehnten auf und zieht auf dieser dünnen Basis Parallelen zwischen dem Freikorps der Weimarer Republik und unserer Bundeswehr. Ich habe in vier Jahrzehnten diesen Eindruck nicht erlebt. Heute wird jeder Bewerber durch den Militärischen Abschirmdienst überprüft. Dieser wird bei rechtsextremen Anzeichen eingeschaltet. Im Einzelfall mögen Fehlurteile vorkommen. In der Bundeswehr hat es aber kein höheres Maß an staatsgefährdender Gesinnung oder Betätigung gegeben als in Schulen, Unis, Werkhallen, Behörden, Medien. Die Bundeswehr hat mit Freikorps oder ähnlichem nichts am Hut.

Richard Drexl, Oberst a.D., Kaufbeuren

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