Weitere Briefe:Geschmackssache

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Die Offenheit für besondere Gerichte geht schon im Kindergartenalter verloren, beklagt ein Leser. Aber auch die Glaubwürdigkeit manch einer Institution hat im Laufe der Jahre gelitten.

Glaubwürdigkeitsschwund

"Leichenwagen für die Mafia" vom 7./8. Mai, Wirtschaft:

Stück für Stück bröselt der Glaube an einen nicht korrupten Staat: Während früher der TÜV als grundehrlich und unbestechlich galt, sind mittlerweile Mitarbeiter des TÜV-Süd mutmaßlich an kriminellen Machenschaften in Form von Gefälligkeitsgutachten für Schrottautos beteiligt, streichen dafür Zehntausende von Euro an Bestechungsgeld ein und erhalten bei Verurteilungen, die es selten genug gibt, meist lediglich geringfügige Bewährungsstrafen. Als langjähriger Schöffe am Landgericht in München und Frankfurt am Main bin ich empört über diese Selbstamputation des Rechtsstaates. Wen wundert da noch wachsende Staatsverdrossenheit, die nur rechten Rattenfängern nützt?

Björn Luley, Frankfurt/Main

Geschmacksschwund

"Kalbtraum" vom 7./8. Mai, Stil:

Zum Kalbfleisch, glaub ich, sind doch noch einige Anmerkungen notwendig: Im "Kochbuch für ländliche Haushalte" von Karoline Dietrich, Argarverlag, Wien 1933 (das meine Mutter bei ihrer Ausbildung zur Köchin begleitete) steht: "Das Fleisch der Kälber ist am besten, wenn es von 4 bis 5 Wochen alten Kälbern stammt, die noch kein Rauhfutter genossen haben. Sind die Nieren in reichlichem Fett eingebettet, so ist dies ein Zeichen guter Ernährung."

Im "Nouveau Larousse Gastronomique" von Prosper Montagné, 1967, liest man unter "veau" (Kalbfleisch): "Petit de la vache ainsi appelé de sa naissance jusqu'à l'époque de son sevrage. La meilleure viande provient d'animaux âgés de deux mois et demi à trois mois, nourris exclusivement de lait et de quelques œufs, vers la fin" (... das beste Fleisch stammt von Tieren im Alter zwischen zweieinhalb und drei Monaten ...; d. Red.). Heute dürfen Kälber nach EU-Recht bis zu acht Monate alt sein. Und natürlich spielen Rasse, Haltungsform und lange Transportwege vor der Schlachtung auch eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Sehr bedauerlich ist, dass, schon in den Kindergärten neben dem Gesundheitsaspekt der Geschmacksoffenheit, der Neugier zum Beispiel auf Innereien, Schwanz und Kopf des Schlachttieres kein Raum gegeben wird. Vielmehr entsteht dort eine Igitt-Haltung, gegen die einzelne Eltern keine Chance haben. Schwanzragout, Beuschel, Kälberfüße, Trippa, Bries, sogar Kalbsnierenbraten - alles "igitt".

Richard Unterauer, München

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