Weitere Briefe:Gegentrends

Einem Stadtrat in Aue ist es wichtig, dass die NPD im Westerzgebirge politisch keine Rolle spielt. Und ein Leser aus Magdeburg weiß, wie sich Staus auf deutschen Autobahnen ganz einfach vermeiden lassen: die Raser ausbremsen.

Westerzgebirge im Gegentrend

"Unser Land" vom 22./23. Juli: Ulrike Nimz und Cornelius Pollmer entführen den Leser auf drei Seiten zu einer Reise durch einige Regionen des Freistaates Sachsen. Dass sie dabei als Entree des Streifzugs die Stadt Aue mit der Beschreibung "von Häusern, die zur Ortsmitte hin abrutschen" etikettieren, mag als stilistischer Fauxpas durchgehen. Warum jedoch findet es keine Erwähnung, dass die NPD bei den letzten Kommunalwahlen im Mai 2014 in der Stadt Aue mangels Kandidaten noch nicht mal auf dem Wahlzettel erschien? Und selbst in der Stadt Schneeberg, die bundesweit im Jahr 2013 durch die "Lichtelläufe" in die Schlagzeilen geriet, gelang der NPD nicht der Einzug in den Stadtrat. Die NPD verfügt im gesamten Städtebund Silberberg, der mehr als 50 000 Einwohner rings um Aue umfasst, exakt über einen(!) Gemeinderat. Bemessen an der parlamentarischen Stärke ist die Partei damit schlicht ein irrelevanter politischer Faktor in der Region.

Dies fällt umso mehr ins Gewicht, da der NPD insbesondere im Osten Deutschlands, belegt durch zahlreichen Analysen, eine starke kommunalpolitische Verwurzelung attestiert wird. Das Westerzgebirge setzt damit einen bemerkenswerten Gegentrend, den die beiden SZ-Redakteure rundweg ignorieren. Sie kontrastieren damit auch die Arbeit von Frau Angela Klier, die nicht alleingelassen, sondern im engen Verbund mit den hiesigen Kommunen, sich seit Jahren erfolgreich im Kampf gegen Rechtsextremismus engagiert.

Unbenommen sieht sich das Erzgebirge evidenten extremistischen außerparlamentarischen Herausforderungen gegenüber. Wie bislang werden die hiesigen politischen und zivilgesellschaftlichenAkteure darauf mit ruhiger Entschlossenheit reagieren.Tobias Andrä, Mitglied des Stadtrats der Großen Kreisstadt Aue

Raserland

"Stau-Land" vom 28. Juli: Michael Kuntz fragt zu den zu erwartenden Staus auf deutschen Autobahnen: Was ist zu tun? Die simpelste und rationalste Methode, Staus auf deutschen Autobahnen zu vermeiden, scheint ihm nicht einfallen zu wollen: die Durchsetzung eines Tempolimits von 120 bis 130 km pro Stunde, so wie es nicht nur in Deutschlands Nachbarstaaten üblich ist. Oder hat dort schon einmal ein Deutscher im Stau gestanden? Dann würde man kaum noch von Rasern mit 200 Sachen überholt, welche dann im Stau stehen, weil sie scharf bremsen mussten, und der hinter ihnen herjagende Raser meist noch stärker, der nächste Raser noch stärker... Und schon steht alles.

Und wenn eine Verengung von drei Fahrspuren auf zwei angezeigt wird, muss jeder Raser unbedingt auf der dritten Fahrspur bis zum Beginn der Verengung rasen, anstatt sich rechtzeitig einzufädeln, weil er dann im Stau vielleicht 100 Meter gewonnen hat. Und schon wieder Stau!

Deshalb ist Deutschland ein Stau-Land, nicht wegen der Baustellen. Aber das macht doch nichts, das merkt doch keiner, heißt es in einem Karnevalsschlager. Die deutschen Raser werden es wohl nie merken. Raser-Land wäre wohl treffender als Stau-Land! Thomas Wadewitz, Magdeburg

© SZ vom 03.08.2017
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