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Weitere Briefe:Fragen und Antworten

Die Politik muss ehrlicher werden, meint ein Leser. Dann hätten die sogenannten neuen Rechten weniger Zulauf. Eine andere Leserin hat zum Thema Flüchtlingsbetreuung in Deutschland eine wichtige Ergänzung.

Flüchtlingsbetreuer befragen

"Wer bist Du" vom 12. Oktober: Josef Kelnberger stellt in seiner Seite-Drei-Reportage unter anderem fest: "Aber mit jedem Detail, das das Gericht über den Täter und seine Tat, über seine Flucht und sein Leben in Deutschland enthüllt, fügt sich das Bild des Angeklagten zu einem Ganzen. Und nebenbei öffnet sich ein Blick auf das System der deutschen Flüchtlingsbetreuung. Man erkennt viel guten Willen, aber auch Überforderung und manchmal Arglosigkeit." Ich bin über den Versuch des Autors gestolpert, aus dem beschriebenen Fall eine verallgemeinernde Aussage über "das System der deutschen Flüchtlingsbetreuung" zu machen. Denn es fehlt die Befragung von Menschen, die organisatorisch in Bürgerinitiativen, in Vereinen, in Gliederungen von Kirchen und anderen Einrichtungen eingebunden sind. Mit einer solchen erweiterten Perspektive hätten wir erfahren können, wie in diesen Organisationen mit dem schwierigen Verhältnis zwischen Distanz und Nähe zwischen Betreutem und Betreuer umgegangen wird, welche Hilfestellungen man entwickelt hat und was an professionellem Know-how Sozialarbeiter, Psychologen, Juristen, Pädagogen und andere haben einbringen können. Und mit Blick auf die nichtdeutschen HelferInnnen hätte die Rede von "der deutschen Flüchtlingsbetreuung" modifiziert werden können. Elke Heinsen, Berlin

Die Politik muss ehrlicher werden

"Enttäuscht" vom 14./15. Oktober: Norbert Frei meint, man müsse die "Enttäuschten" zurückgewinnen, ohne das Spiel der Rechten zu spielen. Einen Großteil der Enttäuschten kann man sicher wieder gewinnen, indem die Politik ehrlicher wird. Lange Zeit waren Altersarmut und Kinderarmut Themen, die in der Presse sehr häufig zu finden waren. Aber die Politiker haben weder die Renten erhöht noch für die Kinder entsprechende Programme aufgelegt. Dann kamen die Flüchtlinge und plötzlich stehen für diese mehrere Milliarden Euro jährlich zur Verfügung. Wir schaffen das! Ohne jegliche weitere Erklärungen.

Wen wundert es, dass sich viele Wähler hintergangen, betrogen und angelogen fühlen und nun die etablierten Parteien nicht mehr wählen wollen. Aber welche Alternativen gibt es? Zum Beispiel zwischen CDU/CSU und AfD gibt es - nichts. Auch so ist das Wahlergebnis der AfD zu erklären. Nur gut, dass viele Wähler, die dies ebenso sehen, die AfD trotzdem für untragbar halten. Josef Feuerstein, Markt Schwaben

© SZ vom 24.10.2017
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