"Die Mühlen der Justiz arbeiten so langsam, dass es für Außenstehende so aussieht, als mahlten sie gar nicht." Diesem Satz aus dem Artikel möchte ich aus ganzem Herzen zustimmen. In einem vergleichbaren Fall, dem so genannten "Tegernseer Badewannenmord", der mit großer Sicherheit kein Mord, sondern ein Haushaltsunfall war, hat die Verteidigerin am 12. Juni 2019 einen Wiederaufnahmeantrag gestellt. Bis heute berät die Münchner Justiz darüber, wie sie mit diesem Antrag umgehen soll.
Ablehnen? Dafür sind, wie bei dem "Parkhausmord", auch hier die Zweifel viel zu groß. Dann könnte sich die Antragstellerin ja an die nächste Instanz wenden und im schlimmsten Fall dort eine Zulassung des Antrags erwirken.
Annehmen? Dann gäbe es ganz sicher einen öffentlichkeitswirksamen neuen Prozess, bei dem im Extremfall festgestellt würde, dass hier ein Unschuldiger seit vierzehn Jahren in Haft gehalten wird. Beides keine schöne Aussicht für die bayerische Justiz. Also schiebt man die Entscheidung hinaus. Nun schon im vierten Jahr.
Die Mühlen der Justiz mahlen sehr langsam, aber sie stehen nicht still. Hin und wieder zermahlen sie unschuldige Menschen.
Achim Clausing, Münster
Lächerliches Bahn-Zuckerl
"Mehr Züge in Bayern" vom 15. Juni:
Wundersame Zugvermehrung in Bayern? Der bayerische Verkehrsminister will also zusätzliche Züge in Bayern fahren lassen. Das klingt zunächst sehr verlockend. Allerdings fragt man sich ganz unwillkürlich: Wo will er diese Züge hernehmen? Stehen sie irgendwo unbenützt herum und warum? Oder müssen sie erst gekauft beziehungsweise produziert werden?
Sollte Letzteres der Fall sein, stellen sich weitere Fragen: Wie viele Eisenbahnwaggons und Lokomotiven bekommt man für die acht Millionen Euro, die der Minister zur Verfügung stellen will? Im Internet findet man Zahlen von vier Millionen Euro für eine Lokomotive...
Selbst wenn der Minister auf dem Schnäppchenmarkt einkaufen geht, dürfte schnell klar werden, dass der Betrag von acht Millionen angesichts der Probleme geradezu lächerlich ist. Die Größenordnung macht ein Vergleich mit Provisionszahlungen von 48 Millionen Euro deutlich, die allein an eine Vermittlerin bei den Corona-Masken-Deals geflossen sein sollen.
Peter Klimesch, München
Bumm-Bumm-Klassik
"Fülle des Gefühls" vom 20. Juni:
Chapeau! Endlich traut sich mal wer, der manieriert gespielten "Militärmusik im TGV-Tempo" des Giovanni Antonini etwas entgegen zu halten!
Dieser Dirigent fetzt ja alles, was er vor seinen Dirigentenstab bekommt, so schamlos unberührt herunter - Sie nennen das in vornehmer Zurückhaltung: knackig -, dass man den Eindruck bekommt, es handle sich um die Transformation von Haydn - zum Beispiel - in Bumm-Bumm-Geräusche.
Popmusik ist ja dagegen noch geradezu melodisch. Aber leider muss dazu auch gesagt werden, dass sich Antonini dabei "in guter Gesellschaft" bewegt. Der finnischen Dirigentenschule beispielsweise.
Uwe Jaenchen, Bamberg
Kulturansprüche einbremsen
"Melodien für Millionen" vom 11. Mai:
Egal, ob das neue Konzerthaus nun eine Milliarde kosten würde oder ein bisschen weniger. Der Unterschied zu 40 Millionen Euro, welche die Isarphilharmonie gekostet hat, ist eklatant. Anscheinend stimmt etwas Grundsätzliches nicht mit unseren öffentlichen Prestigeprojekten. Warum entwickeln sie sich fast immer in schwindelerregende Größenordnungen?
Anscheinend gibt es unterhalb der allerobersten politischen Ebene niemanden, der mit den Kulturgewaltigen - den Orchesterchefs, Kulturmanagern und Bannerträgern der Baukultur - wirklich auf Augenhöhe verhandeln würde. Niemanden, der Ansprüche in der täglichen Auseinandersetzung präventiv zu hinterfragen wagt. Wie die Isarphilharmonie ahnen lässt, ginge natürlich alles auch "eine Nummer kleiner".
Wie konnte München überhaupt zu einer führenden Musikstadt mit zwei international renommierten Symphonieorchestern werden, obwohl es hier seit Jahrzehnten nur einen zwar großen, aber akustisch unbefriedigenden Saal im Gasteig und einen eigentlich zu kleinen Saal in der Residenz gibt? Und jetzt droht angeblich der Abstieg in die Regionalliga, wenn nicht alle Ansprüche an ein neues Konzerthaus unbesehen erfüllt werden?
Dass es bei derartigen Projekten anscheinend regelmäßig zur gleichen katastrophalen Eskalation kommen muss, an deren Ende dann nur noch allgemeine Ratlosigkeit steht, hat strukturelle Gründe. Bevor man die nicht angeht, wird das zweite Münchner Konzerthaus nicht der letzte derartige Unglücksfall gewesen sein.
Axel Lehmann, München